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Trump im Handelsstreit : Wer gehört hier an den Pranger?

Trump bei einem Treffen mit Xi während des G20-Treffens in Osaka im Juni Bild: Reuters

Der amerikanische Präsident heizt den Handelsstreit schon wieder an. Immer wieder sucht er die Schuldigen im Ausland. Der Kurs ist gefährlich.

          Die Vereinigten Staaten müssen große Probleme lösen, deren Verursacher (meist) außerhalb des Landes zu finden sind – diesen Eindruck möchte der amerikanische Präsident Donald Trump immer wieder vermitteln: Die Mexikaner sind schuld daran, dass viele Migranten über die Grenze im Süden kommen, die Chinesen daran, dass viele Amerikaner das Schmerzmittel Fentanyl überdosiert einnehmen, die Deutschen verantwortlich dafür, dass zu viele von deutschen Autoherstellern hergestellte Autos durch New York fahren.

          Trump inszeniert sich davon ausgehend als derjenige, der sich um all das kümmert, kümmern muss. Und dem es dabei häufig an tatkräftiger Unterstützung mangele. Den Kongress in Washington knöpfte er sich schon mehrfach vor, wenn der mal wieder nicht so viel Geld so schnell lockermachte, wie Trump sich das wünschte. Besonders heftig attackiert der Präsident indes den von ihm selbst ausgewählten amerikanischen Notenbank-Gouverneur Jerome Powell.

          Sieg trotz Fed?

          Nachdem die Federal Reserve als mächtigste Zentralbank der Welt gerade zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren die Leitzinsen senkte, twitterte Trump enttäuscht: „Was der Markt von Jay Powell und der Federal Reserve hören wollte, war, dass dies der Beginn eines langen und aggressiven Zinssenkungszyklus war, der mit China, der Europäischen Union und anderen Ländern auf der ganzen Welt Schritt halten würde.“ Und er ergänzte:„Wie üblich ließ Powell uns im Stich. (...) Wir gewinnen sowieso, aber ich bekomme sicherlich nicht viel Hilfe von der Federal Reserve!“

          Die Aussagen sind nicht nur erschütternd gerade für Fachleute, die der bewährten Unabhängigkeit der Notenbanken anhängen. Sie zeigen auch einmal mehr sehr deutlich, wie Trump den internationalen Wirtschaftsaustausch sieht: Als Angelegenheit, in der es Gewinner und Verlierer gibt, in der sich einer Vorteile auf Kosten eines oder mehrerer anderer verschafft.

          Der Handel ist kein Wettbewerb

          Tatsächlich ist es anders: Durch Spezialisierung und internationalen Handel ist unter dem Strich mehr Wohlstand für alle möglich. Allerdings, und das haben wiederum auch amerikanische Regierungen lange nicht berücksichtigt, profitiert nicht automatisch jeder einzelne davon.

          Die beste Lösung dafür ist indes nicht, den Handel einzuschränken, Zölle zu erheben oder sich abzuschotten – sondern die Handelsverlierer vorübergehend zu entschädigen, wie das in handelsstarken sozialen Marktwirtschaften wie der Bundesrepublik oder den Niederlanden geschieht.

          Trump hingegen zerstört viel Vertrauen. Viele fragen sich, ob sich die Führung der Fed von ihm hat einschüchtern lassen. Selbst wenn nicht – die Gefahr ist groß, dass sich dieser Eindruck festsetzt.

          Unbedingt wehren sollten sich Powell und die anderen von Trump Angegriffenen dagegen, aus dem Weißen Haus als Schuldige abgestempelt zu werden, sollte sich die Konjunktur weiter eintrüben. Da gehört eher die Wirtschaftspolitik in Washington an den Pranger: Musste Trump einen Handelsstreit mit Europa vom Zaun brechen? Ist es klug, eine robuste Wirtschaftsentwicklung – die Beschäftigung in Amerika ist hoch, die Arbeitslosigkeit niedrig – mit gewaltigen Staatsdefiziten (dieses Jahr dürfte die Billion-Grenze erreicht werden) zu befeuern?

          Und schließlich bleibt die Frage: Was genau meint er eigentlich mit „gewinnen“?

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

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