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Sinkende Exportzahlen : So wichtig ist die Autoindustrie für Deutschland

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Mit Trump im Weißen Haus bleibt die Lage für die deutsche Autoindustrie unberechenbar –  die Bereitschaft in Brüssel und Berlin zu Gegensanktionen macht die Situation für die Industrie kaum besser. Nutzen würden amerikanische Autozölle niemandem, sie würden allenfalls „den Welthandel und internationale Wertschöpfungsketten schwächen“, sagte Bernhard Mattes, der Präsident des Verbands der Deutschen Automobilindustrie (VDA). Auch die amerikanische Automobilindustrie würde eine Spirale von Zöllen und Gegenzöllen im Ergebnis nur belasten.

Eine nachhaltige Schwächung der Autobauer könnte die gesamte deutsche Wirtschaft empfindlich treffen. Schließlich hängen ungefähr 2 Millionen Arbeitsplätze direkt oder indirekt von der Autobranche ab. Das sind gut 4 Prozent der mehr als 44 Millionen Beschäftigten in Deutschland. In Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen sind es fast 5 Prozent und im Saarland rund 7, hat das Beratungsunternehmen EY berechnet. In ganz Europa beläuft sich die Zahl der Arbeitsplätze laut Herstellerverband Acea auf etwa 13,3 Millionen.

Für das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist die Autoindustrie sogar noch etwas wichtiger als für die Arbeitsplätze. Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass die Autobranche 2015 4,5 Prozent zum deutschen BIP beitrug. 2005 seien es nur 3,4 Prozent gewesen. Damit kommt inzwischen fast jeder zwanzigste Euro Wertschöpfung in Deutschland aus der Autoindustrie.

Schaut man nur auf das Verarbeitende Gewerbe, kommt sogar ungefähr jeder fünfte Euro Wertschöpfung aus der Autoindustrie. Vor allem im europäischen Vergleich schneidet Deutschland damit hervorragend ab. In Frankreich und Italien hat nicht einmal jeder zwanzigste Euro aus dem verarbeitenden Gewerbe mit Autos zu tun. In Spanien ist es auch nur jeder dreizehnte. Vor allem aber stagnierte der Anteil der Autobranche zwischen 2005 und 2015 in Italien, während er in Spanien und Frankreich sogar rückläufig war. Deutschland baute seine automobile Vormachtstellung in Europa hingegen weiter aus.

Doch diese Zahlen sind von 2015. Und in der Zwischenzeit wurde die deutsche Automobilindustrie von der Dieselkrise schwer getroffen. Der Umsatz der meisten Hersteller entwickelt sich zwar weiter positiv, auch wenn Daimler bei seiner Marke Mercedes-Benz Anfang 2019 einen deutlichen Umsatzrückgang verkünden musste. Die steigende Nervosität um die Produktion von Batteriezellen in Deutschland, die Wirtschaftsminister Altmaier zu industriepolitischen Phantasien anstachelt, gibt einen Hinweis darauf, dass das nicht von Dauer sein muss.

Schließlich warnen nicht wenige Studien davor, dass ein mögliches Ende des Verbrennungsmotors viele Arbeitsplätze kosten könnten: 114.000 Stellen könnte der Übergang zum E-Auto bis 2035 kosten, berechnete das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung im Dezember 2018. Der VW-Vorstandsvorsitzende Herbert Diess sah im Oktober dagegen allein bei VW wegen niedrigerer Grenzwerte 100.000 Arbeitsplätze gefährdet. Das Ifo-Institut kam 2017 zu dem Ergebnis, dass in Deutschland 426.000 Arbeitsplätze vom Verbrennungsmotor abhängen.

Deutschland ist seit mehr als einem Jahrhundert Autoland. Dass das auch in den nächsten hundert Jahren so bleibt, ist kein Naturgesetz.

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