https://www.faz.net/-gqe-9dlyu

Handelsstreit geht weiter : Amerika und China setzen neue Sonderzölle in Kraft

  • Aktualisiert am

Die chinesischen Zölle gelten unter anderem auf amerikanische Autos. Bild: Reuters

Während zwischen Europa und Amerika eine Art Waffenstillstand herrscht, eskaliert der Streit zwischen den Vereinigten Staaten und China. Jetzt haben beide Länder neue Zölle verhängt.

          Der Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China spitzt sich trotz Verhandlungen zur Lösung des Themas weiter zu. Beide Seiten setzten am Donnerstag weitere Sonderzölle auf Waren des jeweils anderen Landes im Volumen von 16 Milliarden Dollar in Kraft. Nach amerikanischen Angaben sind 279 Güter aus China betroffen, darunter Halbleiter, Chemikalien, Plastik, Motorräder und Elektroroller. Das chinesische Handelsministerium kritisierte das Vorgehen und setzte daraufhin eigene Sonderzölle auf amerikanische Produkte unmittelbar in Kraft. China hatte bereits angekündigt, bei neuen amerikanischen Zöllen im ähnlichem Umfang zurückzuschlagen. Gezielt wird dabei unter anderem auf Benzin, Autos, Stahl und Medizintechnik aus den Vereinigten Staaten. (Lesen Sie die Chronologie der Zölle in der übersichtlichen Grafik am Ende dieses Textes ab.)

          Am Mittwoch hatten in Amerika erstmals seit Monaten wieder Verhandlungen zwischen beiden Seiten begonnen, allerdings nicht auf hochrangiger politischer Ebene: Eine chinesische Delegation unter der Leitung des stellvertretenden Handelsministers Wang Shouwen wollte sich in Washington mit Finanzstaatssekretär David Malpass treffen und eine Entspannung der Situation anstreben. Präsident Donald Trump hatte im Vorfeld gesagt, bei den Gesprächen werde wohl nicht viel herauskommen.

          Gleichzeitig ist in Washington eine Anhörung angelaufen, bei der amerikanische Unternehmen ihre Bedenken gegen die mögliche Verhängung von Zöllen auf Waren im Wert von weiteren 200 Milliarden Dollar vorbringen können. Sollten auch diese Zölle in Kraft treten, wäre mehr als die Hälfte des Handelsvolumens mit China von Sonderabgaben betroffen. Eine Entscheidung darüber soll im September getroffen werden.

          Ökonomen befürchten, dass die beiden größten Volkswirtschaften auf einen Handelskrieg zusteuern, der Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft haben könnte. Stark davon betroffen wäre wohl auch die deutsche Wirtschaft, deren Exportindustrie sowohl mit den Vereinigten Staaten als auch China eng verwoben ist.

          China führt viel weniger aus Amerika ein als umgekehrt

          Die amerikanische Regierung stört sich an dem hohen Handelsdefizit mit China. Trump wirft Peking vor, seine Währung zu manipulieren, um eigene Exporte künstlich zu verbilligen. Außerdem fürchten die Amerikaner das strategische chinesische Industrieprogramm unter dem Titel „Made in China 2025“. Damit will Peking mit staatlicher Förderung zahlreiche heimische Unternehmen für den Weltmarkt vorbereiten. Die Vereinigten Staaten halten das für unerwünschte Subventionspolitik, die auch zulasten amerikanischer Firmen geht.

          China kann Vergeltung mit eigenen Strafzöllen auf Importe aus Amerika nur begrenzt ausüben, weil die Vereinigten Staaten nur Waren im Wert von 130 Milliarden Dollar nach China ausführen. Amerikanische Unternehmen fürchten deshalb, dass Peking außer Zöllen noch zu anderen Gegenmaßnahmen greifen könnte.

