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Kaffee, Wein und Werkzeuge Auch deutsche Produkte von Strafzöllen betroffen

Die amerikanische Regierung hat eine Liste mit europäischen Importwaren veröffentlicht, die sie ab 18. Oktober mit Strafzöllen belegen will. Während Brüssel noch an einer Retourkutsche bastelt, müssen die Exporteure die Zeche zahlen.

Weine aus Frankreich und Deutschland gehören zu den europäischen Produkten, die die Vereinigten Staaten mit Strafzöllen belegen wollen.
© Wonge Bergmann
Weine aus Frankreich und Deutschland gehören zu den europäischen Produkten, die die Vereinigten Staaten mit Strafzöllen belegen wollen.

Ab 18. Oktober wollen die Vereinigten Staaten Strafzölle in Milliardenhöhe auf Importe aus Europa verhängen. Die Zölle sollen demnach vor allem Produkte der Länder betreffen, die für rechtswidrige Subventionen für den Flugzeugbauer Airbus verantwortlich sind: Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien. Betroffen sind demnach unter anderem Wein und Käse aus Frankreich, Whiskey und Wollprodukte aus Großbritannien sowie Oliven und Muscheln aus Spanien. Auch Kaffee, Wein, Werkzeuge und Kameralinsen aus Deutschland finden sich auf den veröffentlichen Listen.

Bei den meisten der genannten Agrar- und Industriegütern soll ein Strafzoll von 25 Prozent erhoben werden, wie der amerikanische Handelsbeauftragte am Mittwoch erklärte. Die Einfuhr von Flugzeugen aus der Europäischen Union solle um zehn Prozent verteuert werden. Flugzeugteile werden dagegen ausgenommen, um die Airbuswerke im amerikanischen Bundesstaat Alabama nicht zu treffen. Man erwarte bei künftigen Verhandlungen mit der EU eine Lösung des Handelsstreits, die „amerikanischen Arbeitern zugutekommt“.

In einer ersten Reaktion hieß es von Airbus, man prüfe die Maßnahmen und arbeite eng mit der EU zusammen. Die EU-Kommission nannte die amerikanischen Zölle kurzsichtig und kontraproduktiv. Die amerikanische Fluggesellschaft Delta Airlines warnt vor den Auswirkungen der Strafzölle auf EU-Flugzeuge. Der Schritt werde den amerikanischen Airlines ernsthaften Schaden zufügen und die Gewinne schmälern. Die Börsen in Asien eröffneten nach der Ankündigung der Amerikaner im Minus.

Trump: Sie haben uns abgezockt

Der Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und der EU war zuvor in die nächste Runde gegangen. Washington dürfe nach einem Beschluss der Welthandelsorganisation (WTO) im Streit über Subventionen für Airbus EU-Importe im Wert von 7,5 Milliarden Dollar mit Zöllen belegen. Die Vereinigten Staaten und Europa streiten seit 15 Jahren vor der WTO über milliardenschwere staatliche Hilfen für die Flugzeugbauer Airbus und Boeing, die die WTO jeweils für unzulässig erklärt hat. Die Regierung von Präsident Donald Trump hatte damals Zölle von bis zu 100 Prozent auf EU-Importe im Wert von 11,2 Milliarden Dollar beantragt. Die WTO reduzierte – wie in solchen Fällen üblich – schließlich das Volumen. Zöllen und Gegenzöllen, die die Weltwirtschaft belasten.