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Kreuzfahrten in Corona-Zeiten : Der lange Weg weg von der Leine

Schattenseite: Warnhinweis an einem Kreuzfahrtschiff mit Infizierten
Schattenseite: Warnhinweis an einem Kreuzfahrtschiff mit Infizierten : Bild: dpa

Nun geht es weniger um zusätzliche Kunden, sondern eher um mehr Sicherheit und mehr Hygiene. Doch während Hotels Desinfektionsmittelspender aufstellen, gibt es die an Bord an vielen Ecken und vor jedem Restaurant seit Jahren. Auch Türen ohne Klinken, die sich automatisch oder mit berührungslos zu bedienenden Schaltern öffnen, sind längst verbreitet. Reedereien haben leidliche Erfahrungen mit Darminfektionen  „Oberste Priorität hat die Gesundheit von Gästen und Besatzung. Daher prüfen wir zusätzliche infektionspräventive Maßnahmen. Diese würden über unsere bereits jetzt bestehenden strengen Prozesse hinausgehen“, sagt die TUI-Sprecherin.

Der jüngste TUI-Kreuzer aus der Mein-Schiff-Flotte kann 2900 Passagiere an Bord nehmen, das größte Aida-Schiff gar mehr als 5000 –  schon in Vor-Corona-Zeiten erschein das viel, wenn es um Abstandsgebote geht, wirken die Zahlen riesig. Ein Schiff ohne Infizierten ist einer der sichersten Orte der Welt, ein Schiff mit Infiziertem eine Hochrisikozone. Schlagzeilen machte das Schiff „Diamond Princess“. Dort gab es zunächst einen Passagier mit Symptomen, der von Bord ging. Doch er hatte wohl Mitreisende angesteckt. Japan untersagte, dass jemand im  Hfen von Yokohama von Bord geht. Als Behörden nach mehr als zwei Wochen die verordnete Zwangsquarantäne abbrachen, waren Hunderte infiziert, mindestens 13 starben.

Auf anderen Schiffen ließen sich Passagiere auf eine Sonderfahrt nach Europa mit fast einem Monat auf See ein, schließlich gab es auf den meisten Kreuzern keinen Infizierten. Viel größer ist das Problem der Reedereien, dass sie fast nirgendwo festmachen können. „Behörden haben ihre Häfen schnell dicht gemacht, sobald sie unsere Schiffe am Horizont sahen“, berichtet ein Manager aus der Branche. Das führte am Beginn der Pandemie zu tagelangen Irrfahrten. „Voraussetzung für die Wiederaufnahme des Betriebs sind die Aufhebung der Reisewarnung des Auswärtigen Amts, verfügbare Häfen sowie Lockerung der Einreisebestimmungen in den Fahrtgebieten“, heißt es daher von TUI.

Start in schwieriger Zeit: Das Schiff „Iona“, jüngster Neubau der Papenburger Werft-Werft, im März auf der Ems
Start in schwieriger Zeit: Das Schiff „Iona“, jüngster Neubau der Papenburger Werft-Werft, im März auf der Ems : Bild: dpa

Bei Flusskreuzfahrten ist der Rostocker Anbieter Arosa derweil vorgeprescht. Das Unternehmen will von Pfingsten an wieder auf Rhein und Donau schippern, Auslandskurse auf Seine und Rhone in Frankreich sowie auf dem portugiesischen Duoro sollen zu einem späteren Zeitpunkt folgen. Im Inland befindet sich die Reederei  in den letzten Abstimmungen mit Behörden, um ein mit externen Fachleuten erarbeitetes Sicherheitskonzept genehmigt zu bekommen. Starr soll das nicht sein. „Die Vorgaben der Regierungen und Empfehlungen der Gesundheitsorganisationen verfolgen wir aufmerksam und passen unser Konzern laufend an“, kündigt eine Arosa-Sprecherin an.

Einen Vorteil haben die Flussschiffe: Am Bord haben nur rund 200 Passagiere Platz, auf Ozeankreuzer sind es zehnmal so viele oder noch mehr. „Dadurch lassen sich die vorgegebenen Hygiene- und Abstandsregeln sehr gut und ohne eine signifikante Reduzierung der Auslastung umsetzen“, sagt die Arosa-Sprecherin. Dass weniger Passagiere je Schiff weniger Herausforderungen bedeuten, dämmert auch den Hochseeanbietern. Für die nächsten Jahre stehen noch Jungfernfahrten bestellter Großdampfer an, doch die Bauphase wollen Reedereien wohl für Änderungen nutzen, damit es weniger Büffetzonen und mehr Raum für den Zeitvertreib ohne Massen gibt.

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