https://www.faz.net/-gqe-83um4

Goldgrube Fußball : Wo kommen die Fifa-Milliarden her?

  • -Aktualisiert am

Und wofür gibt die Fifa ihr Geld aus? Hier gibt sich der Verband nicht ganz so transparent, zumindest was die Gehälter der Spitzenfunktionäre betrifft. Laut Finanzbericht werden fast drei Viertel der Einnahmen wieder in den Fußball investiert. Etwas mehr als die Hälfte ihrer Gelder gibt die Fifa für die Wettbewerbe an sich aus, zum Beispiel in Form von Zahlungen an die Teilnehmer oder Zahlungen an das Organisationskomitee. 20 Prozent der Ausgaben investiert sie in Entwicklungsprojekte. Die Personalausgaben 2014 betrugen für fast 500 Mitarbeiter 115 Millionen Dollar. Das ist sind mehr als 200.000 Dollar je Mitarbeiter, was nicht wenig ist. Allerdings sollte man die hohen Lebenshaltungskosten nicht unterschätzen. Andere internationale Verbände mit Sitz in der Schweiz, zum Beispiel die Europäische Fußballunion Uefa oder die Europäische Rundfunkunion EBU, die den Eurovision Songcontest veranstaltet, zahlen zwar etwas weniger, aber nicht erheblich. 

Interessant wird es aber bei der Bezahlung von Blatter und anderen Verantwortlichen, denn deren Gehälter werden nicht explizit ausgewiesen. Es wird lediglich angegeben, dass es sich an üblichen Bezahlungen zweier Referenzgruppen orientiert und es sich um ein Festgehalt handelt. In Referenzgruppe A befinden sich laut Finanzbericht die wichtigsten Firmen im Bereich Kommunikation, Werbung, Medien und Konsumgüter mit globaler Bekanntheit sowie Marketingpartner der Fifa. Gruppe B setzt sich zusammen aus Unternehmen mit ähnlichem Umsatz wie die Fifa, die ebenfalls aus den aufgezählten Branchen kommen.

Ziemlich versteckt im Finanzbericht findet sich aber doch ein Hinweis zur Höhe der Gehälter. Der Absatz trägt die Überschrift „Leistungen an die leitenden Organe“. Diese Organe, zu denen das Fifa-Direktorium, das Exekutivkomitee und die Finanzkommission gehören, erhielten 2014 kurzfristig fällige Leistungen von rund 40 Millionen Dollar, was man als Gehalt interpretieren kann. Nach diesen Zahlen bewegt sich das Durchschnittsgehalt eines Funktionärs dieser Gruppe bei rund 900.000 Euro. Interessant ist hier der Vergleich zur Uefa. Diese weist in ihrem Finanzbericht 2013/2014 als Entschädigungen für ihr Exekutivkomitee, das neben Präsident Michel Platini 16 weitere Mitglieder hat, 3,5 Millionen Euro aus. Auch wenn ein genauer Vergleich mit den Fifa-Zahlen schwierig ist, deutet dies auf ein geringeres Gehalt der Spitzenfunktionäre hin, nämlich lediglich etwa 200.000 Euro je Person.

Bleibt der Fifa eigentlich bei den Ausgaben noch Geld übrig? Die Antwort ist ja, und das Ersparte wird immer mehr. Der Gewinn der Fifa im Jahr 2014 belief sich auf 141 Millionen Dollar, was viel ist, wenn man bedenkt, dass die Fifa als Verein nicht gewinnorientiert handeln darf. Die Rücklagen summieren sich zudem mittlerweile auf 1,5 Milliarden Dollar, mehr als doppelt so viel wie 2007. Der Verband begründet diese hohen Summen damit, dass man Rücklagen bilden müsse, weil das Geschäftsmodell fast ausschließlich von Weltmeisterschaften abhänge und man Geld brauche, falls es zu Problemen oder Ausfällen komme, da man solche Ereignisse zunehmend schlechter versichern könne. Mit Blick auf die Ermittlungen zu den Vergaben der WM 2018 in Russland und 2022 in Qatar spricht die Fifa hier erstaunlich offen. Als entscheidende Säule des Fifa-Geschäftsmodell gilt übrigens, dass sich der Verband in den Gastgeberländern einer Weltmeisterschaft Steuerbefreiung zusichern lässt. Den Brasilianern sollen dadurch Steuern in Höhe eines mittleren dreistelligen Millionenbetrags entgangen sein. Diese Information lässt sich übrigens nicht im Finanzreport finden.

Fifa-Kongress : Blatter will Fifa aus dem „Schmutz" ziehen

Weitere Themen

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.