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China gegen Amerika : „Der Krieg um Künstliche Intelligenz hat erst begonnen“

Die fundamentalen Gegensätze und Interessenkonflikte zwischen China und Amerika werden immer deutlicher. Bild: AP

Ökonomen warnen vor den wachsenden Spannungen zwischen den Wirtschaftsgroßmächten. Hinter dem Handelskrieg steht die Systemfrage.

          Ökonomen warnen vor den wachsenden Spannungen zwischen Amerika und China und einem heraufziehenden „Kalten Krieg um Technologie“. Der Handelskrieg sei nur ein Problem an der Oberfläche – dahinter stehe eine wesentlich weitere Systemfrage zwischen China und der westlichen Welt. „Trump ist nicht der Grund, er ist ein Symptom für die wachsenden Spannungen“, sagte Chinaexpertin Keyu Jin, Professorin an der London School of Economics, während des Wirtschaftsgipfels der „Australian Financial Review“ in Sydney. Ihr Kollege aus Harvard, Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson, sieht „keinerlei Frieden“, im Gegenteil: „Die Eskalation wird noch wachsen.“

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Mit Blick auf Asien sagte Jin: „Die Länder werden auf Dauer zwischen China und Amerika als Partner wählen müssen.“ Peking arbeite daran, den Einfluss Amerikas in der Region zu vermindern.

          Die „Schlacht um Huawei“ sei gutes Beispiel für die Spaltung der Welt, sagte Ferguson mit Blick auf die Ablehnung des Telekommunikationsausrüsters in Amerika, Australien, Neuseeland, aber auch Deutschland, Polen oder Großbritannien. Inzwischen sei die Spaltung zwischen den Systemen so tief, dass es schwer werde einzulenken: „Trump kann nicht mehr zurück. Der Krieg um Künstliche Intelligenz hat gerade erst begonnen.“

          Jin beschrieb die Lage als Kopf-an-Kopf-Rennen: „China dominiert schon die Hälfte der Segmente der künstlichen Intelligenz. Die Hälfte der Neugründungen stammt aus China, die andere aus Amerika.“

          Wachstum setzt KP unter Druck

          Dabei stehe die Kommunistische Partei, die ab dem heutigen Dienstag in Peking den jährlichen Volkskongress abhält und erneut mit geringerem Wirtschaftswachstum rechnet, unter Druck wie wohl nie zuvor: „Deshalb muss die Partei den Stimulus wieder hochfahren. Er greift aber längst nicht mehr so wie während der weltweiten Finanzkrise 2008.“

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          Jin wies daraufhin, dass das Haushaltseinkommen der Chinesen, mit nur rund 60 Prozent der Wirtschaftsleistung ohnehin gering, derzeit wieder sinke. Zugleich berichtete sie, wie vorsichtig die neue Oberschicht in den chinesischen Metropolen angesichts des „Krieges gegen Korruption“ über Nacht geworden sei: Tennis- und Golfclubs verwaisten, für Arbeitsessen auf höchster Ebene stünden plötzlich nur noch 30 Yuan (3,93 Euro) pro Person zur Verfügung. „Das sind Änderungen in China, die jeder in der Führung spüren kann.“

          Ist China mit Trump noch gut bedient?

          Der chinesische Präsident Xi Jinping stehe vor einem Dilemma, sagte Jin: „Er muss auf sein Volk reagieren. Unter dem Druck des Handelskrieges wächst der Nationalismus. China aber braucht noch mehr Zeit, um technologisch mit Amerika gleichzuziehen.“ Diese Chance freilich böten die langwierigen Verhandlungen über den Handelskonflikt: „Das Schlimmste, was Peking passieren könnte, ist ein amerikanischer Präsident, der wirklich fähig wäre, der internationale Allianzen gegen China schmieden könnte.“

          Das Hauptproblem der Partei und damit der chinesischen Regierung liege nicht außerhalb ihrer Einflusssphäre, sondern bei ihr selber – es sei ein Personalproblem, sagte die Londoner Professorin: „Das System fördert nicht diejenigen, die für Reformen eintreten. Xi fehlen die richtigen Leute im Lande, um seine Reformen umzusetzen.“ Die chinesischen Parteiarbeiter seien viel zu sehr darauf ausgerichtet, keine Fehler machen zu wollen, als Reformen kreativ voranzutreiben. Ferguson ergänzte: „Die Chinesen werden derzeit auf dem falschen Fuß erwischt.“

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