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Handelsstreit mit Amerika : Kann der „brutale Killer“ Donald Trump bändigen?

  • Aktualisiert am

Jean-Claude Juncker ist an diesem Mittwoch im Weißen Haus. Bild: Reuters

EU-Kommissionschef Juncker trifft den amerikanischen Präsidenten. Es geht nicht nur um Zölle auf Autos. Hier kommen Antworten auf die wichtigsten Fragen zum großen Treffen in Washington.

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          Kann Jean-Claude Juncker den amerikanischen Präsidenten Donald Trump noch davon abbringen, die Zölle auf Autos zu erhöhen? Der EU-Kommissionspräsident jedenfalls wird an diesem Mittwoch im Weißen Haus versuchen, was etliche mittlerweile für aussichtslos halten. Es geht um zu viel, als dass man auch nur eine Chance ungenutzt lassen sollte, lautet allerdings das Motto des Luxemburgers. Hier kommen Antworten auf die wichtigsten Fragen zum eskalierenden Handelsstreit:

          Worum geht es während des Treffens?

          Letztlich wohl um nichts weniger als die Frage, ob ein echter Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union noch abgewendet werden kann. Sollte Trump wie angedroht die Zölle auf Autoimporte erhöhen lassen, dürfte die EU wohl abermals zurückschlagen. EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström hat deutlich gemacht, dass die Vergeltungsmaßnahmen dann ein ganz anderes Ausmaß haben würden als diejenigen, die in Reaktion auf die Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte beschlossen wurden. Von letzteren seien nur EU-Exporte im Wert von 6,4 Milliarden Euro pro Jahr betroffen, sagte sie in der vergangenen Woche. Bei Autos und Autoteilen gehe es um Ausfuhren im Wert von 50 Milliarden Euro pro Jahr.

          Trump begründet seine Zolldrohungen mit angeblich unfairen Handelspraktiken der EU. Ist da etwas dran?

          Auf Autos erheben die Amerikaner tatsächlich niedrigere Importzölle als die EU – zumindest im Personenwagen-Segment. Hier verlangen die Europäer ungefähr 10 Prozent, die Amerikaner lediglich 2,5 Prozent. Allerdings liegen die amerikanischen Einfuhraufschläge für leichte Nutzfahrzeuge, dazu zählen Pick-up-Trucks und viele größere SUV, schon seit Jahrzehnten bei 25 Prozent. Gerade solche Fahrzeuge sind unter amerikanischen Kunden sehr beliebt und dominieren die Verkaufslisten.

          Und wie sieht es bei anderen Produkten aus?

          Im Schnitt sind die EU-Importzölle höher als die der Vereinigten Staaten. Nach Berechnungen des Ifo-Instituts, das die Zölle für mehr als 5000 Produkte verglich, beträgt der ungewichtete Durchschnittszoll der EU 5,2 Prozent, jener der Vereinigten Staaten hingegen 3,5 Prozent. Bei 48 Prozent aller Produkte verlangt die EU demnach einen höheren Zollsatz als die Vereinigten Staaten, nur bei 30 Prozent ist das Umgekehrte der Fall. „Die EU ist keineswegs das Paradies für Freihändler, für das sie sich gerne hält“, kommentiert Ifo-Experte Gabriel Felbermayr.

          Was sagt die EU dazu?

          Sie gesteht ein, dass auf Importe in die EU im Schnitt höhere Abgaben fällig werden, spielt die Unterschiede allerdings herunter. Handelskommissarin Malmström argumentiert zudem, dass das Gesamtbild betrachtet werden müsse. So hätten die Vereinigen Staaten beispielsweise im Bereich der Dienstleistungen einen Handelsüberschuss gegenüber der EU.

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          Handelsstreit : Auge um Auge, Zoll um Zoll Bild: F.A.Z.

          Mit welcher Strategie geht die EU nun in das Spitzentreffen?

          Nach Angaben aus EU-Kreisen könnten Juncker und seine Delegation die Aufnahme von Verhandlungen über ein Abkommen zur Liberalisierung des grenzüberschreitenden Autohandels vorschlagen. Dieses müsste nach WTO-Regeln neben den EU-Staaten und den Amerikanern aber weitere Länder wie Japan, China, Südkorea und Mexiko einbeziehen. Zudem ist im Gespräch, den Amerikanern ein beschränktes Zollabkommen in Aussicht zu stellen, über das Abgaben auf Industriegüter angepasst oder ganz abgeschafft werden könnten.

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