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Autoindustrie : Der Markt bestraft Nissan

Ein Arbeiter von Nissan schraubt einen Motor zusammen. Bild: AFP

Es war einer der kleineren japanischen Skandale im vergangenen Jahr. Nissan Motor hatte Endkontrollen nicht ordnungsgemäß durchgeführt. Auf dem Heimatmarkt verlor der Autobauer viele Kunden.

          Gefälschte Dokumente im Finanzministerium, monatelang „verschollene“ Dokumente im Verteidigungsministerium, gefälschte Angaben zur Produktqualität unter anderem bei großen Stahlherstellern. Die Liste der Skandale, die Japan seit dem vergangenen Jahr durchschütteln, ist lang. Die Autobauer Nissan Motor und Subaru haben davon profitiert, weil ihr Fehlverhalten in der skandalgesättigten Öffentlichkeit weniger Aufmerksamkeit fand.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Vielleicht war das Versagen auch nicht so schlimm. In beiden Unternehmen hatten viele Jahre lang auch nicht zertifizierte Mitarbeiter die Abschlussprüfungen der für den japanischen Markt bestimmten Fahrzeuge durchgeführt. Berichte oder Hinweise, dass deshalb unsichere Fahrzeuge auf die Straße kamen, gibt es nicht. Für den Export bestimmte Fahrzeuge waren ohnedies nicht betroffen. Es handelt sich um eine rein japanische Sonderregelung, nach der jedes Auto, das auf japanischen Straßen fahren soll, einer besonderen Endabnahme am Band unterzogen wird.

          Bestraft wurde Nissan kaum durch die Regierung, die auf eine Strafanzeige verzichtete, sondern durch den Markt. Im vergangenen Geschäftsjahr, das im März endete, verkaufte Nissan in Japan 396.727 Fahrzeuge oder 5 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Und das, obwohl der gesamte Autoabsatz in Japan im vergangenen Fiskaljahr um 2,3 Prozent stieg. Die Daten stammen von der japanischen Autobauervereinigung.

          NISSAN MOTOR

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          Nissans Absatzminus liegt zum Teil wohl daran, dass das Unternehmen die Produktion für den japanischen Markt zeitweise drastisch drosseln musste, um sein Problem mit den Inspektionen in den Griff zu bekommen. Zum Teil könnte sich in den Verkaufsrückgang aber auch ein Rufschaden niederschlagen. Schon 2016 war Nissan unangenehm aufgefallen, weil es von Mitsubishi Motors gelieferte Kleinstwagen verkauft hatte, deren Verbrauchstest manipuliert worden waren.

          Im Gegensatz zu Nissan entging Subaru der Strafe des Marktes. Der Autobauer steigerte seinen heimischen Absatz um 5,7 Prozent auf 136.630 Fahrzeuge. Warum der Markt Nissan bestrafte und nicht Subaru ist unklar. Ein Grund mag sein, dass Subaru im Windschatten des Nissan-Skandals fuhr und viele japanische Käufer mit einem neuen Modell überzeugte.

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