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Wie geht’s der Weltwirtschaft? : Wer Risiken sucht, findet jetzt mehr davon

Der gestiegene Ölpreis bedeutet höhere Kosten. Bild: dpa

Donald Trump, Streit mit China, Brexit, Italien, die Türkei oder der gestiegene Ölpreis: Es gibt genügend Gründe, pessimistischer zu sein als noch vor sechs Monaten.

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          782 Milliarden Dollar sind eine Menge Geld. In dieser Größenordnung befindet sich beispielsweise die Jahreswirtschaftsleistung der Türkei. Ungefähr so hoch wird auch das Haushaltsdefizit der Vereinigten Staaten im gerade zu Ende gegangenen Haushaltsjahr geworden sein, Stichtag ist der 30. September. Die Schätzung stammt von den parteiunabhängigen Fachleuten des amerikanischen Kongresses (CBO), in dieser Woche veröffentlicht das Finanzministerium die offiziellen Werte.

          Alexander Armbruster
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Sie sind wichtig, denn hinter ihnen steckt der zentrale Grund, aus dem heraus die größte Volkswirtschaft der Welt derzeit sogar noch etwas schneller wächst als in den vergangenen Jahren und auch die amerikanische Arbeitslosigkeit weiter zurückgeht. Ökonomen wundert das nicht: Sie wissen, dass durch Schulden finanzierte höhere Staatsausgaben oder Steuersenkungen die Konjunktur befeuern, zumindest kurzfristig.

          Die allermeisten von ihnen haben grundsätzlich auch nichts dagegen, dass Regierungen zu diesem Mittel greifen. Allerdings ist für sie der Zeitpunkt sehr wichtig: Um eine Wirtschaftskrise schneller zu überwinden und zu vermeiden, dass zu viele Menschen zu lange keine Stelle haben, finden sie das eher in Ordnung. Tendenziell wenig Verständnis haben sie indes für wachsende Haushaltsdefizite, wenn die Wirtschaft ohnehin schon rund läuft – so, wie sie das in den Vereinigten Staaten mit Blick auf die gesamtwirtschaftlichen Wachstumszahlen bereits getan hatte, als Donald Trump ins Weiße Haus einzog. Dann sind solche Maßnahmen durchaus nicht ungefährlich.

          Besser ist die schwarze Null

          Maurice Obstfeld, der Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, formulierte das in den mit seiner Position einhergehenden diplomatischen Gepflogenheiten gerade so: „Das Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten, gestützt von einem prozyklischen Fiskalpaket, geht mit einer robusten Geschwindigkeit weiter und treibt die Zinsen in Amerika nach oben.“

          Prozyklisch ist ein Signalwort der Ökonomen – denn genau so soll eine auf Stabilität ausgerichtete Finanzpolitik nach Ansicht der Fachleute nicht sein. Wenn die Wirtschaft floriert, dann soll der Staat nicht dazu beitragen, dass sie überhitzt. Die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen ist gerade auf 3,3 Prozent gestiegen, den höchsten Stand seit sieben Jahren.

          Aus konjunktureller Sicht verhält sich das deutsche Finanzministerium schon lange angemessener: die „schwarze Null“, also der ausgeglichene Bundeshaushalt, steht dafür.

          Es geht nicht nur um Zölle

          Mit Blick auf Amerika wiederum schreibt Obstfeld denn auch weiter, dass die Wirtschaftsforscher des Währungsfonds' ungeachtet des Nachfrageschubs nun für das kommende Jahr und die amerikanische Volkswirtschaft etwas pessimistischer geworden sind. Denn dann dominiert, so denken sie, der finanzpolitische Stimulus (der höchste übrigens seit dem Jahr 2012) nicht mehr alle Problemthemen.

          Allen voran dürfte er dann den Wirtschaftsstreit zwischen Washington und Peking nicht mehr überdecken: Die amerikanische wie auch die chinesische Führung haben in diesem Jahr neue Zölle in Milliardenhöhe auf zwischen beiden Ländern gehandelte Waren eingeführt. Ein Ende dieser Auseinandersetzung ist nicht in Sicht. Zumal längst klar geworden ist, dass dahinter nicht bloß ein Handelsstreit um ein paar Zölle und Investitionsbeschränkungen steckt, sondern eine wachsende Rivalität um wirtschaftlichen, militärischen und technologischen Einfluss in der Welt.

          Der Handelsstreit zwischen den Wirtschaftsgroßmächten, der natürlich auch Lieferketten und Preise in und zwischen anderen Ländern beeinflusst, ist ein Grund, warum die IWF-Experten vorsichtiger geworden sind. Und nun etwas weniger Wirtschaftswachstum auf der Welt vorhersagen als noch vor sechs Monaten.

          Doch es ist nicht das einzige Risiko. Argentinien hat schon wieder Wirtschaftsprobleme und die Türkei ist in schwierigeres Fahrwasser geraten. In Italien machen die Vorsitzenden der beiden regierenden Parteien wenig hilfreiche Vorschläge in Sachen Staatsfinanzen, um das Land wirtschaftlich voranzubringen; auch hier haben die Anleger schon deutlich reagiert und in gesunkenen Anleihekursen ausgedrückt, was sie davon halten. Der Austrittstermin der Briten aus der Europäischen Union naht und noch immer ist sowohl die regierende Partei in London zerstritten als auch die Führung in London mit den anderen EU-Regierungen nicht einig.

          Nicht zuletzt ist auch der Ölpreis deutlich gestiegen, von 50 Dollar je Fass (159 Liter) auf deutlich mehr als 80 Dollar – ein erst recht substantieller Anstieg verglichen mit dem Tief zu Beginn des Jahres 2016, als dieselbe Menge Rohöl vorübergehend weniger als 30 Dollar kostete. Das ist zwar gut für Unternehmen, die Öl verkaufen, oder für Länder, die Öl fördern. Es engt aber die Möglichkeiten der Käufer ein, die weniger Mittel für andere Dinge ausgeben können, wenn das Tanken und Heizen und Produzieren teurer wird.

          All das stellt tatsächlich eine Gemengelage dar, die zwar kein Grund zur Panik ist. Wenn die Währungsfonds-Ökonomen allerdings nun weniger zuversichtlich sind für die wirtschaftliche Entwicklung auf der Welt als noch vor einem Jahr, dann ist das durchaus nachvollziehbar.

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