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Goldgrube Fußball : Wo kommen die Fifa-Milliarden her?

  • -Aktualisiert am

Bollwerk auf dem Zürichberg: die Fifa-Zentrale in der Schweiz Bild: Picture-Alliance

Auch wenn die Fifa offiziell ein Verein ist, agiert sie mittlerweile wie ein großes Unternehmen. Woher kommt das Geld? Und warum bloß hat ein nicht gewinnorientierter Verein 1,5 Milliarden Dollar auf der hohen Kante?

          4 Min.

          Ein Blick auf die Googletrends in diesen Tagen zeigt, dass es viele Fragen zur Fifa gibt. „What is Fifa?“ steht auf Platz 1 der Suchanfragen zum Fußballweltverband, „How much is Fifa worth?“ an zweiter Stelle und „Who owns Fifa?“ folgt auf dem dritten Platz. Bei den Untersuchungen und Festnahmen, die zur Zeit nicht nur in den Vereinigten Staaten und der Schweiz stattfinden, sind diese Fragen keine Überraschung. Denn auch wenn sich die Fifa (Fédération Internationale de Football Association) als Verband für den Weltfußball kleidet, agiert sie doch mittlerweile wie ein Konzern - und zwar zum Teil wie ein undurchsichtiger.

          Grund dafür ist auch die Rechtsform. Formal ist die Fifa im Gegensatz zu einem börsennotierten Großunternehmen ein im Handelsregister eingetragener Verein im Sinne der Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs (ZGB) mit Sitz in Zürich. Mitglieder des Vereins sind 209 nationale Verbände. Als ein solcher Verein darf sie nicht gewinnorientiert handeln und ist verpflichtet, ihre Gewinne, Reserven und Mittel gemäß Vereinszweck „zur Verbesserung und weltweiten Verbreitung des Fußballs insbesondere durch Jugend- und Entwicklungsprogramme“ zu verwenden. Zudem darf sie keine Dividenden auszahlen, alle Einnahmen müssen daher mehr oder weniger wieder ausgegeben werden. Regelmäßig veröffentlicht die Fifa einen umfangreichen Finanzbericht, der von einem Wirtschaftsprüfer auf seine Richtigkeit überprüft wird und aus dem zumindest ungefähr die finanziellen Dimensionen ersichtlich werden.

          Womit verdient die Fifa also ihr Geld? Neben verschiedenen kleineren Geldquellen sind das Erträge aus Marketingrechten, die 29 Prozent der Einnahmen ausmachen, und vor allem Fernsehrechte, die mit 43 Prozent für die Hälfte der Einnahmen ausmachen. Schaut man ein wenig in die Vergangenheit, wird schnell deutlich, dass die Fifa ihre Einnahmen deutlich steigern konnte. Im Jahr 2014 nahm der Verband durch die WM in Brasilien mehr als 2 Milliarden Dollar ein, wie aus dem Finanzbericht 2014 hervorgeht. 2010, im Jahr der WM in Südafrika, waren es noch 1,3 Milliarden Dollar.

          Darin steckt auch deutsches Gebührenzahlergeld, weil die deutschen Fernsehrechte an ARD und ZDF vergeben und somit von Gebührengeldern gezahlt wurden. Für die WM in Brasilien waren das zum Beispiel 210 Millionen Euro. In einem kleinen und vereinfachten Rechenexempel lässt sich schnell ausrechnen, wie hoch der Anteil der deutschen Gebühren vermutlich an den Gesamteinnahmen der Fifa sein könnte. Die Fifa gibt in ihrem Finanzbericht an, mit den Fernsehrechten zur WM 2014 fast 2,5 Milliarden Dollar eingenommen zu haben (dies ist der Gesamtbetrag, der für die Finanzperiode 2011 bis 2014 ausgewiesen wird). Der deutsche Beitrag kann also, auch bei schwankenden Wechselkursen, auf etwa ein Zehntel geschätzt werden.

