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Zentralbanken : Der Kompass der Geldpolitik

Die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main Bild: Philipp Kuchler

Erfolgreiche Geldpolitik ist in erster Linie eine Frage des Willens und nicht des ökonomischen Modells. Sie wirkt sehr stark über das Vertrauen, das die Öffentlichkeit in das Stabilitätsversprechen der Zentralbank hat.

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          Als Otmar Issing vor rund 60 Jahren seine akademische Laufbahn begann, sorgte das von den amerikanischen Ökonomen John Gurley und Edward Shaw verfasste Werk „Money in a Theory of Finance“ für Interesse in einer Zeit, in der vor allem die Rolle des Geldes in einer Güterwirtschaft betrachtet wurde. Der Monetarismus Milton Friedmans, der einen engen Zusammenhang zwischen der Geldmenge und dem Güterpreisniveau postulierte, war ein Ausdruck des damals dominierenden Denkens. Heute kann angesichts sehr stark gewachsener Finanzmärkte, gewaltiger Geldvermögen, denen riesige (private und öffentliche) Schulden entgegenstehen, und einer Geldpolitik, die jahrelang Anleihekaufprogramme laufen lässt, niemand mehr die Bedeutung der Finanzmärkte für Zentralbanken negieren. Die digitale Revolution wird der Geldpolitik weitere Herausforderungen bescheren.

          Das Kolloquium, das in dieser Woche anlässlich des 85. Geburtstags Otmar Issings stattfand, gab nicht nur Anlass zur Würdigung eines hochgeschätzten Mannes, der als Wissenschaftler begann, dann als Chefvolkswirt der Deutschen Bundesbank und der Europäischen Zentralbank wirkte und anschließend wieder zur Wissenschaft zurückkehrte. Es gab auch Anlass zur Frage, ob in einer sich dramatisch wandelnden Welt Konstanten existieren, auf die sich Geldpolitiker gerade in unruhigen Zeiten stützen können.

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