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Kreuzfahrten in Corona-Zeiten : Der lange Weg weg von der Leine

Stillstand im Hafen: Mein Schiff 3 von TUI in Cuxhaven Bild: dpa

Weniger Stopps, weniger Büffets, weniger Passagiere – Hochseefahrten stehen vor einer Kurskorrektur, ein Datum für den Neustart gibt es noch nicht. Flussschiffe sind kleiner und sollen bald wieder ablegen.

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          Eine Rundfahrt von Hamburg nach Hamburg, wenige oder keine Zwischenhalte in anderen Ländern, keine Selbstbedienung am Büffet und keine Bühnenshows vor hunderten Zuschauern – so könnte der Neustart für Kreuzfahrten nach der Corona-Zwangspause aussehen. Vieles vom dem, was 2019 erstmals mehr als 2,5 Millionen deutsche Passagiere buchten, dürfte vorerst wegfallen. „Aufgrund der aktuellen Einreisebeschränkungen scheint ein Start ab deutschen Häfen mit Seetagen möglich – vorbehaltlich der Zustimmung der zuständigen Behörden“; sagt eine Sprecherin von TUI Cruises. Vom fahrenden Hotel, das Urlauber von Land zu Land bringt, würde sich die Schiffsreise zum Angebot wandeln, dass viel Meerblick bis zum Horizont bietet.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Noch ist nicht ausgemacht, wann die Schiffe fahren - schon in den nahenden Ferien oder später. Das Virus mache keinen Urlaub. „Deshalb können wir den Menschen gerade keine Hoffnung machen, dass zu einem bestimmten Datum wieder Kreuzfahrten möglich sind“, sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Marktführer Aida hat Fahrten bis zum 30. Juni abgesagt. Dass vom 1. Juli an alles wieder unterwegs, heißt das nicht. Einen konkreten Starttermin sagt ein Reederei-Sprecher nicht. Auch Konkurrent TUI Cruises nennt für seine „Mein-Schiff“-Flotte keinen festen Termin.

          Konkret wird noch keine Reederei, was sich ändern muss. Rechnerisch entfallen auf jeden Passagier genug Quadratmeter, um Vorgaben wie für Händler einzuhalten. „Das Passagier-Platz-Verhältnis ist an Bord der Mein Schiff Flotte ist sehr großzügig. Trotzdem werden wir, ähnlich wie Hotels an Land, nicht mit voller Auslastung starten“, sagt die TUI-Sprecherin.

          Abendrot am Wasser: Wann sticht das Aida-Schiff wieder in See?
          Abendrot am Wasser: Wann sticht das Aida-Schiff wieder in See? : Bild: dpa

          Doch Gänge vor Kabinentüren sind lange Flure, ob sie zu Einrichtungswegen werden, ist offen. Das Ende von Büffets wäre ein Radikalschnitt. Die Reederei Costa war schon auf ersten Schiffen dazu übergegangen, dass sich kein Passagier Essen selbst auf den Teller legen durfte, sondern Speisen gereicht bekam. Und fraglich ist, ob Behörden es zeitnah zulassen, dass Urlauberpulks auf Landgang in Bussen zu Sehenswürdigkeiten gekarrt werden. Kalkulationen wirft das über den Haufen: Die Branche wollte die durchschnittliche Reisedauer erhöhen. Weniger Anlaufhäfen dürften mehr Kurzreisen bedeuten.

          Vor der Krise waren Kreuzfahrten ein Wachstumstreiber. Dass Umsätze der Reiseveranstalter von Rekord zu Rekord stiegen, lag an den Schiffen, die klassische Pauschalreise per Flug zu einem Hotel an Land war schon unter Druck. Kreuzfahrtmanager rechneten vor, dass sie auf dem Kurs seien, statt 2 Prozent künftig 3 Prozent der deutschen Urlauber an Bord zu holen. 2019 war wegen vieler Neubauten die Nachfrage um 15 Prozent gestiegen. 2020 sollte nur eine Verschnaufpause werden, bis 2021 die nächsten Kähne erstmals aufbrechen. Schließlich führen in den Vereinigten Staaten schon 4 Prozent aller Urlauber mit – viel Raum für Wachstum und Renditen also. 2019 machte der Aida-Mutterkonzern rund 3 Milliarden Dollar Gewinn, 2020 waren schon 3 Milliarden Dollar Kredit nöltig, über Anleihen werden weitere Milliarden geholt,

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