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Kommentar zu Schutzzöllen : Trumps Handelskrieg

Trump glaubt ihre Arbeitsplätze mit Zöllen schützen zu können: Stahlarbeiter in Granite City, Illinois Bild: Reuters

Alle Bestrebungen, einen Handelskrieg abzuwenden, haben nicht gefruchtet. Trump verwirklicht sein Wahlkampfversprechen. Die Leute im Rostgürtel werden dafür belohnt, dass sie ihm ins Weiße Haus verholfen haben.

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          In einer Hinsicht ist auf Präsident Trump Verlass. Er zeigt eine deutlich größere Bereitschaft, seine engsten Freunde zu verprellen als seine Vorgänger im Weißen Haus. Feinde dagegen schont er gelegentlich. Ab Mitternacht gelten Schutzzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte, welche die EU ebenso treffen wie Mexiko, Kanada und Japan. Alle Bestrebungen, einen Handelskrieg abzuwenden, haben nichts gefruchtet. Trump verwirklicht mit den Handelsbarrieren sein Wahlkampfversprechen, die alten Industrieregionen Amerikas vor Konkurrenz zu schützen. Die Leute im Rostgürtel sollen dafür belohnt werden, dass sie ihm ins Weiße Haus verholfen haben. Eine Vorschrift aus dem Kalten Krieg gibt dem amerikanischen Präsidenten weitgehend freie Hand: Wenn er nationale Sicherheitsinteressen durch den Niedergang heimischer Industrien gefährdet sieht, darf er sie durch Handelsbeschränkungen schützen.

          Jeder weiß, dass die Begründung absurd ist. Der größte Anteil der Importe kommt von Bündnispartnern, denen jetzt nichts anderes bleibt, als die Welthandelsorganisation anzurufen und ihrerseits Zölle zu verhängen. Amerika könne einen Handelskrieg leicht gewinnen, hatte Trump via Twitter leichtsinnig in die Welt hinausposaunt. Das allerdings wird sich erst noch zeigen. Eine Grundregel hat er auf jeden Fall schon einmal verletzt, nämlich jene, dass man die Anzahl der internationalen Konflikte möglichst im Rahmen der Kapazität des politischen Managements hält. Die Krisen in Israel, in Iran, in Korea oder in Syrien sind für die amerikanische Regierung nicht leichter zu bändigen, wenn sie gleichzeitig die engsten Freunde in einen Handelskrieg zieht. Trump zehrt jeglichen guten Willen auf, den seine Vorgänger in der EU und anderswo aufgebaut haben. Das kann sich rächen. Die Liste der Länder, die auf Gegenmaßnahmen sinnen, ist lang.

          Die EU hätte die Schutzzölle womöglich abwenden können, wenn sie nachgegeben hätte und ihrerseits Zölle auf amerikanische Einfuhren gesenkt hätte. Es hätte sich gelohnt, darüber zu verhandeln, aber nicht mit der Pistole auf der Brust. In dieser Hinsicht ist den europäischen Verhandlungsführern beizupflichten. Grobiane zähmt man nicht, indem man ihnen nachgibt.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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