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Handelsstreit : China: Wollen mit Trump reden

Chinas Vizepräsident Wang Qishan in Singapur. Bild: AFP

Im Handelsstreit mit Amerika spricht Chinas Vize-Präsident Wang Qishan von Kompromissen. Doch die Börsianer bleiben skeptisch.

          2 Min.

          China gibt sich vor der Weltöffentlichkeit weiter kompromissbereit im Handelskonflikt mit Amerika. „Die chinesische Seite ist bereit, mit den Vereinigten Staaten die beide betreffenden Angelegenheiten zu diskutieren und an einer Lösung für Handelsfragen zu arbeiten, die für beide akzeptabel ist“, sagte der chinesische Vize-Präsident Wang Qishan am Dienstagmorgen auf einer Wirtschaftskonferenz in Singapur.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Das hatte am Vortag noch ganz anders geklungen. Da hatte Chinas Präsident Xi Jinping bei seiner Eröffnungsrede auf der ersten „Importmesse“ Chinas im Wirtschaftszentrum Schanghai den amerikanischen Präsidenten Donald Trump für sein Vorgehen gegen den Rivalen aus Fernost kritisiert. Ohne Trump beim Namen zu nennen, hatte Xi davon gesprochen, dass andere Länder zunächst ihr eigenes Wirtschaftsmodell reformieren sollten, bevor sie gegen andere Volkswirtschaften zu Felde zögen.

          Dass mit „anderen Ländern“ Amerika gemeint war, das gedroht hat, sämtliche Importe aus China durch Strafzölle empfindlich zu verteuern, war in der Schanghaier Kongresshalle jedem Zuhörer klar gewesen. Auch die Börse hatte die Worte in dem Sinn gedeutet, dass mit einem schnellen Ende des Konflikts der beiden größten Wirtschaftsmächte nicht zu rechnen sei.

          Schlechte Stimmung an Börse und bei Unternehmen

          Diese Zweifel konnten auch die Kompromissbereitschaft signalisierenden Worte von Xis Stellvertreter am Dienstag nicht zerstreuen. Am Vormittag lag der marktbreite Börsenindex Shanghai Composite mit fast 1 Prozent deutlich im Minus. Damit haben die Kurse an der wichtigsten chinesischen Festlandbörse seit Jahresbeginn über ein Fünftel an Wert verloren. Konjunkturindikatoren bestätigen das, was Gespräche mit chinesischen Unternehmern überall im Land andeuten: die Stimmung in Chinas Wirtschaft ist schlecht.

          Daran wird auch Vize-Präsident Wang Qishan so bald nichts ändern können. Dass der 70 Jahre alte Politiker nun öffentlich im Wirtschaftskonflikt mit den Vereinigten Staaten seine Stimme erhebt, könnte jedoch darauf hinweisen, dass sich hinter den Kulissen beide Nationen aufeinander zubewegen. Auch wenn Wang nicht sehr viel besser Englisch spricht als seine Genossen in der kommunistischen Parteiführung, ist der Veteran dennoch bestens in Amerikas Wirtschaft vernetzt, vor allem an der Wall Street.

          Wang, der Vermittler?

          Allein Wang Qishan trauen es viele Beobachter zu, im Streit mit den Amerikanern wirksam zu vermitteln. Trump hatte bereits in der vergangenen Woche angedeutet, dass es am Rande des G-20-Gipfels Ende November in Buenos Aires zu einem „Deal“ mit China kommen könnte. Amerikas Präsident selbst dürfte vor allem an Zusagen Pekings interessiert sein, das gerade auf ein neues Rekordhoch gewachsene Handelsbilanzdefizit mit der Volksrepublik zu verringern. So könnte sich China zum Beispiel dazu verpflichten, sehr viel mehr Öl aus den Vereinigten Staaten einzuführen.

          Allerdings vergaß auch Wang Qishan am Dienstag nicht, die Politik Trumps am Ende dann doch noch zu verurteilen. „Negativität“ und „Wut“ seien kein Weg, die Probleme in der Weltwirtschaft anzugehen, sagte der Vizepräsident. Auf diese Weise würden die Märkte nur in „Turbulenzen“ gestürzt. Und überhaupt: „Kalter Krieg-Mentalität“ und „Machtspiele“ lehne China ab.

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