          Und wofür gibt die Fifa ihr Geld aus? Hier gibt sich der Verband nicht ganz so transparent, zumindest was die Gehälter der Spitzenfunktionäre betrifft. Laut Finanzbericht werden fast drei Viertel der Einnahmen wieder in den Fußball investiert. Etwas mehr als die Hälfte ihrer Gelder gibt die Fifa für die Wettbewerbe an sich aus, zum Beispiel in Form von Zahlungen an die Teilnehmer oder Zahlungen an das Organisationskomitee. 20 Prozent der Ausgaben investiert sie in Entwicklungsprojekte. Die Personalausgaben 2014 betrugen für fast 500 Mitarbeiter 115 Millionen Dollar. Das ist sind mehr als 200.000 Dollar je Mitarbeiter, was nicht wenig ist. Allerdings sollte man die hohen Lebenshaltungskosten nicht unterschätzen. Andere internationale Verbände mit Sitz in der Schweiz, zum Beispiel die Europäische Fußballunion Uefa oder die Europäische Rundfunkunion EBU, die den Eurovision Songcontest veranstaltet, zahlen zwar etwas weniger, aber nicht erheblich. 

          Interessant wird es aber bei der Bezahlung von Blatter und anderen Verantwortlichen, denn deren Gehälter werden nicht explizit ausgewiesen. Es wird lediglich angegeben, dass es sich an üblichen Bezahlungen zweier Referenzgruppen orientiert und es sich um ein Festgehalt handelt. In Referenzgruppe A befinden sich laut Finanzbericht die wichtigsten Firmen im Bereich Kommunikation, Werbung, Medien und Konsumgüter mit globaler Bekanntheit sowie Marketingpartner der Fifa. Gruppe B setzt sich zusammen aus Unternehmen mit ähnlichem Umsatz wie die Fifa, die ebenfalls aus den aufgezählten Branchen kommen.

          Ziemlich versteckt im Finanzbericht findet sich aber doch ein Hinweis zur Höhe der Gehälter. Der Absatz trägt die Überschrift „Leistungen an die leitenden Organe“. Diese Organe, zu denen das Fifa-Direktorium, das Exekutivkomitee und die Finanzkommission gehören, erhielten 2014 kurzfristig fällige Leistungen von rund 40 Millionen Dollar, was man als Gehalt interpretieren kann. Nach diesen Zahlen bewegt sich das Durchschnittsgehalt eines Funktionärs dieser Gruppe bei rund 900.000 Euro. Interessant ist hier der Vergleich zur Uefa. Diese weist in ihrem Finanzbericht 2013/2014 als Entschädigungen für ihr Exekutivkomitee, das neben Präsident Michel Platini 16 weitere Mitglieder hat, 3,5 Millionen Euro aus. Auch wenn ein genauer Vergleich mit den Fifa-Zahlen schwierig ist, deutet dies auf ein geringeres Gehalt der Spitzenfunktionäre hin, nämlich lediglich etwa 200.000 Euro je Person.

          Bleibt der Fifa eigentlich bei den Ausgaben noch Geld übrig? Die Antwort ist ja, und das Ersparte wird immer mehr. Der Gewinn der Fifa im Jahr 2014 belief sich auf 141 Millionen Dollar, was viel ist, wenn man bedenkt, dass die Fifa als Verein nicht gewinnorientiert handeln darf. Die Rücklagen summieren sich zudem mittlerweile auf 1,5 Milliarden Dollar, mehr als doppelt so viel wie 2007. Der Verband begründet diese hohen Summen damit, dass man Rücklagen bilden müsse, weil das Geschäftsmodell fast ausschließlich von Weltmeisterschaften abhänge und man Geld brauche, falls es zu Problemen oder Ausfällen komme, da man solche Ereignisse zunehmend schlechter versichern könne. Mit Blick auf die Ermittlungen zu den Vergaben der WM 2018 in Russland und 2022 in Qatar spricht die Fifa hier erstaunlich offen. Als entscheidende Säule des Fifa-Geschäftsmodell gilt übrigens, dass sich der Verband in den Gastgeberländern einer Weltmeisterschaft Steuerbefreiung zusichern lässt. Den Brasilianern sollen dadurch Steuern in Höhe eines mittleren dreistelligen Millionenbetrags entgangen sein. Diese Information lässt sich übrigens nicht im Finanzreport finden.

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