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Handelsstreit mit Amerika : Trumps Energieminister droht: Flüssiggas gegen deutsche Autos

Der amerikanische Energieminister Rick Perry (links) ist heute in Brüssel und diskutiert über Flüssiggas – zusammen mit dem EU-Energieminister Miguel Arias Cañete. Bild: dpa

Der amerikanische Energieminister erklärt den Europäern, wieso sie das teurere Gas aus seinem Land kaufen sollen. Und kritisiert abermals ein wichtiges Pipeline-Projekt.

          Die Drohung war unmissverständlich. Als der amerikanische Energieminister Rick Perry an diesem Donnerstag während des ersten europäisch-amerikanischen LNG-Geschäftsforums in Brüssel die Frage erhielt, warum die Europäer eigentlich teures amerikanisches Flüssiggas statt billigem russischen Gas kaufen sollten, antwortete der mit einem kaum spontan gewählten Vergleich. „Wem es nur darum geht, das billigste Produkte zu kaufen, egal wie zuverlässig es auch ist, der kauft vielleicht eher keinen BMW oder Mercedes-Benz oder eines der anderen hübschen Autos, die die EU produziert – beim russischen Gas ist es ganz genauso“, sagte Perry.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Anders gesagt: Entweder die EU kauft unser Gas oder wir verhängen Schutzzölle auf europäische und vor allem deutsche Autos. Die Entscheidung über die Zölle dürfte in Kürze fallen, der amerikanische Präsident Donald Trump hat dafür bis Mitte Mai Zeit.

          Die Steigerung der Flüssiggaseinfuhr ist einer der Kernpunkte der von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Trump im vergangenen Juli erzielten Übereinkunft zur Vermeidung solcher Autozölle. Bis zum Jahr 2023 könne sich die LNG-Einfuhr auf 8 Milliarden Kubikmeter verdoppeln, stellte EU-Energiekommissar Arias Miguel Cañete nun in Aussicht.

          Tatsächlich hat die EU die Einfuhr schon stark erhöht, wie Cañete anlässlich der Konferenz versuchte, seinem amerikanischen Gast in aller Deutlichkeit – und mit durchaus kreativen Kalkulationen – klar zu machen. Seit Juli 2018 habe sich die Einfuhr von amerikanischem Flüssiggas beinahe verdreifacht, rechnete er etwa vor. Das allerdings nicht verglichen mit derselben Zeit des Vorjahresmonats wie üblich, sondern verglichen mit der LNG-Einfuhr aus den Vereinigten Staaten seit dem Beginn der amerikanischen Flüssiggasexporte 2016 bis zum Juli 2018.

          Die geplanten Terminals in Deutschland findet er gut

          Grund für den Anstieg war wohl allen voran die Preisentwicklung in den vergangenen Monaten auf der Welt. Zwar haben Polen und Litauen den Kauf von Flüssiggas ausdrücklich mit der nationalen Sicherheit begründet. Die EU insgesamt hat aber immer betont, dass letztlich der Markt entscheiden müsse.

          In diesem Winter hat ihr dabei die relativ schwache Nachfrage in China – auch wegen der von Peking im Handelsstreit mit den Vereinigten Staaten verhängten Zölle auf LNG – und anderen asiatischen Staaten in die Hände gespielt. Die EU wurde damit für die amerikanische Ausfuhr schlicht ökonomisch attraktiver, der Anteil des amerikanischen Flüssiggases stieg auf ungefähr 13 Prozent.

          Die Amerikaner sind für die EU infolgedessen zum drittgrößten LNG-Lieferanten aufgestiegen. Umgekehrt nehme die EU momentan ein Drittel der amerikanischen LGN-Ausfuhr auf, betont Cañete.

          Nach Ansicht von Fachleuten könnte sich das mit einer steigenden Nachfrage in Asien allerdings schon in diesem Sommer wieder ändern, auch wenn die amerikanische Ausfuhr von LNG wie geplant weiter steigt. Das meiste Flüssiggas der EU kommt ohnehin nach wie vor aus Qatar (rund 40 Prozent), gefolgt von Nigeria (20 Prozent).

          Auch verglichen mit der Gesamteinfuhr von Gas in die EU spielt Flüssiggas nach wie vor eine untergeordnete Rolle. So führt allein Russland 190 Milliarden Kubikmeter Erdgas im Jahr durch verschiedene Leitungen wie die Ostseepipeline Nord Stream 1 in die EU ein.

          Perry übte zum Auftakt der Konferenz denn auch abermals scharfe Kritik an der im Bau befindlichen zweiten Ostsee-Gasleitung Nord Stream 2. Die EU mache sich damit noch abhängiger von russischem Gas und erlaube der Regierung in Moskau, gezielt Druck auf EU-Staaten auszuüben. Er begrüßte aber die Entscheidung der deutschen Bundesregierung, mehr amerikanisches LNG zu importieren und zwei neue Importterminals in Deutschland zu fördern.

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