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Strafzölle gegen China : Handelsstreit könnte Amerikaner sechs Milliarden Dollar kosten – pro Jahr

  • Aktualisiert am

Walmart macht gegen Trumps Handelspolitik mobil Bild: Reuters

Händler in Amerika schlagen Alarm: Ein Verzicht auf chinesische Waren sei kaum möglich. Die Rechnung für die Strafzölle würden am Ende die Verbraucher tragen – und die amerikanische Wirtschaft.

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          Shampoo, Möbel, Staubsauger, Handtaschen und Handys – die Kaufhäuser in den Vereinigten Staaten sind voll mit Waren „made in China“. Auf die Hälfte aller chinesischen Produkte, die in Amerika gekauft werden, wird ab Montag ein Strafzoll in Höhe von zehn Prozent erhoben. Am 1. Januar soll die Abgabe auf 25 Prozent steigen.

          „Jedes Mal, wenn dieser Handelskrieg eskaliert, wächst das Risiko für die amerikanischen Konsumenten“, kommentierte Matthew Shay, der Vorsitzende des amerikanischen Einzelhandelsverbandes, die Ankündigung von Präsident Donald Trump. „Wir können uns keine weitere Eskalation leisten – gerade jetzt kurz vor dem Weihnachtsgeschäft.“

          Trumps neue Sanktionen umfassen etwa 11.400 in China hergestellte Güter, das entspricht einem Import-Volumen von rund 250 Milliarden Dollar (213 Milliarden Euro). Handelsexperte Chad Bown vom amerikanischen Think Tank Peterson Institute for International Economics schätzt, dass bis zu den Zwischenwahlen im November „40 Prozent aller amerikanischen Importe von den allein 2018 von Trump eingeführten Zöllen betroffen sein könnten“.

          Konsum ist Motor der amerikanischen Wirtschaft

          Der amerikanische Einzelhandelsriese Walmart macht einem Medienbericht zufolge indes gegen die Zollpolitik von Trump im Handelsstreit mit China mobil. In einem Brief an den amerikanischen Handelsbeauftragten
          Robert Lighthizer habe der Weltmarktführer vor den Folgen der neuen Zölle auf chinesische Produkte gewarnt, berichtete CNN Money am Donnerstag. Die unmittelbaren Auswirkungen würden höhere Preise für die Verbraucher und mehr Belastungen für amerikanische Unternehmen und Hersteller sein.
          Walmart war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Zuletzt hatten sich schon mehrere Vertreter der Wirtschaft gegen die Zölle ausgesprochen.

          Wirtschaftswissenschaftler warnen seit langem, dass es am Ende die Verbraucher in den Vereinigten Staaten sein werden, die die höheren Zölle zahlen werden – auch wenn die Regierung diese Gefahr kleinzureden versucht. Schon jetzt ist der Handel eine der größten Sorgen der Menschen in Amerika, wie eine Umfrage zur Verbraucherstimmung der Universität Michigan ergab.

          Die Palette der betroffenen Produkte ist breit und könnte dazu führen, dass Konsumenten ihre Ausgaben beschränken müssen. Der Konsum der privaten Haushalte ist traditionell ein Motor der amerikanischen Wirtschaft. Seit einer Generation stieg er beständig – auch aufgrund der billigen chinesischen Produkte, die gekauft und gleich wieder ersetzt werden, sobald sie kaputt sind.

          Auf chinesische Waren zu verzichten, ist für die Verbraucher kaum möglich. Meinungsumfragen im vergangenen Jahr zeigten, dass eine breite Mehrheit der Bevölkerung zwar in Amerika hergestellte Produkte bevorzugt – aber nur, solange sie nicht mehr kosten als die importierten. Volkswirte erwarten, dass bei einem Anstieg der Preise chinesischer Produkte die Verkäufe einbrechen werden.

          Vorfreude auf Weihnachtsgeschäft getrübt

          Die Zölle betreffen nur einen winzigen Teil des Bruttoinlandsprodukts der Vereinigten Staaten – unter einem Prozent –, aber die wirtschaftlichen Kosten „werden die amerikanischen Haushalte unverhältnismäßig zu spüren bekommen“, schätzt das Finanzunternehmen Barclays. Die Preise für Gebrauchsgüter seien durch die Zölle schon jetzt gestiegen.

          Laut einer aktuellen Studie des amerikanischen Einzelhandelsverbandes könnten die Strafzölle für Waren aus China die Verbraucher sechs Milliarden Dollar pro Jahr kosten. Die Konsumenten hätten kaum Alternativen, denn ähnliche Produkte aus anderen Ländern seien noch teurer.

          Am 23. November, dem Tag nach dem Thanksgiving-Feiertag in Amerika, beginnt für den Einzelhandel das Weihnachtsgeschäft. Doch dieses Jahr ist die Vorfreude der Händler getrübt. „Allein das Gerede über Zölle auf alle verbleibenden chinesischen Importe bereitet den Einzelhändlern größte Sorge“, sagt Verbandschef Shay. „Abgaben in dieser Größenordnung beträfen alle Bereiche des amerikanischen Lebens.“

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