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Trumps Sanktionspolitik : Amerikanische Zulieferer gegen Huawei-Exportbann

Amerikas Zulieferer wollen weiterhin Geschäfte mit Huawei machen und stellen sich gegen Trumps Exportbann. Bild: Reuters

Amerikas Exportbann gegen den chinesischen Smartphone-Hersteller Huawei soll vor allem das chinesische Unternehmen treffen. Doch offenbar geht der Schuss nach hinten los.

          Im Handelskrieg zwischen den beiden größten Wirtschaftsmächten formiert sich gegen die amerikanische Regierung Widerstand im eigenen Land. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, drängen amerikanische Hersteller von Computerchips wie Intel und Qualcomm die Administration in Washington dazu, den Exportbann gegen den chinesischen Smartphone-Hersteller Huawei aufzuweichen. So hätten Topmanager von Intel, Qualcomm und dem kalifornischen Xilinx-Konzern Ende Mai während eines Treffens im amerikanischen Handelsministerium betont, dass von Huaweis Konsumentenprodukten wie Smartphones und Computerservern nicht dieselbe Gefahr ausgehe wie von der 5G-Netzwerktechnologie.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Die Regierung von Präsident Donald Trump wirft dem Konzern aus dem südchinesischen Shenzhen Spionage vor und hat ihn im vergangenen Monat auf eine schwarze Liste gesetzt. Nach dem Ablauf einer Frist von 90 Tagen dürfen keine in Amerika produzierenden Unternehmen Huawei mehr beliefern. Die Technologie aus den Vereinigten Staaten wie etwa Halbleiterchips ist jedoch nach derzeitigem Stand überlebensnotwendig für den zweitgrößten Smartphone-Hersteller der Welt.

          Amerikanische Konzerne wie Qualcomm machen zum Teil die Hälfte ihres Umsatzes mit chinesischen Abnehmern wie Huawei. Dass sie mit diesen nicht mehr Geschäft betreiben dürfen, ist für die Industrie in den Vereinigten Staaten ein schwerer Schlag. Reuters zitiert einen nicht näher benannten Unternehmensvertreter mit den Worten, es gehe nicht darum, Huawei zu helfen, sondern darum, Schaden von Amerikas Wirtschaft abzuwenden.

          Huawei hat demzufolge im vergangenen Jahr 70 Milliarden Dollar für Komponenten ausgegeben. Davon gingen Reuters zufolge 11 Milliarden Dollar an amerikanische Zulieferer wie Qualcomm, Intel oder Micron. Auch Google darf nach dem Bann seine Android-Software nicht mehr in Form von Updates dem chinesischen Abnehmer Huawei für dessen Mobiltelefone zur Verfügung stellen.

          40 bis 60 Prozent weniger Telefone

          Das dürfte dazu führen, dass außerhalb Chinas kaum noch ein Kunde ein Huawei-Smartphone kauft, müsste er doch auf Google-Dienste wie die Suche oder den Kartendienst verzichten. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet unter Verweis auf Informationen aus dem Huawei-Konzern, dass dieser intern davon ausgehe, in diesem Jahr außerhalb Chinas 40 bis 60 Prozent weniger Telefone zu verkaufen als im Vorjahr. Das wären 40 bis 60 Millionen verkaufte Geräte weniger.

          Im vergangenen Jahr hatte Huawei 206 Millionen Telefone verkauft. Zudem werde überlegt, bestimmte Modelle wie das Honor 20 wieder vom Markt zu nehmen, weil diese für die Kunden aufgrund der fehlenden Google-Updates mehr oder weniger wertlos seien.

          Huawei arbeitet derzeit unter Hochdruck an einem eigenen Betriebssystem, das bisher unter den Namen „Hongmeng“ und „Ark“ firmiert. Nach Aussage von Managern des Konzerns könne das System „innerhalb von Monaten“ eingeführt werden. Der Chef der Konsumentensparte von Huawei Richard Yu hatte öffentlich angekündigt, das Betriebssystem sei im vierten Quartal des laufenden Jahres oder Anfang des kommenden Jahres fertig.

          Ob es sich international als Alternative zu Android durchsetzen und die Verkaufszahlen von Huawei retten kann, wird ganz erheblich davon abhängen, ob es mit der Android-Software kompatibel ist und Programme wie Google Maps problemlos laufen lassen kann.

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