          Chronologie der Zölle

          Seit Januar 2018 (Auswahl)

          22. Januar

          Wert: 8,5 Mrd. $

          20–50% auf Waschmaschinen

          15–30% auf Solarpaneele

          23. März

          Wert: 48 Mrd. $

          20% auf Aluminium

          25% auf Stahl

          (für Europa erst ab 01.06.)

          02. April

          Wert: 3 Mrd. $

          15-25% auf 128 landwirtschaftliche Produkte

          (z.B. Schweinefleisch, Früchte, Wein)

          22. Juni

          Wert: 2,8 Mrd. $

          25% auf u.a. Whisky, Orangensaft, Tomaten, Jeans, Motorräder, Erdnussbutter

          06. Juli

          Wert: 50 Mrd. $*

          25% auf 1300 Hightech-Produkte (z.B. Autos, Flugzeugteile, Festplatten)

          06. Juli

          Wert: 50 Mrd. $*

          25% auf mehr als 100

          Produkte (z.B. Autos,

          Flugzeuge, Sojabohnen, Rohöl)

          Angedroht

          Wert: 200 Mrd. $

          25% würde nahezu alle chinesischen Produkte

          treffen, u.a. Luftfahrt, IT, Maschinenbau, Autos

          Angedroht

          Wert: 60 Mrd. $

          bis zu 25 Prozent auf 5200 Produkte (z.B. Fleisch, Weizen, Wein, Flüssiggas)

          Angedroht, in verhandlung

          Wert: 37,4 Mrd. $

          20 % auf Autos

          Angedroht, in verhandlung

          Wert: 294 Mrd. $

          noch unklar

          * zunächst im Wert von 34 Mrd. $,

          weitere 16 Mrd. $ folgten am 23. August

          Grafik: F.A.Z. / Stand: 23.08.18

          Chronologie der Zölle

          Seit Januar 2018 (Auswahl)

          22. Januar

          Wert: 8,5 Mrd. $

          20–50% auf Waschmaschinen

          15–30% auf Solarpaneele

          23. März

          Wert: 48 Mrd. $

          20% auf Aluminium, 25% auf Stahl

          (für Europa erst ab 01.06.)

          02. April

          Wert: 3 Mrd. $

          15-25% auf 128 landwirtschaftliche Produkte

          (z.B. Schweinefleisch, Früchte, Wein)

          22. Juni

          Wert: 2,8 Mrd. $

          25% auf u.a. Whisky, Orangensaft, Tomaten, Jeans,

          Motorräder, Erdnussbutter

          06. Juli

          Wert: 50 Mrd. $*

          25% auf 1300 Hightech-Produkte (z.B. Autos, Flugzeugteile, Festplatten)

          06. Juli

          Wert: 50 Mrd. $*

          25% auf mehr als 100 Produkte (z.B. Autos, Flugzeuge, Sojabohnen, Rohöl)

          Angedroht

          Wert: 200 Mrd. $

          25% würde nahezu alle chinesischen Produkte treffen,

          u.a. Luftfahrt, IT, Maschinenbau, Autos

          Angedroht

          Wert: 60 Mrd. $

          bis zu 25 Prozent auf 5200 Produkte (z.B. Fleisch, Weizen, Wein, Flüssiggas)

          Angedroht, In Verhandlung

          Wert: 37,4 Mrd. $

          20 % auf Autos

          Angedroht, In Verhandlung

          Wert: 294 Mrd. $

          noch unklar

          * zunächst im Wert von 34 Mrd. $, weitere 16 Mrd. $ folgten am 23. August

          Grafik: F.A.Z. / Stand: 23.08.18

          Weitere Themen

          Was ging schief in Venezuela? Video-Seite öffnen

          Wirtschaft am Abgrund : Was ging schief in Venezuela?

          Den Menschen in Venezuela fehlt es an allem. Die Versorgung mit Lebensmitteln oder Medikamenten ist katastrophal, ständig fällt der Strom aus und aktuell wird das Benzin knapp - in einem der erdölreichsten Länder der Welt. MADE sucht nach Ursachen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.