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G-7-Gipfel in Biarritz : Jetzt wird es ungemütlich

  • -Aktualisiert am

Gleich geht’s los: Angela Merkel spricht am Sonntagmorgen mit Donald Tusk (l.) und Boris Johnson. Bild: AP

Bislang hat Donald Trump auf dem G-7-Gipfel in Biarritz alles und jeden gelobt. Doch an diesem Sonntag stehen die weltweiten Handelskonflikte auf der Agenda. Die Stimmung dürfte frostiger werden – auch bei Angela Merkel.

          Ein bisschen Normalität gibt es noch in diesen Tagen in Biarritz, an der kleinen Bucht im alten Hafen. Surfer tragen ihre Bretter ins Meer, Sonnenanbeter machen es sich am Strand gemütlich. Wer trotz der massiven Sicherheitsvorkehrungen während des G-7-Gipfels noch in dem französischen Küstenort geblieben ist, der ist hier, direkt am Rand der roten Zone, die nur die Gipfelteilnehmer betreten dürfen. Doch in den Cafés und Restaurants ist es wesentlich leerer als sonst, die Wirte stöhnen. Die Touristen, die hier sonst zur Hochsaison sind, fehlen. Biarritz ist abgeriegelt, in die Innenstadt dürfen nur die Einheimischen und die Delegationen der Gipfelteilnehmer.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Um eine andere, die globale Wirtschaftsschwäche geht es an diesem Sonntag am Tagungsort, dem Hôtel du Palais. Längst belasten die Handelsstreitigkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und China nicht nur diese beiden Länder, sondern die gesamte Weltwirtschaft. Überall gehen die Wachstumsraten nach unten und die Sorgen nach oben: Wann droht die Rezession? Das gilt besonders für die so sehr auf den Export angewiesene deutsche Wirtschaft. Deutsche Autohersteller wie BMW und Daimler exportieren in großer Zahl in Amerika produzierte Autos nach China.

          Trump trifft Merkel am Montag

          Auch Chiphersteller wie Infineon sind von dem Streit betroffen, der sich in den vergangenen Tagen noch einmal verschärft hat. Am Montag ist ein bilaterales Treffen zwischen dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geplant.

          Die anderen G-7-Partner drängen Trump, auch im Interesse seines eigenen Landes von Strafzöllen abzusehen. Auch Großbritanniens neuer Premierminister Boris Johnson, der mit Blick auf den Brexit sonst gerade die Nähe Trumps sucht, ist diesbezüglich auf einer Linie mit Deutschland, Frankreich, Italien, Kanada und Japan. Ob sich Trump davon beeindrucken lässt, ist allerdings fraglich. Zwar gab es am Samstag, dem ersten Gipfeltag, ausnahmsweise keine verbalen Eskalationen, stattdessen konnte Trump Gastgeber Emmanuel Macron, das Wetter, die Stimmung, überhaupt alles in Biarritz gar nicht genug loben. Doch klar ist auch: Trump ist längst im Wahlkampfmodus, hat seinen Anhängern versprochen, international bessere „Deals“ für sein Land auszuhandeln. Was ein Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Nach-Brexit-Großbritannien angeht, zeigte er sich am Sonntag zuversichtlich: „Wir werden bald ein Handelsabkommen abschließen können“, sagte Trump. Es werde ein „sehr großer“ Pakt sein.

          Auch Deutschland wird im Fokus stehen. Die deutschen Autoexporte nach Amerika erregen regelmäßig Trumps Zorn. Im November könnte er höhere Strafzölle in Kraft setzen. Dass die Importe aus seiner Sicht die nationale Sicherheit seines Landes bedrohen, hat Trump schon im Mai deutlich gemacht. Die eigentlich daraufhin geplanten Gespräche über ein umfassendes Handelsabkommen haben noch gar nicht begonnen – was daran liegt, dass Trump auch die Landwirtschaft einbeziehen will. Das will aber Frankreich nicht. Dass Macron kürzlich mit einer Digitalsteuer für die amerikanischen Internetkonzerne vorgeprescht ist, macht die Sache nicht einfacher. Trump drohte daraufhin mit höheren Zöllen auf französischen Wein, wie er jetzt in Biarritz auf dem Tisch steht.

          Ein weiteres Thema dürfte die Zukunft des Mercosur-Abkommens sein. Länder wie Frankreich und Irland wollen es solange blockieren, bis der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro den Amazonas besser schützt. Spanien betonte dagegen am Samstagabend die „riesigen Möglichkeiten“, die das Abkommen für beide Seiten bringe. Auch Deutschland stellt das Abkommen derzeit nicht in Frage. Merkel will den G-7-Gipfel nutzen, um gemeinsam darüber zu beraten, wie die Brände möglichst schnell gestoppt werden können. Den Gipfel als Bühne für markige Ankündigungen zu nutzen, entspricht nicht ihrem Stil.

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