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Treffen mit Trump : Die deutschen Autobosse kennen nur die Uhrzeit

Ort der Rätsel: Das Weiße Haus. Bild: dpa

Zum Autogipfel in Washington reisen zwei Konzernchefs und ein hochrangiger Manager von BMW, Daimler und VW nach Washington – auf Einladung von Präsident Donald Trump. Doch um das Treffen gibt es viele Fragezeichen.

          Welchen Vertreter der deutschen Autobranche man an diesem Montag auch fragte, die Antwort fiel immer einsilbig aus. Zwar bestätigen die drei großen Autokonzerne BMW, Daimler und Volkswagen, dass ranghohe Manager an diesem Dienstag nach Washington reisen werden, um sich mit Vertretern der amerikanischen Regierung zu unterhalten. Offen blieb aber, mit welchen Forderungen oder Angeboten die Konzernoberen nach Amerika reisen. Auch über die eigenen Erwartungen wollte sich niemand äußern – wohl auch, um etwaige Trümpfe in der Hand zu behalten. „Zurückhaltung first“, lautete daher die Devise vor dem Treffen mit der amerikanischen Regierung unter Donald Trump.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Martin Gropp
          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Klar ist, dass viel auf dem Spiel steht. Kommen Strafzölle auf Autoimporte, kostet das die deutschen Autohersteller Hunderte Millionen Euro. Klar ist auch, dass die drei deutschen Automanager – der Daimler-Vorstandsvorsitzende Dieter-Zetsche, VW-Konzernchef Herbert Diess und BMW-Finanzvorstand Nicolas Peter – überhaupt kein Verhandlungsmandat haben. Politiker in Berlin und Brüssel sehen das Treffen entsprechend skeptisch.

          Unklar ist, mit wem die Automanager überhaupt reden werden. Gesprächspartner der Deutschen sollen der amerikanische Handelsminister Wilbur Ross und der Handelsbeauftrage Robert Lightizer sein. Zu einem Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten wird es wohl nicht kommen. Eine offizielle Einladung aus dem Weißen Haus soll es nicht geben. Stattdessen ist im Umfeld der Autohersteller die Rede von einer Mail des amerikanischen Botschafters in Berlin, Richard Grenell, in der für das Treffen lediglich die Uhrzeit vorgeschlagen sein soll. Um 11 Uhr Ortszeit soll es losgehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat derweil am Montag noch einmal deutlich gemacht, was sie von dem Gespräch erwartet. „Es geht hier nicht um irgendwelche Handelsfragen“, sagte Merkel in Berlin. „Diese Handelsfragen werden von der Europäischen Union für alle Mitgliedstaaten einhellig beschlossen“.

          Aber die deutschen Autohersteller seien auch große Arbeitgeber in den Vereinigten Staaten, fügte sie hinzu. „Insofern gibt es durchaus Grund, über diese Fragen – welche Investitionen, welche Zukunft sehen die deutschen Autohersteller – als amerikanische Arbeitgeber mit der amerikanischen Administration zu sprechen.“ Es sei daher aber klar, dass Handelsgespräche eben nur von der EU geführt würden. Merkel hat an diesem Dienstag BMW-Chef Harald Krüger zum Innovationsdialog eingeladen – und dieser folgt der Einladung offenkundig gern. Auch das mag ein Grund sein, warum für BMW der Finanzvorstand Peter nach Washington reist.

          Manager haben kein Verhandlungsmandat

          Dass die Autohersteller nicht eigenständig über Zölle verhandeln können, wissen sie selbst. VW-Konzernkreise wiesen dennoch darauf hin, dass allein die Androhung höherer Zölle durch die amerikanische Regierung von erheblicher Bedeutung für die heimische Automobilindustrie ist. Daher haben die Washingtoner Gespräche vielmehr einen Wert an sich: „Es ist immer besser, miteinander zu reden als übereinander“, hieß es von Volkswagen. Man habe das Pro und Kontra, nach Washington zu reisen, genau abgewogen und sich dann entschieden, die amerikanische Einladung anzunehmen.

          Kritik aus der Politik weist Wolfsburg zurück. Es gehe nicht darum, mit der Regierung in Washington zu verhandeln, sondern allein um eine Diskussion, in der die deutschen Automobilunternehmen ihre Position deutlich machen wollen. Die EU-Kommission und die Bundesregierung seien über jeden Schritt informiert. Zudem wird der deutsche Botschafter in Washington, nach allem was bekannt ist, an dem Treffen teilnehmen. „Wir haben kein Verhandlungsmandat, das hat nur die EU“, hieß es. Dessen seien sich die Auto-Manager bewusst.

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