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Schlechte Auftragslage : Die deutsche Industrie schwächelt

  • Aktualisiert am

Im Hamburger Hafen ist immer was los. Bild: dpa

Handelskonflikte und die schwache Weltkonjunktur machen der Industrie zunehmend zu schaffen. Ifo-Chef Fuest fürchtet im Falle eines harten Brexits gar eine Rezession in Deutschland. Hoffnung macht immerhin der Blick nach China.

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          Die deutsche Industrie wartet ausgerechnet zum Auftakt der Hannover Messe mit schlechten Nachrichten auf. Ihre Geschäfte liefen im März so schlecht wie seit Mitte 2012 nicht mehr, als die Schuldenkrise in Europa belastete. Die Aufträge fielen sogar so schwach aus wie zuletzt vor knapp zehn Jahren. Die maue Weltkonjunktur, Handelskonflikte und der drohende harte Brexit belasten die exportabhängige Industrie, die für etwa ein Viertel der deutschen Wirtschaftsleistung steht. Ein ungeregelter EU-Austritt Großbritanniens könnte sogar zur Rezession führen, warnte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

          Das jüngste Signal für einen Abschwung der Industrie lieferte am Montag das Institut IHS Markit. Deren Einkaufsmanagerindex zeigte für März einen Rückgang um 3,5 auf 44,1 Punkte an - den schlechtesten Wert seit annähernd sieben Jahren. Erst ab 50 signalisiert das Barometer Wachstum. „Der Auftragseingang insgesamt und die Exportorder verzeichnen mittlerweile Rückgänge wie man sie seit der globalen Finanzkrise nicht gesehen hat“, sagte Markit-Experte Phil Smith. „In den meisten Fällen wird dabei auf die geringere Nachfrage bedingt durch Brexit, Handelskonflikte, die strauchelnde Autobranche sowie die nachlassende Weltkonjunktur verwiesen.“

          Die Maschinenbauer schraubten angesichts der zunehmenden Konjunkturunsicherheiten ihre Prognose für 2019 herunter. Die Produktion werde in diesem Jahr wohl nur noch um ein Prozent statt wie zunächst erwartet zwei Prozent steigen, teilte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) auf der Hannover Messe mit. „Die Dispute über Zölle und andere Handelshemmnisse verunsichern die Marktteilnehmer zunehmend und dämpfen die Investitionslaune.“ Dies schlage sich in den Geschäften der Hersteller nieder. Die überwiegend mittelständisch geprägte Branche, zu der auch börsennotierte Konzerne wie Thyssenkrupp, Siemens oder Gea gehören, beschäftigt mehr als eine Million Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz von über 200 Milliarden Euro.

          Nimmt Wirtschaft in China wieder Fahrt auf?

          Ein harter Brexit kann Ifo-Chef Clemens Fuest zufolge eine Rezession in Deutschland auslösen. „Wenn jetzt Realität wird, dass sozusagen das schlechteste Szenario auftritt, dann könnte das der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt“, sagte der Ifo-Präsident dem Deutschlandfunk. „Das könnte dazu führen, dass wir von einem schwachen Wachstum zu einer leichten Schrumpfung der Wirtschaft übergehen. Und das würde man dann eine Rezession nennen.“ Die britische Premierministerin Theresa May unternimmt in dieser Woche einen neuen Anlauf, um einen Ausweg aus der Brexit-Sackgasse zu finden. Den von ihr mit der EU ausgehandelten Austrittsvertrag hatte das Parlament am Freitag zum dritten Mal abgelehnt.

          Es gibt allerdings auch erste Hinweise darauf, dass mit China der wichtigste deutsche Handelspartner wieder Fahrt aufnimmt. Der dortige Caixin/Markit-Einkaufsmanagerindex stieg auf 50,8 Punkte von 49,9 Zählern im Februar und damit auf den höchsten Stand seit acht Monaten. Analyst Zhengsheng Zhong verwies auf das bessere Finanzierungsumfeld, die Bemühungen um den Privatsektor und die Fortschritte in den Handelsgesprächen zwischen Amerika und China. Diese hätten die Industrie beflügelt. Erstmals seit vier Jahren stellten die Firmen wieder neue Mitarbeiter ein. Die Regierung hat ein Konjunkturpaket geschnürt, das Steuersenkungen und Investitionen beinhaltet.

          Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fordert dessen ungeachtet die EU auf, Herausforderungen wie dem Austritt Großbritanniens, der verstörende amerikanischen Handelspolitik und Chinas Staatskapitalismus etwas entgegenzusetzen. Dafür müsse die EU die Industrie als Wachstums- und Wirtschaftsmotor stärken, fordert der BDI-Präsident Dieter Kempf auf der Hannover-Messe. Der Binnenmarkt sei immer noch fragmentiert, viel Wirtschaftskraft gehe verloren. Die rasche Vollendung des Binnenmarktes für Digitales, Energie und Dienstleistungen müsse nach der Wahl zum neuen Europaparlament Ende Mai Vorrang bekommen. Die EU brauche spätestens dann eine gemeinsame Industriestrategie.

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