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Huawei-Streit : Wie weit geht Trump?

Ein Huawei-Store in Peking Bild: AP

Bislang betrifft Trumps Bann nur Huawei. Doch wenn er nur der Anfang ist, wird es für viele Unternehmen ernst. Das aber kann auch der amerikanische Präsident eigentlich nicht wollen.

          Für deutsche Unternehmen ist es das Horroszenario schlechthin: Der Handelskrieg zwischen den beiden größten Wirtschaftsmächten der Welt verschärft sich derart, dass sie sich entscheiden müssen – entweder machen sie künftig nur noch mit den Vereinigten Staaten Geschäfte oder mit China. Noch stellt sich diese Frage nicht im Grundsatz. Der Fall Infineon zeigt aber, dass sich das schnell ändern kann. Donald Trump hat den chinesischen Konzern Huawei auf eine schwarze Liste gesetzt. Wer dennoch mit ihm handelt, läuft Gefahr, es sich mit den Amerikanern zu verderben. Der deutsche Konzern Infineon liefert deshalb keine Teile mehr an den chinesischen Handyhersteller, die in Amerika produziert wurden.

          Bislang betrifft Trumps Bann nur ein einzelnes chinesisches Unternehmen und nur wenige ausländische Konzerne müssen sich unter hohem Druck darüber klar werden, wie sie damit umgehen. Dennoch erinnert die Situation an Trumps Vorgehen gegen Iran. Mit Wirtschaftssanktionen hat der amerikanische Präsident den Handel mit dem Land für größere europäische Unternehmen so gut wie unmöglich gemacht. Trump konnte zwar nicht direkt Geschäfte mit Teheran verbieten. Er drohte den Unternehmen jedoch damit, den Marktzugang in Amerika zu verlieren, falls sie die Verbindungen zu Iran nicht kappen.

          Auch Google, Intel und Co. wollen in China Geld verdienen

          Die Entscheidung Iran oder Vereinigte Staaten ist den Konzernen leicht gefallen. Ungleich schwerer würden sie sich tun, müssten sie zwischen den beiden größten Volkswirtschaften entscheiden. Es macht wenig Sinn zu beziffern, ob nun die Vereinigten Staaten oder China für die deutsche Exportwirtschaft der wichtigere Markt ist. Beide sind für die deutsche Wirtschaft unverzichtbar. Würde einer der Märkte wegfallen oder in Teilen abgeschnitten, würden die Unternehmen nicht nur auf ihren Waren sitzenbleiben. Unzählige Produktionsketten wären unterbrochen, eine unkalkulierbare Kettenreaktion die Folge.

          All das kann auch Trump nicht wollen. Zur Erinnerung: Er ist besessen vom Wunsch, das Handelsdefizit mit China zu verringern. Er will also mehr Waren in die Volksrepublik exportieren, nicht weniger. Zudem steigen ihm die amerikanischen Konzerne aufs Dach, falls er das Exempel Huawei ausdehnt. Denn auch Google, Intel und Co. wollen in China Geld verdienen. Andererseits wäre es töricht, die Gefahr einer amerikanischen „Entweder-Oder-Politik“ hierzulande zu verkennen. Noch weiß niemand, welchen Preis Trump bereit ist zu zahlen, um Chinas Aufstieg zu bremsen.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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