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Handelskrieg : Pompeo wirbt um Südostasien und wirft China Imperialismus vor

Amerikas Außenminister Pompeo bemüht sich in Thailand um die Asean-Staaten. Bild: Reuters

China treibe Staaten in die Schuldenfalle, Amerikas Investitionen führten dagegen nicht in die Abhängigkeit – so umwirbt Amerikas Außenminister Pompeo in Bangkok die Asean-Staaten. Und verspricht, den Einfluss Chinas zu „korrigieren“.

          Um Chinas rasch wachsenden Einfluss in der Region einzudämmen, will sich Amerika wirtschaftlich wieder wesentlich stärker in Südostasien engagieren. „Die Trump-Verwaltung ist investiert in die Eigenständigkeit, die Widerstandskraft und den Wohlstand jeder südostasiatischen Nation. Und nicht nur das, wir wollen unsere Beziehung stärken und ausbauen“, sagte der amerikanische Außenminister Mike Pompeo am Freitag am Rande der Tagung der südostasiatischen Außenminister in Bangkok. Die Wirtschaftsleistung der zehn südostasiatischen Länder liegt schon jetzt bei 2,8 Billionen Dollar im Jahr. Bei einem erwarteten Durchschnittswachstum von 5,5 Prozent in den nächsten Jahren sollte der Asean-Bund bis 2050 zur viertstärksten Volkswirtschaft der Welt heranreifen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Mit Blick auf den Handelskonflikt zwischen Amerika und China ließ Pompeo keine Frage offen: Zwar spüren die Südostasiaten, insbesondere der Handelsplatz Singapur, dessen Folgen immer stärker. Doch führte sie der Amerikaner ausschließlich auf den Auftritt Pekings zurück: „Es gab über Jahrzehnte negative Auswirkungen aufgrund des schlechten Verhaltens auf der Seite Chinas – negative Implikationen für jede Firma hier. Und wir werden das korrigieren.“

          Nur Japan kontert China

          China ist in den vergangenen Jahre eine bemerkenswerte wirtschaftliche Offensive in Südostasien gelungen, die allenfalls noch von Japan gekontert wird. Peking sichert sie Zugang zu wichtigen Absatzmärkten und Seestraßen, auch über Marinehäfen. Gerade einigte sich Malaysia mit China darüber, dass chinesische Staatskonzerne die strategisch wichtige Eisenbahnstrecke (East Coast Rail Link) über die Halbinsel bauen, die eine Brücke zwischen Indischem Ozean und Südchinesischem Meer bilden wird. Peking investiert auch stark rund um den Golf von Thailand sowie in Häfen in Myanmar (Burma) und Kambodscha – die wohl auch für seine Marine geöffnet werden.

          Pompeo trat in Bangkok für eine selbstbestimmte Region ein, die offenen Handel treibt. „Unsere Investitionen dienen nicht einer Regierung, sie dienen nicht einer politische Partei, oder – offen gesagt – den imperialen Ambitionen eines Landes“, sagte der Amerikaner.

          Er provozierte Peking mit einem Hinweis auf die Unruhen in dessen Sonderverwaltungszone Hongkong: „Die derzeitige Unruhe in Hongkong zeigt klar, dass der Wille und die Stimme der Regierten immer zu hören sein wird“, sagte er ausgerechnet in Bangkok, dass bis vor wenigen Wochen unter einer Militärdiktatur litt. Und er stellte die Südostasiaten vor die Wahl: „Fragen Sie sich selbst: Wer schaut zuerst auf die Interessen der Menschen – eine Handelsmacht, die die Souveränität respektiert, oder eine, die sie wegwischt? Fragen Sie sich selbst: Wer treibt Innovation und Reform voran – Privatunternehmen, oder Staatskonzerne?“

          Mit einem Seitenhieb auf die Verschuldung durch Kredite von Peking im Rahmen der Neuen Seidenstraße (BRI) erklärte der Amerikaner: „Fragen Sie sich selbst: Wer ermutigt zur Eigenständigkeit und nicht zur Abhängigkeit – Investoren, die versuchen, die Bedürfnisse ihrer Kunden zu decken, oder jene, die einen in die Schuldenfalle treiben?“

          Pompeo ohne Scheu

          Dabei scheute sich Pompeo nicht, praktisch alle Erfolge Asiens auf Amerikas Engagement und Schutz zurückzuführen: „Wir haben die Asiatisch-Pazifische Wirtschaftszusammenarbeit (Apec), den südostasiatischen Staatenbund (Asean) und die Initiative entlang des unteren Mekong aufgebaut“, sagt er.

          Und er betonte den Beitrag amerikanischer Konzerne: „Heute arbeiten mehr als 4200 amerikanische Unternehmen in Südostasien. Sie haben mehr als eine Billion Dollar in der Region investiert. Es gibt kein anderes Land, das dem auch nur annähernd nahe kommt.“

          Zeitgleich haben gut 160 amerikanische Unternehmen und Konzerne mit einem gesamten Umsatzvolumen von mehr als 6 Billionen Dollar eine gut zwanzigseitige Dokumentation unter dem Titel: „Asean zählt für Amerika“ herausgegeben. „Mehr als 380 Millionen Menschen in Asean sind jünger als 35 (58 Prozent der Bevölkerung), rund 20 Prozent mehr als die gesamte Bevölkerung Amerikas zählt. Die Mittelschicht in Asean sollte sich bis 2030 auf 334 Millionen Menschen verdoppeln“, heißt es in der Studie.

          Schon ihr Titel spricht Bände: Denn augenscheinlich halten es die Manager angesichts der amerikanischen Politik dieser Tage für geboten, das Gewicht der Weltregion mit ihren gut 650 Millionen Menschen betonen zu müssen. Die amerikanischen Firmenchefs verweisen darauf, dass Asean als Staatenbund die „drittgrößte Bevölkerung der Welt“ zähle – und lassen dabei die Europäische Union geflissentlich außen vor.

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