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Trumps Handelsstreit : Deutschland muss zittern

Handelsknoten: Ein Arbeiter beaufsichtigt ein Containerschiff im Hamburger Hafen Bild: dpa

Es ist fahrlässig, die Gefahr höherer Autozölle zu verdrängen. Sie werden kommen – wenn Trump es so will.

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          Unangenehmes zu verdrängen, mag für den eigenen Gemütszustand eine tolle Sache sein. Bedenklich wird dieser Mechanismus, wenn reale Gefahren einfach ausgeblendet werden – so geschehen im Handelskonflikt: Seit Monaten schwebt die Auseinandersetzung wie eine dunkle Wolke über der Weltkonjunktur. Trotzdem feierten die Anleger an den Börsen zuletzt wieder Rekorde.

          Sie hatten sich blenden lassen von der blumigen Rhetorik aus dem Weißen Haus und aus Peking. Dort hatte man immer wieder beteuert, wie nah der Durchbruch doch sei.

          Nach Trumps jüngsten Twitter-Gewitter ist die Annäherung erst einmal Makulatur. Und drei Lektionen des Handelskriegs sind präsenter denn je. Die erste lautet: Vertraue niemals Donald Trump. Das einzig Berechenbare an dem amerikanischen Präsidenten ist seine Unberechenbarkeit. Wenn ihm sein Geschwätz von gestern nicht mehr in den Kram passt, kassiert er es ein, ohne mit der Wimper zu zucken.

          Deutsche Autos sieht Trump als Affront

          Trump muss man sich als einen Mann vorstellen, der sich über die brachiale Wucht freut, die seine im Internet verbreiteten Worte rund um den Globus entfalten. Ob hinter den ständigen Störfeuern und scheinbaren Widersprüchen eine überlegene Verhandlungsstrategie steckt oder einfach nur eine narzisstische Form der Selbstvergewisserung, wird man womöglich selbst am Ende von Trumps Präsidentschaft nicht mit Sicherheit sagen können.

          Die zweite Lektion: Ökonomische Argumente, zumal logisch hergeleitete, spielen in Trumps Kalkül nur eine Nebenrolle. Der Präsident sieht Chinas Aufstieg als Bedrohung für sein Land. Sein Denken folgt der Logik eines Nullsummenspiels. Was China gewinnt, geht Amerika verloren.

          Darum will er Chinas Aufstieg mit aller Macht behindern. Geradezu besessen ist und bleibt der Mann im Weißen Haus von dem Irrglauben, dass Handelsdefizite automatisch Verluste für die amerikanische Volkswirtschaft bedeuten.

          Was zur dritten Lektion führt. Mit Deutschland trägt Trump eine ganz besondere Fehde aus. Die vielen deutschen Autos in Amerika sieht Trump fast schon als persönlichen Affront an. Deutschlands Exportüberschuss wird er nicht ewig tolerieren.

          Es ist deswegen fahrlässig, die Gefahr höherer Autozölle zu verdrängen. Sie werden kommen – wenn Trump es so will. Deutschland muss deshalb zittern. Die Konjunktur mag sich gerade gefangen haben, doch eine Eskalation würde dem Aufschwung mit Sicherheit den Garaus machen.

          Johannes Pennekamp
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung.

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