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Der Kommentar : Knallhart

  • -Aktualisiert am

Thomas Middelhoff, ehemaliger Vorstandsvorsitzender des Essener Handelskonzerns Arcandor Bild: dapd

Die Verurteilung wegen „vorsätzlicher sittenwidriger Täuschung“ ist eine knallharte Ohrfeige für den einstigen Arcandor-Chef Middelhoff. Ein solcher Richterspruch kann für einen Geschäftsmann tödlich sein.

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          Ein solcher Richterspruch kann für einen Geschäftsmann tödlich sein: Der einstige Arcandor-Chef Thomas Middelhoff hat Öffentlichkeit und Kapitalmarkt gezielt getäuscht. So lautet nun jedenfalls das Urteil des Essener Landgerichts (siehe Middelhoff wegen Täuschung verurteilt).

          Die Lügen gegenüber Medien und Investoren hat demnach zwar sein damaliger Sprecher verbreitet, der sich selbst als ahnungsloses Werkzeug des Vorstands darstellt. Doch müsse sich Middelhoff die Irreführung der Anleger zuschreiben lassen - zumindest deshalb, weil er sehenden Auges nicht dagegen eingeschritten sei.

          Der schillernde Manager hat die Vorwürfe stets dementiert; er will in die Berufung ziehen. Doch die Verurteilung wegen „vorsätzlicher sittenwidriger Täuschung“ ist eine knallharte Ohrfeige.

          Im Februar 2009 verkündete Middelhoff zum letzten Mal den Zwischenbericht für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2008/09 des Unternehmens Arcandor
          Im Februar 2009 verkündete Middelhoff zum letzten Mal den Zwischenbericht für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2008/09 des Unternehmens Arcandor : Bild: dpa

          Pekuniär ist der Fall hingegen geradezu läppisch: Gerade einmal 2575 Euro muss Middelhoff dem Kläger zunächst nur zahlen, falls das Urteil rechtskräftig wird. Ökonomisch geht es für den einstigen Kaufhauslenker aber derzeit auf einem anderen Kriegsschauplatz ums Ganze. Vor demselben Gericht fordert nämlich der einstige Insolvenzverwalter Görg knapp 200 Millionen Euro von ihm (siehe Insolvenz von Arcandor: Die Justiz knöpft sich Middelhoff vor). Für diese Prozessrunde gilt: neues Spiel, neues Glück.

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