https://www.faz.net/-gqe-9mqpp

Handelsstreit : China droht mit Vergeltung

  • Aktualisiert am

Ein Containerschiff verlässt die Werft in Qingdao in der ostchinesischen Provinz Shandong. Bild: dpa

Noch ist der Gesprächsfaden nicht abgerissen – doch die Rhetorik im chinesisch-amerikanischen Handelsstreit wird schärfer. Peking gibt sich kämpferisch und die Hoffnung zugleich noch nicht auf.

          Die chinesische Regierung hat Amerika im Handelsstreit mit Vergeltungsmaßnahmen gedroht. Sollten die Vereinigten Staaten die geplanten Zollerhöhungen umsetzen, dann werde China „notwendige Gegenmaßnahmen“ ergreifen, teilte das Handelsministerium am Mittwoch in Peking mit. Ein eskalierender Handelsstreit läge aber nicht im Interesse Chinas und der Welt. China würde es „zutiefst bedauern“, falls Washington seine geplanten Zollerhöhungen umsetze.

          Trotz des tobenden Handelskriegs wollen die beiden größten Volkswirtschaften der Welt miteinander sprechen. An diesem Donnerstag sollen die Gespräche über die Beilegung des erbitterten Konflikts in Washington fortgesetzt werden. „China hat uns gerade informiert, der chinesische Vizeregierungschef Liu He nach Washington kommen möchte, um eine Vereinbarung abzuschließen“, schrieb der amerikanische Präsident Donald Trump am Mittwoch auf Twitter.

          Fast gleichzeitig ging allerdings vom amerikanischen Finanzministerium eine zunächst vorläufige Notiz an das amerikanische Gesetzblatt Federal Register, wonach die Sonderzölle von diesem Freitag an angehoben werden sollen. Das hatte Trump am Sonntag angekündigt.

          Trump will die bereits eingeführten Strafzölle auf Einfuhren aus China mit einem Wert von 200 Milliarden US-Dollar von diesem Freitag an von 10 auf 25 Prozent erhöhen. Auch droht er mit einer baldigen Ausweitung der Sonderzölle auf alle Importe aus China, die insgesamt ein Volumen von mehr als 500 Milliarden US-Dollar haben.

          Hoffnung auf Einigung sinkt

          Der Handelskrieg mit Amerika hat Chinas Exporte im April überraschend stark fallen lassen. Während der Handel mit Deutschland und Europa anstieg, sackte der Warenaustausch mit den Vereinigten Staaten um 15,7 Prozent ab. Wie der Zoll in Peking mitteilte, gingen die Ausfuhren insgesamt in US-Dollar gerechnet um 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zurück. Der Rückgang überraschte Experten, die nach dem starken Anstieg der Exporte im März um 14,2 Prozent auch im April eigentlich noch mit Zuwachs gerechnet hatten.

          Unter der Last der Strafzölle fielen aber die chinesischen Ausfuhren in die Vereinigten Staaten um 9,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Der Rückgang trug nach Angaben der australischen ANZ-Bank zu mehr als 80 Prozent zur gesamten Exportschwäche bei. Schlechte Nachrichten aber auch für amerikanische Exporteure: Chinas Importe an amerikanischen Waren sackten sogar um 30,4 Prozent in den Keller.

          Die beiden größten Volkswirtschaften überziehen sich seit Monaten gegenseitig mit Sonderzöllen, während sich die Verhandlungen über ein Ende des Handelskrieges hinziehen. Am Donnerstag und Freitag kommen beide Seiten in Washington zu einer neuen Runde zusammen, die chinesische Delegation wird von Vizepremier Liu He angeführt. Doch sinkt die Hoffnung, dass bald eine Einigung erzielt werden kann, was auch die Finanzmärkte stark beunruhigt.

          Den Rückgang der chinesischen Exporte in die Vereinigten Staaten erklärten Experten auch damit, dass sich – nach der kurzen Erholung im März – eine Flaute einstellt, weil viele Ausfuhren nach Amerika wegen der drohenden Eskalation in den vergangenen Monaten vorgezogen worden waren.

          Anstieg der Exporte nach Deutschland

          Im März sei die Entwicklung aus saisonalen Gründen noch positiv gewesen, weil ein Exportstau über das chinesische Neujahrsfest im Februar abgearbeitet worden sei, hieß es. Im April hätten aber auch die Aktivitäten im herstellenden Gewerbe schon nachgelassen.

          Die schwachen Exporte erhöhen die Schwierigkeiten der chinesischen Führung, die Wirtschaft anzukurbeln. „Die Chance einer baldigen Erholung wird unwahrscheinlicher“, kommentierten die ANZ-Analysten. Die neuen Unsicherheiten in den Handelsgesprächen verdunkelten die Aussichten für die Ausfuhren selbst im zweiten Halbjahr – auch weil viele Exporte in Vereinigten Staaten schon Ende 2018 vorgezogen worden seien.

          Chinas Wirtschaft war im ersten Quartal mit 6,4 Prozent noch unerwartet stabil gewachsen, weil Steuersenkungen und andere Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft Wirkung zeigten. Diese Konjunkturmaßnahmen untergraben aber langfristig die notwendigen Bemühungen, die hohe Schuldenlast im Land zu reduzieren und strukturelle Verzerrungen zu korrigieren.

          Einziger Lichtblick im April schienen die Importe zu sein, die sich insgesamt unerwartet stark entwickelt haben. Der Zuwachs wurde aber vor allem mit dem Anstieg der Preise und Importe von Rohstoffen wie Kohle, Öl, Gas und Eisenerz erklärt. Im Vergleich zum Vorjahresmonat legten die Einfuhren um vier Prozent zu, obwohl mit einem Rückgang wie im Vormonat gerechnet worden war. Der Überschuss im Handel insgesamt fiel von 18,8 auf 13,84 Milliarden US-Dollar.

          Der Rückgang der chinesischen Ausfuhren nach Amerika und auch insgesamt steht im Gegensatz zu einem Anstieg der Exporte nach Deutschland um 3,7 Prozent und in die Europäische Union um 5,9 Prozent. Die Importe aus Deutschland veränderten sich mit minus 0,1 Prozent hingegen kaum. Die Einfuhren aus der Europäischen Union legten um 2,5 Prozent zu.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ende der Rechts-Koalition : Österreicher müssen wohl bald neu wählen

          Nach dem Rücktritt von Vizekanzler Heinz-Christian Strache steht Österreich vor Neuwahlen und einer Europawahl mit ungewissem Ausgang. Die CDU-Vorsitzende sieht ihren Kurs bestätigt, Jörg Meuthen von der AfD will der FPÖ nicht „in den Rücken fallen“.

          Bayern München : Der ewige Meister

          Titel Nummer 29: Der FC Bayern gewinnt das Saisonfinale 5:1 gegen Eintracht Frankfurt, die sich mit Mainzer Hilfe dennoch für Europa qualifiziert. Ribéry und Robben treffen zum Abschied: „Ich liebe Euch. Mia san mia.“

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.