https://www.faz.net/-gqe-9ecks

Amerika statt Russland : Grenell will Europa Flüssiggas verkaufen

  • Aktualisiert am

Der Flüssiggastanker „Arctic Voyager“ im Hafen von Rotterdam. Bild: dpa

Amerika kritisiert Europa dafür, dass es sein Gas aus Russland bezieht. Dabei haben die Amerikaner ein handfestes Eigeninteresse: Sie wollen Flüssiggas verkaufen. Nun wirbt der Botschafter.

          1 Min.

          Der amerikanische Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, wirbt für mehr Lieferungen von verflüssigtem Erdgas aus Amerika nach Europa. Es gehe darum, die amerikanischen Erdgasvorkommen „zur Förderung der Energievielfalt in der EU zu nutzen, um so ihre Energiesicherheit zu stärken“, schrieb Grenell in einem gemeinsamen Gastbeitrag mit Amerikas stellvertretendem Energieminister Dan Brouillette im „Handelsblatt“. „Die USA sind in der Lage zu liefern, und die Deutschen und Europäer würden davon profitieren.“

          Die technische Kompetenz im amerikanischen Öl- und Gassektor sorge für mehr Effizienz bei der Förderung von Erdgas und der Umwandlung in Flüssiggas. „Wir stehen voll und ganz hinter dem westlichen Wirtschaftssystem und sind bereit, den europäischen Energiebedarf zu decken und uns im Wettbewerb mit anderen, undurchsichtigeren Versorgern zu behaupten“, heißt es in dem Beitrag.

          Grenell nannte dabei Russland nicht beim Namen, spielte jedoch offensichtlich darauf an. Europa bezieht aktuell einen Großteil seines Erdgases aus Russland. Die Trump-Regierung in Amerika hatte in der Vergangenheit etwa mehrfach scharf gegen die im Bau befindliche neue Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 protestiert, die Deutschland mit russischem Gas versorgen soll. „Letztlich wird der Markt bestimmen, aus welchen Quellen Energie bezogen und wie sie genutzt wird“, schrieb Grenell weiter. Der öffentliche Sektor könne als Katalysator dienen, wie Flüssiggas entwickelt und vertrieben werden könne.

          Die Vereinigten Staaten hatten zuletzt mehrfach Druck mit dem Ziel gemacht, dass Europa amerikanisches Flüssiggas („liquified natural gas“, LNG) kaufen solle. Präsident Donald Trump und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hatten sich im Juli zur Beilegung des Handelsstreits für höhere LNG-Exporte Amerikas nach Europa ausgesprochen.

          Weitere Themen

          Schon länger auf Trumps Liste

          Richard Grenell : Schon länger auf Trumps Liste

          Der amerikanische Präsident ernennt Richard Grenell zum nationalen Geheimdienstdirektor. Der Botschafter der Vereinigten Staaten in Deutschland ist ein loyaler Unterstützer Trumps, aber nicht die erste Wahl für den Posten.

          Coronavirus bedroht die Weltwirtschaft Video-Seite öffnen

          Zwei neue Fälle in Deutschland : Coronavirus bedroht die Weltwirtschaft

          Die weltweite Ausbreitung des Coronavirus droht immer stärker die Wirtschaft zu hemmen. Unter den deutschen Exporteuren verschlechterte sich die Stimmung merklich, wie das Ifo-Institut mitteilt. Indes wurden zwei neue Fälle in Deutschland gemeldet.

          Topmeldungen

          Christoph Brühmann, Leiter der Partneragentur "Wir Zwei" in Dreieich

          Partnervermittlung : Wo sich Singles offline verlieben

          Christoph Brühmann bringt Menschen zusammen. Seine Agentur für Partnervermittlung hat sich auf ältere Kunden spezialisiert – und setzt auf Briefe anstatt Mails sowie das Karteikartensystem seiner Mutter.

          Vorwahlkampf der Demokraten : Zwischen Fidel Castro und nacktem Cowboy

          Die letzte Fernsehdebatte der Demokraten vor dem Super Tuesday verläuft chaotisch. Milliardär Michael Bloomberg ist sichtlich bemüht, einen sympathischeren Eindruck zu machen als zuletzt. Aber auch der Linke Bernie Sanders gerät in die Defensive.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.