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Trump vermutet Manipulation : Kommt jetzt der Währungskrieg?

  • Aktualisiert am

Frisch gedruckte 20-Dollar-Scheine. Bild: AFP

Der amerikanische Präsident wird nicht müde, die EU und China zu kritisieren. Jetzt wirft er ihnen Währungsmanipulation vor – und die Angst vor einem weiteren Brandherd im Handelsstreit wächst.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump heizt die Handelskonflikte mit der EU und China weiter an. Er warf sowohl der Europäischen Union als auch der Volksrepublik am Freitag vor, sich mit „illegaler Währungsmanipulation“ Vorteile zu verschaffen. An der Wall Street wächst die Angst vor einer neuen Front im Handelsstreit. 

          „China, die EU und andere manipulieren ihre Währungen und Zinsen nach unten“, schrieb Trump im Kurzbotschaftendienst Twitter. „Wie üblich“ habe es sein Land mit „ungleichen Wettbewerbsbedingungen“ zu tun. Hintergrund der Attacke sind unter anderem die Entwicklung des Yuan und Euro. Die chinesische Währung war vor kurzem auf ihren niedrigsten Wert seit einem Jahr gesunken. Auch der Euro verlor in den vergangenen Monaten stark an Wert. Im April stand er bei 1,23 Dollar, inzwischen liegt er unter 1,17 Dollar. Ein niedriger Währungswert ist für die Exporteure des jeweiligen Landes günstig, weil dies den Preis ihrer Waren auf dem Weltmarkt senkt.

          Der amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin richtete wegen der jüngsten Schwäche der chinesischen Landeswährung Yuan nun eine neue Warnung an die Regierung in Peking. Amerika würden die Lage sehr genau auf Anzeichen für eine Manipulation der Währung beobachten, sagte Mnuchin am Freitag bei einem Besuch im brasilianischen Sao Paulo. Der nächste halbjährliche Währungsbericht der Vereinigten Staaten werde am 15. Oktober veröffentlicht. Darin würden die Entwicklungen der ersten sechs Monate 2018 festgehalten. Im Rahmen dieses Berichts würde die
          Yuan-Abwertung untersucht. Es stehe außer Frage, dass die Abschwächung der Währung einen unfairen Vorteil im Welthandel für China darstelle. „Wir werden sehr sorgfältig prüfen, ob sie die Währung manipuliert haben", sagte Mnuchin.

          Kritik an der eigenen Notenbank

          An der Wall Street beobachten Analysten diese neuen Entwicklung mit großer Sorge. Sollten die beiden größten Wirtschaftsmächte der Welt im Handelsstreit eine neue Front eröffnen, könnte das weitreichende Konsequenzen mit sich bringen, die weit über die amerikanische und die chinesische Wirtschaft hinaus Wellen schlagen würden. „Das große Risiko ist, dass sich globale Handels- und Währungsbeziehungen auflösen, und das wäre fatal“, sagte ein renommierter Währungsstratege der Wall Street, Jens Nordvig dem Nachrichtendienst Bloomberg. Trumps jüngste Rhetorik verlagere die Auseinandersetzung von einem Handelskrieg hin zu einem Währungskrieg. 

          Die Schock-Entwertung des Yuan im Jahr 2015 sei ein gutes Beispiel dafür, welche Kollateralschäden ein solcher Krieg verursachen könnte, sagte Robin Brooks, Chefökonom des „Institute of International Finance“ und ehemaliger Chef-Währungsstratege von Goldman Sachs. Risikoanleihen und Ölpreis würden ins Wanken geraten, was die Währungen einiger Länder besonders hart treffen würde – etwa den russischen Rubel, den kolumbianischen Peso und den malaysischen Ringgit – bevor das gesamte asiatische Währungssystem einbrechen würde. 

          Auch die EU beschuldigt Trump regelmäßig unfairer Handelspraktiken. Erstmals bezichtigt er sie nun aber offen unlauterer Währungstricksereien. Gegen China hingegen hatte Trump diesen Vorwurf bereits im Wahlkampf erhoben. Allerdings war er im April 2017 nach einem Treffen mit Chinas Staatschef Xi Jinping explizit davon abgerückt.

          Trump machte nun aber auch die amerikanische Notenbank Federal Reserve dafür mitverantwortlich, dass die Vereinigten Staaten ihres „großen Wettbewerbsvorteils“ im internationalen Handel beraubt würden. Durch das Drehen an der Zinsschraube werde die positive Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft beschädigt: Amerika sollte „nicht dafür bestraft werden, dass sie sich so gut schlagen“. Dass sich ein amerikanischer Präsident zur Zinspolitik der eigenen Notenbank äußert, ist ein höchst ungewöhnlicher Vorgang. Wie die Europäische Zentralbank (EZB) ist die Fed in ihren Entscheidungen unabhängig.

          Trump droht China, sämtliche Importe mit Strafzöllen zu belegen 

          Als Reaktion auf das robuste Wachstum der amerikanischen Wirtschaft hatte die Notenbank den Leitzins in diesem Jahr bereits zwei Mal angehoben. Die Zinsschritte waren allerdings sehr moderat, damit sie keine wachstumsdämpfende Wirkung entfallen. Der amerikanische Leitzins liegt inzwischen auf einem Niveau von 1,75 bis 2,0 Prozent. Zinssteigerungen können potenziell zu einem Anstieg der jeweiligen Währung führen, da dadurch Geldanlagen attraktiver werden. Die EZB hat im Unterschied zur Fed bislang auf Zinsanhebungen verzichtet, womit ihr der Leitzins weiter bei null Prozent liegt.

          In einem Interview des Senders CNBC prangerte Trump die EU und China gleichermaßen an. Peking drohte er mit einer drastischen Ausweitung der Strafzölle: „Ich bin bereit, bis 500 zu gehen“. Damit bezog er sich auf die 505,5 Milliarden Dollar (434 Milliarden Euro), auf die sich die chinesischen Einfuhren in die Vereinigten Staaten 2017 summierten. Trump hatte bereits in den vergangenen Monaten Strafzölle gegen China und die EU verhängt, was von dort mit Gegenzöllen beantwortet wurde. Zuletzt waren Anfang Juli amerikanische Strafzölle auf chinesische Importe im Wert von 34 Milliarden Dollar in Kraft getreten. China wirft Amerika vor, den „größten Handelskrieg der Wirtschaftsgeschichte“ auszulösen. Weltweit schürt der Konflikt zwischen den beiden größten Volkswirtschaften massive Sorgen vor einem Konjunktureinbruch.

          Auch der Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der EU droht weiter zu eskalieren. Trump lässt derzeit prüfen, ob nach den Aufschlägen auf Stahl und Aluminium nun auch neue Zölle auf Autoimporte erhoben werden sollen. Dies würde vor allem Deutschland hart treffen. EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström warnte Trump bereits, Strafzölle auf Autos wären „katastrophal“. Zugleich bestätigte sie, dass die EU-Kommission zusammen mit den Mitgliedstaaten bereits eine Liste möglicher Vergeltungszölle erstellt. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will aber am Mittwoch bei einem Treffen mit Trump im Weißen Haus versuchen, den Handelskonflikt noch zu entschärfen.

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