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Wichtigster Handelspartner : Deutsche Unternehmen setzen auf China

Zu Gast in China: Die Kanzlerin besucht Deutschlands wichtigsten Handelspartner. Bild: dpa

Während die Kanzlerin Peking besucht, schließt die Wirtschaft viele neue Geschäfte ab. Die Proteste in Hongkong spielen dabei keine große Rolle. Der Besuch bleibt auch in Washington nicht unbemerkt.

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          Deutsche Unternehmen haben im Rahmen des Staatsbesuchs der Bundeskanzlerin eine ganze Reihe wichtiger neuer Geschäfte in China gemacht: Die Deutsche Post vereinbarte mit dem chinesischen Automobilhersteller Chery, elektrische Nutzfahrzeuge zu entwickeln, die ab dem Jahr 2021 in Serie gehen sollen und eine Stückzahl von zunächst 100.000 und später 900.000 erreichen könnten. Ziel sei es, den weltgrößten Markt zu erschließen, sagte Jörg Sommer, der Chef des Post-Tochterunternehmens Streetscooter.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Vertreter des Luftfahrtkonzerns Airbus unterzeichneten ein Abkommen, Flugzeuge des Typs A320 in der Volksrepublik zu fertigen. Der Versicherer Allianz will stärker mit der Bank of China zusammenarbeiten, der Anlagenbauer Voith gemeinsam mit dem chinesischen Eisenbahnbauer CRRC Elektrobusse herstellen und der deutsche Traditionskonzern Siemens in Fernost Gasturbinen konstruieren.

          Zwischen den Fronten des Handelskriegs

          Die Reise Angela Merkels (CDU) fällt in eine politisch hochbrisante Zeit. „Viele werden es Zufall nennen“, schrieb die von der Kommunistischen Partei herausgegebenen Zeitung „China Daily“ anlässlich der Ankunft der Regierungschefin. Doch dass Merkel zum „zwölften Mal in 14 Jahren Amtszeit“ China besuche und eine große Delegation ranghoher Manager mitbringe in einer Zeit des Handelskriegs, zeige, dass sie das Potential der „möglichen Geschäftsabschlüsse“ in dem Land erkannt habe. So groß das Lob in China erklingt, so groß ist mitunter die Kritik aus dem fernen Washington.

          „Ich kann nicht glauben, dass die deutsche Kanzlerin deutsche Vorstandschefs nach China mitnimmt während des Aufruhrs in Hongkong“, schrieb der amerikanische Senator Lindsey Graham auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, der wie sein Präsident Donald Trump der Republikanischen Partei angehört. Washington gehe es wohl vor allem darum, Deutschland im Handelskrieg der Wirtschafts-Großmächte nicht an China zu verlieren, hieß es dazu wiederum aus Wirtschaftskreisen in Peking.

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          Dort äußerte Merkel ihren Wunsch, der Streit zwischen den beiden größten Ökonomien des Planeten möge sich schnell einer Lösung nähern. Denn auch auf „andere Staaten“ wie Deutschland wirkten sich die mittlerweile verhängten neuen Zölle aus: So sind von Pekings Drohung, die Einfuhr von Autos aus Amerika zu verteuern, auch BMW und Daimler betroffen, die sportliche Geländewagen in Amerika produzieren.

          China will seine Wirtschaft weiter stärken

          Tatsächlich standen während Merkels Besuch in Peking denn auch nicht die Massenproteste in Hongkong im Vordergrund, auch wenn Merkel zu einer gewaltfreien Lösung aufrief und die Einhaltung der Menschenrechte anmahnte. In der chinesischen Hauptstadt waren es, wie von den Chinesen erhofft, die von der deutschen Wirtschaft avisierten Geschäftsabschlüsse – auch wenn der Siemens-Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser, der auch Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft ist, nach langem Schweigen doch noch „Stabilität“ für Hongkong forderte.

          Wie wichtig für China der „fast ideale Handelspartner Deutschland“ (so titelte die „China Daily“) ist, zeigten übrigens just am Freitag neue Konjunkturhilfen der chinesischen Zentralbank: Diese kürzte die Mindestanforderungen für Banken, Liquidität vorzuhalten, um einen halben und in manchen Fällen um einen ganzen Prozentpunkt auf den geringsten Wert seit dem Jahr 2007. