https://www.faz.net/-gqe-9k0wo

Sinkende Exportzahlen : So wichtig ist die Autoindustrie für Deutschland

  • -Aktualisiert am

Neuwagen von Audi vor der Verladung auf Handelsschiffe in Emden Bild: dpa

Erstmals seit 2009 sinkt der Wert der deutschen Autoexporte. Der drohende Handelskonflikt mit Amerika, der Brexit und neue Abgasvorschriften setzen der Branche zu. Deutschlands wichtigste Branche geht unsicheren Zeiten entgegen.

          Jeder Deutsche, der mal im Ausland Taxi gefahren ist, hat die Situation schon erlebt: Der Taxifahrer fragt, woher man kommt. Der Deutsche gibt sich zu erkennen. Und völlig egal, in welchem Land der Deutsche ist – ein häufiges Thema sind deutsche Autos.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Darauf werden die Deutschen gerne angesprochen. Seit dem Dieselskandal im Jahr 2015 ist ihr Verhältnis zum Auto aber komplizierter. Aus der stolzen Autobauernation ist ein Land geworden, in dem viele mit seiner wichtigsten Industriebranche hadern.

          Die Taxifahrer reden nicht nur häufig über deutsche Autos, sie fahren sie auch. Doch in den Exportzahlen von 2018 wird nun deutlich, dass die Autoindustrie vor einer Trendwende stehen könnte: Seit der Wirtschaftskrise 2009 hat sich der Wert der Autoexporte von etwa 123 Milliarden Euro auf 235 Milliarden Euro im Jahr 2017 fast verdoppelt. Nun melden die Statistiker den ersten Rückgang seit zehn Jahren: Der Wert der Exporte sinkt, und zwar um mehr als zwei Prozent oder 5 Milliarden Euro auf 229,7 Milliarden Euro.

          Einen maßgeblichen Anteil daran dürfte der „WLTP-Fluch“ haben. Die deutschen Autobauer waren nicht gut vorbereitet darauf, die Abgastestverfahren für Neuwagen umzustellen. Das führte zu Staus in der Produktion – die sich auch im deutschen Wirtschaftswachstum niedergeschlagen haben.

          China ist der größte Absatzmarkt

          Doch die Probleme liegen womöglich tiefer. Bisher war die Beliebtheit deutscher Autos im Ausland die vielleicht größte Stärke der deutschen Autobauer. Im Handelskonflikt aber könnte daraus ihre größte Schwäche werden. Das schwache Wachstum in China und die drohenden amerikanischen Autozölle, die den Zugang zum amerikanischen Markt behindern würden, vermiesen VW, BMW und Daimler die Aussichten.

          Der Handelskonflikt hat das Potential, der deutschen Automobilindustrie auf Dauer erheblich zuzusetzen. Gemessen am Exportwert, ist Amerika nach Daten des Statistischen Bundesamts immerhin das mit Abstand wichtigste Abnehmerland für Kraftfahrzeuge aus Deutschland. Die Autobauer reagieren darauf mit Produktionsverlagerungen nach Amerika. An zweiter und dritter Stelle der Exportstatistik folgen weitere Sorgenkinder in der Handelspolitik: Das Vereinigte Königreich und China.

          Schaut man allein auf die Zahl neu zugelassener Autos, ist China der global größte Absatzmarkt. Der wachsende Mittelstand greift in zunehmendem Maße nach dem Statussymbol: 2018 wurden dort laut Daten des Automobilverbands VDA mehr als 23 Millionen Fahrzeuge angemeldet. An zweiter Stelle folgt in dem Ranking Amerika, dort wurden im Vorjahr 17,2 Millionen Autos zugelassen. Zum Vergleich: In ganz Europa rollten in derselben Zeit 14,2 Millionen neue Fahrzeuge auf die Straßen, und in Deutschland waren es gerade einmal 3,4 Millionen.

          Politiker und Vertreter der deutschen Autoindustrie äußern sich dieser Tage angesichts der vertrackten Lage für die Autoindustrie besorgt. Mit Bestürzung nahm Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf der Münchner Sicherheitskonferenz auf, dass zufolge der dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump zugeleiteten Einschätzung Autozölle auf deutsche Autos aus Gründen der nationalen Sicherheit gerechtfertigt wären. Noch hat Trump hierauf nicht reagiert, doch wächst das Unbehagen.

          Angesichts der hohen Verwundbarkeit der Automobilindustrie warnte zudem Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) vor einer weiteren Phase der Eskalation im Handelskonflikt mit Amerika – und ergänzte im selben Atemzug: „Was nicht bedeutet, dass wir nicht auch bereit sein müssen, unsere Interessen zu verteidigen, wenn wir unfairerweise unter Druck gesetzt werden.“

          Weitere Themen

          Atempause im Huawei-Streit Video-Seite öffnen

          Wall Street : Atempause im Huawei-Streit

          Die Wall Street in New York schloss am Dienstag Ortszeit im Plus. Grund dafür war auch, dass Amerika sein Geschäftsverbot für Huawei am Dienstag für 90 Tage aussetzte.

          Schuhhersteller warnen vor neuen Zöllen Video-Seite öffnen

          Importzölle gegen China : Schuhhersteller warnen vor neuen Zöllen

          Schuhhersteller haben Präsident Trump dazu aufgefordert, ihre Produkte von geplanten neuen Importzöllen gegen China auszunehmen. Der Aufschlag würde den Käufern pro Jahr insgesamt sieben Milliarden Dollar an zusätzlichen Kosten aufbürden, schrieb der Branchenverband FDRA.

          Topmeldungen

          Wer drehte das Ibiza-Video? : Ein Wiener Anwalt und seine Mandanten

          Das heimlich aufgenommene Video, dass die FPÖ-Politiker Strache und Gudenus die Karriere kostete und Österreichs Regierung zu Fall brachte, läuft inzwischen unter dem Rubrum „Ibiza-Gate“. Die Hinweise auf Mittelsmänner verdichten sich.
          Durch die Druschba-Pipeline fließt zur Zeit kein Öl.

          Versorgung stockt : Lieferstopp für russisches Öl trifft Ostdeutschland

          Seit vier Wochen erreicht kein russisches Öl mehr die deutschen Raffinerien. In Berlin wurde nun sogar das Flugbenzin knapp. Immer mehr drängt sich die Frage auf, wer für den Schaden aufkommt.
          Wolfgang Schäuble kritisiert den Drang nach „immer perfekteren Regelungen“ auch beim Bundesverfassungsgericht

          FAZ Plus Artikel: 70 Jahre Grundgesetz : Mehr Freiraum!

          Das Grundgesetz wurde als Fundament für einen freiheitlichen, handlungsfähigen Staat geschaffen. Diesen Gedanken sollten wir wieder stärker freilegen, statt uns weiter einzumauern hinter immer neuen Regelungen, die noch detailliertere nach sich ziehen. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.