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Letzte Hoffnung : Trump gegen Xi – warum das Treffen in Osaka so wichtig ist

Was kann die chinesische Wirtschaft aushalten?

China wappnet sich indes dafür, dass es so bald nichts wird mit einem dauerhaften Friedensschluss im Handelskrieg. Die Staatsführung lässt wenig Zweifel an der Deutung, dass es sich um einen Handelskrieg handelt. Das Land werde „bis zum Ende kämpfen“, wiederholt die Propaganda auf allen Kanälen. Als deutliches Kampfsignal war auch eine Reise Xis Ende Mai zu verstehen: Der Staatspräsident besuchte in der Provinz Jiangxi jenen Platz, von dem aus im Jahr 1934 die schon geschlagene Rote Armee ihren „Langen Marsch“ begann. Allenfalls die Worte Xis waren noch deutlicher: dass sich China nun ebenfalls am Beginn eines „neuen Langen Marsches“ befinde und das Land einen „Neustart“ brauche.

Chinas Finanzmarkt jedenfalls hat nicht viel Hoffnung, dass es so bald einen „Deal“ geben wird mit Trump. Seit dieser seine jüngste, bisher härteste Strafzollattacke via Twitter verkündet hatte, haben sich die Aktienkurse nur leicht erholt und sind wohl nur dank massiver Stützungskäufe des Staats nicht noch stärker gefallen. Der Preis der „Krisenwährung“ Gold hingegen ist so hoch wie seit sechs Jahren nicht mehr.

Doch kann es die chinesische Wirtschaft auf Dauer aushalten, mit ihrem größten Handelspartner Amerika zerstritten zu sein? Würde Trump sämtliche Importe aus China im Wert von rund 550 Milliarden Dollar mit einem Strafzoll von 25 Prozent belegen, würde Chinas Wirtschaftswachstum um einen Prozentpunkt sinken, lautet eine Schätzung des britischen Ökonomen George Magnus, der viele Fachleute zustimmen.

Ein dauerhafter Bann wäre schlimmer

Dass Chinas Staat, der über Devisenreserven in Höhe von gut drei Billionen Dollar verfügt und kaum in ausländischer Währung verschuldet ist, zumindest kurzfristig mit dem Bau neuer Brücken und Flughäfen das Wachstum hoch halten kann, hat dieser in der Vergangenheit oft genug bewiesen. Nachfragen bei den Exporteuren an Chinas Ostküste, die Kleidung und Autoteile nach Amerika liefern, ergeben die stets gleiche Antwort: Dann werde man eben in Zukunft stärker auf die Märkte in Europa setzen.

Schwerer als die Strafzölle würde für China wohl ein dauerhafter Bann wiegen, der chinesische Unternehmen von amerikanischer Technik abschneiden würde – so wie es im Falle des Netzwerkausrüsters und Smartphone-Herstellers Huawei schon geschehen ist. Dieser kann wohl auf seine künftigen Telefone nicht nur das Google-Betriebssystem Android nicht aufspielen, sondern erhält auch keine Halbleiter aus Amerika mehr.

Wie schnell Chinas Wirtschaft und Wissenschaft die Forderung Xis nach technologischer „Unabhängigkeit“ von Amerika erfüllen kann, ist ungewiss. Sein eigenes Betriebssystem will Huawei noch dieses Jahr vorstellen. Auch an eigenen Halbleitern arbeitet der Konzern und hat dabei schon „beachtliche Fortschritte“ erzielt, wie der Schanghaier Technologieberater Georg Stieler sagt. Zwar subventioniert Chinas Staat nach Schätzung der Investmentbank Credit Suisse die eigene Chip-Industrie mit 140 Milliarden Dollar und könnte so bei einfachen SSD-Speicherchips in ein bis zwei Jahren den Anschluss an den Weltmarkt geschafft haben. Im Falle der Spitzentechnologie hingegen werde die Forschung der etablierten internationalen Marktführer nicht stehenbleiben, sagt Stieler. Hier schätze er den Rückstand Chinas auf „15 bis 20 Jahre“.

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