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Verbrauch steigt : Kohlefrachter im Anlieferungsstau vor Chinas Häfen

Im Hafen von Huai’an. Bild: Reuters

Kohle schadet dem Klima. Trotzdem wird auf der Welt wieder mehr davon verfeuert. China ist ein großer Verbraucher – aber längst nicht der einzige.

          2 Min.

          Der wegen seines Beitrags zur Erderwärmung kritisierte Energieträger Kohle befindet sich weltweit wieder auf dem Vormarsch. Das legen neue Daten des Vereins der Kohleimporteure nahe. Demnach ist der Welthandel mit Steinkohle im vergangenen Jahr um 1,5 Prozent auf 1,14 Milliarden Tonnen gestiegen, die globale Förderung von Steinkohle nahm sogar unerwartet um 2 Prozent auf 6,9 Milliarden Tonnen zu.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Nach dem von der Internationalen Energieagentur unlängst berichteten Rückgang im Jahre 2016 hätten sich die Märkte wieder erholt, die Förderung sei in Amerika um 7 Prozent, in China um 2 Prozent und in Indien um gut 3 Prozent gestiegen. Steigende Preise und Frachtraten zeugten von großer Nachfrage. Der Höchststand der Förderung sei, anders als von Umweltschützern erhofft, noch nicht erreicht. Die Nachfrage bleibe hoch in China, in anderen Ländern steige sie sogar noch. Auch die Energieagentur erwarte einen wachsenden Verbrauch, auch wenn der Anteil der Kohle am stärker wachsenden Energiebedarf zurückgehen werde. „Dies unterstreicht unsere Argumentation, dass wir noch lange nicht über Peak Coal reden werden“, also die Höchstmarke des Kohleverbrauchs, sagte Franz-Josef Wodopia, der Geschäftsführer des Vereins der Kohlenimporteure. Vielmehr habe die Nachfrage nach Kohle in der Welt „ein Hochplateau erreicht“.

          Im vergangenen Jahr sei die Ausfuhr aus Amerika um 30 Millionen Tonnen oder 60 Prozent gestiegen. Russland und Südafrika hätten den Seehandel um je 7 Prozent ausgeweitet. Südafrikanische Kohle werde allerdings inzwischen überwiegend nach Asien geliefert. Der Anstieg des Welthandels mit Steinkohle sei vor allem auf die wachsende Nachfrage in den Asean-Staaten zurückzuführen. In Asien wachse die Industrie stetig. Auch lösten der Bau moderner Steinkohlekraftwerke und die wachsende Stahlproduktion eine zusätzliche Nachfrage nach Kessel- und Kokskohle aus. „Auf dem Seeweg nach China sieht man etwas, was wir sonst nur von Deutschlands Autobahnen kennen: Verkehrsstau“, berichtet Wodopia.

          In Deutschland geht der Verbrauch zurück

          In der Bundesrepublik, die im vergangenen Jahr wegen ihres Festhaltens an der Kohle auf dem Klimagipfel gescholten wurde, sinkt inzwischen der Verbrauch etwas. Die deutsche Steinkohleeinfuhr sank um etwa ein Zehntel oder 6 Millionen Tonnen. Ein Plus verzeichneten lediglich Kokskohle und Koks, die zur Stahlerzeugung gebraucht werden. Der Import von Kohle zur Stromerzeugung ging um ein Siebtel oder 7 Millionen Tonnen zurück. „Ursächlich hierfür ist vor allem der nahezu ungebremste Zubau von Windkraftanlagen in einem Jahr mit hervorragender Windausbeute“, resümiert Wopodia. Der Steinkohl-Anteil an der Bruttostromerzeugung sank 2017.

          Diese Zahlen machten deutlich, dass der Ausstieg aus der Steinkohleverstromung bereits Realität sei „und es keiner weiteren staatlichen Eingriffe bedarf“, findet Wopodia. Steinkohlekraftwerke würden zur Flankierung der schwankenden Einspeisung der erneuerbaren Energieträger weiterhin dringend gebraucht, auch wenn ihre Erzeugung zurückgehe. Allerdings erschwerten neue Umwelt- und Grenzwerte den wirtschaftlichen Betrieb. Steinkohlekraftwerken müsse ein fairer Marktzugang ermöglicht werden.

          Die Unterhändler von Union und SPD sehen das ganz anders. Sie verabredeten am Freitag, eine Kommission einzusetzen, die das schrittweise Abschalten der Braun- und Steinkohlekraftwerke für die kommenden Jahre in Deutschland verbindlich vereinbart. Das sind schlechte Nachrichten für die Kohleimporteure, denn die hierzulande verfeuerte Kohle kommt aus dem Ausland. Immerhin bleiben die Importwege offen: Mit den beiden wichtigen Häfen Rotterdam und Amsterdam sei man einig darüber, dass der Freihandel nicht eingeschränkt werden dürfe.

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