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Zusatzzölle : Trump verrechnet sich im Handelskrieg

Der amerikanische Präsident Donald Trump zwischen dem Vizepräsidenten Mike Pence (rechts) und Chinas Chefunterhändler Liu He (links) in Washington. Bild: EPA

Die vom amerikanischen Präsidenten verhängten Zölle hatten nicht die Wirkungen wie von ihm erhofft. Zu diesem Ergebnis kommt die Bundesbank in einem neuen Bericht. Für viele seiner Wähler ist das eine schlechte Nachricht.

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          Die amerikanische Handelspolitik ist seit der Amtsübernahme von Donald Trump als Präsident im Januar 2017 auf Konfrontation ausgerichtet. Seine Absicht war es, mit Ländern, zu denen chronische Handelsbilanzdefizite bestehen, neue „Deals“ abzuschließen. Dahinter steckte auch der Wunsch, amerikanische Arbeitnehmerinteressen ein stärkeres Gewicht zu geben.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Doch nach einer Analyse der Deutschen Bundesbank in ihrem am Montag vorgestellten Monatsbericht geht diese Rechnung nicht auf. „Alles in allem deuten die Befunde darauf hin, dass die Vereinigten Staaten von den in der jüngeren Zeit ergriffenen handelspolitischen Maßnahmen bisher nicht profitieren konnten“, heißt es in dem Aufsatz, der die Ergebnisse in einer Simulationsrechnung vorstellt.

          Die gesamtwirtschaftliche Produktion in den Vereinigten Staaten sei leicht gedämpft worden, der Preisauftrieb habe sich verstärkt. Und auch die beabsichtigte Wirkung auf dem Arbeitsmarkt sei ausgeblieben. „Nennenswerte positive Beschäftigungseffekte sind nicht zu erkennen“, schreiben die Bundesbank-Ökonomen. Und anders als bisweilen vermutet, habe es auch keine „lachenden Dritten“ gegeben, die von einer Umlenkung des Handels profitiert hätten. Dass die Unsicherheit für Investoren auf der Welt zugenommen hat, zähle zu den ungewünschten dämpfenden Effekten der Politik.

          Die Wirkung der Zollpolitik war lehrbuchartig

          Die Autoren weisen darauf hin, dass diese Wirkung geradezu lehrbuchartig gewesen sei. In den vergangenen Jahrzehnten sei es einigen Schwellen- und Entwicklungsländern gelungen, sich in die internationale Arbeitsteilung zu integrieren, indem sie ihre Märkte geöffnet haben. Das habe in Kombination mit dem technischen Fortschritt und den besseren Kommunikationsmitteln dazu geführt, dass sich der Welthandel stark belebte.

          Mit den neu eingeführten Zöllen gegen Importe aus China und Europa sei die Entwicklung zum Teil zurückgedreht worden – mit schädlichem Ergebnis. „Insgesamt spricht deshalb vieles dafür, dass sich eine Volkswirtschaft als Ganzes durch höhere Einfuhrzölle kurzfristig kaum besserstellen kann“, heißt es in dem Bericht.

          Ende 2019 seien rund zwei Drittel des Warenaustauschs zwischen Amerika und China mit Zusatzzöllen belegt gewesen. Auch wenn ein Anfang dieses Jahres abgeschlossenes erstes Abkommen den Streit entschärfe, werde ein Großteil der Zusatzzölle in Kraft bleiben.

          Warenimporte aus China waren im Herbst 2019 saisonbereinigt mehr als ein Fünftel weniger wert als vor Einführung der Zölle. Das Handelsbilanzdefizit verringerte sich, aber das gesamte Leistungsbilanzdefizit blieb gleich.

          Die Zusatzzölle haben Vorprodukte in Amerika verteuert

          Der Rückgang sei vermutlich maßgeblich auf die Zusatzzölle zurückzuführen. Gleichzeitig stiegen im amerikanischen Verbraucherindex vor allem diejenigen Komponenten, die von den Zöllen auf Konsumgüter besonders betroffen waren. Umlenkungseffekte des Warenverkehrs ließen sich nur für wenige Länder nachweisen.

          Für die Agenda des amerikanischen Präsidenten entscheidend ist die Hoffnung, dass die Menschen im industriell geprägten Teil des Landes wieder Arbeit finden. Doch die rückläufigen Einfuhren aus China seien nicht durch Produkte aus heimischer Herstellung ersetzt worden. „Jedenfalls entwickelte sich in Amerika die Erzeugung von Gütern, die im Handel mit China mit Zusatzzöllen belegt wurden, nicht anders als die anderer Produkte“, schreiben die Autoren.

          Die amerikanischen Verbraucher seien dagegen von den Zöllen belastet worden. Das Wirtschaftswachstum in Amerika und China sei leicht gebremst worden. Einigen neuen Arbeitsplätzen in der Stahlindustrie stünden größere Beschäftigungsverluste in nachgelagerten Industrie gegenüber.

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