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Handels-Kommentar : Deutschland muss sich für seinen Erfolg nicht schämen

Nicht nur Donald Trump schimpft über den Leistungsbilanzüberschuss der Deutschen. Tatsächlich kann der schmelzen, ohne dass Deutschland schwächer wird.

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          Deutschland wird in diesem Jahr zum dritten Mal hintereinander das Land mit dem größten Leistungsbilanzüberschuss der Welt sein. Diese Spitzenposition ist Fluch und Segen zugleich. Ein Segen ist sie, weil sie vor allem durch den Erfolg heimischer Unternehmen entsteht. Sie verkaufen viel mehr Waren ins Ausland, als von dort importiert werden. Das mehrt den Wohlstand und lässt Millionen Deutsche gut leben.

          Ein Fluch ist der Spitzenplatz, weil er angreifbar macht: Donald Trump giftet gegen Deutschland, wegen der vielen Daimler- und BMW-Limousinen, die Amerika „überschwemmen“. Auch wichtige Institutionen wie der Internationale Währungsfonds und die Europäische Kommission prangern das deutsche Wirtschaftsmodell an, da es zu ungesunden Ungleichgewichten führe. Weniger wettbewerbsfähige Länder, die deutsche Waren kaufen, müssten Kredite aufnehmen und drohten in die Schuldenfalle zu geraten, heißt es warnend. Von Deutschland fordern die Fachleute, mehr im Inland zu investieren, um den Überschuss zu verringern.

          Was ist von alldem zu halten? Deutschland muss sich für den Erfolg seiner Unternehmen nicht schämen. Dass Donald Trump die deutschen Autos benutzt, um bei seinen Wählern Stimmung zu machen, ist kein Grund, dem deutschen Wirtschaftsmodell abzuschwören. Und wenn Länder mit einem Defizit in der Leistungsbilanz wie aktuell die Türkei in die Klemme geraten, müssen sich diese zuallererst fragen lassen, was sie selbst falsch gemacht haben.

          Dennoch ist die Kritik mehr als ein Herummäkeln am Klassenbesten. Wirtschaftliche Ungleichgewichte können zu einem Risiko werden, wenn sie wie im Fall Deutschlands über einen langen Zeitraum andauern. Deutschland selbst hat einen Anreiz, den immensen Überschuss um ein paar Prozentpunkte abzuschmelzen. Der Überschuss ist nämlich Ausweis dafür, dass Unternehmen ihr Geld lieber im Ausland anlegen.

          Hier gilt es anzusetzen: Den Unternehmen muss es leichter gemacht werden, hierzulande neue Fabriken zu bauen. Steuerliche und regulatorische Verbesserungen sind dafür die richtigen Hebel. Auch der Staat kann mehr tun. Allerdings ist die pauschale Forderung nach „mehr Geld“ zu kurz gegriffen. Sanierungen maroder Schulen und Brücken scheitern oft nicht an finanziellen, sondern an organisatorischen Kapazitäten. Der Überschuss kann also schmelzen, ohne dass das Deutschland schwächer macht.

          Johannes Pennekamp
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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