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Handelskonflikt mit Amerika : Waffenruhe im Jahr der Ratte

Nach fast zwei Jahren voller Strafzollsalven im Streit der Supermächte gibt es nun Frieden – zumindest vorläufig. Bild: dpa

China ist kein Währungsmanipulator mehr und kauft in Amerika groß ein: Nach fast zwei Jahren voller Strafzollsalven im Streit der Supermächte gibt es nun Frieden – zumindest vorläufig.

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          Immer leerer wird es in Peking, Schanghai, Shenzhen. In Chinas Millionenstädten machen sich die Wanderarbeiter, ob sie nun auf dem Bau arbeiten oder im Büro, in diesen Tagen auf den Weg in ihre Heimatdörfer. Drei Milliarden Reisen verwandeln die Volksrepublik in den kommenden Wochen in den Ort der größten Völkerwanderung der Menschheit. Denn am 25. Januar ist der höchste chinesische Feiertag: der Beginn des Jahrs der Ratte.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Im chinesischen Tierkreis kommt die Ratte an erster Stelle. Der Nager steht für Wohlstand und Fruchtbarkeit. Menschen, die im Jahr der Ratte geboren werden, gelten als schlau, immer auf der Suche nach einer gewinnbringenden Möglichkeit. Das passt. Im Jahr der Ratte sieht es gut aus für China und seine Wirtschaft: der fast zwei Jahre währende Zollstreit mit den Vereinigten Staaten neigt sich einem Ende zu – oder vielmehr einer vorläufigen Waffenruhe.

          Am Mittwoch wollen der amerikanische Präsident Donald Trump und Chinas Chefunterhändler Liu He in Washington den „Phase 1“ genannten Vertragsschluss der beiden größten Wirtschaftsmächte der Welt besiegeln. Nachdem im Januar 2018 Amerika ankündigte, Strafzölle auf chinesische Solarzellen und Waschmaschinen zu erheben, wurden Hunderte Millionen Güter aus beiden Ländern bis heute verteuert. Nun verpflichtet sich China offensichtlich, in den kommenden zwei Jahren amerikanische Waren aus vier Industriezweigen, der Hauptteil davon aus der Verarbeitenden Industrie, im Wert von insgesamt 200 Milliarden Dollar zu kaufen. 40 Milliarden Dollar davon soll China für landwirtschaftliche Erzeugnisse ausgeben, was eine Verdoppelung dessen wäre, was das Land derzeit aus Amerika an Agrarprodukten bezieht.

          Im Gegenzug hat Amerika China am Montag von der Liste genommen, die in der Welt Staaten als Währungsmanipulatoren anprangert. Zudem führt Washington für schon Mitte Dezember angedrohte zusätzliche Strafzölle nicht ein und senkt bestehende Strafzölle in Höhe von 15 Prozent auf Waren im Wert von 120 Milliarden Dollar um die Hälfte. Ein Strafzoll in Höhe von 25 Prozent auf chinesische Güter im Wert von 250 Milliarden Dollar allerdings bleibt bestehen.

          Beide Seiten wollen Ruhe in ihre Wirtschaftsbeziehungen bekommen

          Der „Deal“ in Washington ist eine Waffenruhe, kein endgültiger Friedensschluss. Beide Seiten sind daran interessiert, wieder Ruhe in die schwer beschädigten Wirtschaftsbeziehungen zu bekommen. Berichten in amerikanischen Medien zufolge wollte Trump angeblich schon im vergangenen Jahr eine Einigung mit seinem Gegenspieler Xi Jinping. Doch Chinas Präsident soll sich geweigert haben. Nun allerdings war auch Xi offensichtlich dazu bereit, Zugeständnisse zu machen, um der chinesischen Wirtschaft mit einer weiteren Eskalation nicht noch weiter zu schaden.

          Denn diese sendet schon deutliche Schwächezeichen. Die Exporte Chinas wuchsen in Dollar gerechnet im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2018 nur minimal um 0,5 Prozent. Im Vorjahr waren sie noch um fast 10 Prozent gewachsen. Die Importe sanken 2019 im Jahresvergleich um 2,8 Prozent. Besonders hart erwischte es die Ausfuhren zu Chinas größtem Handelspartner Amerika.

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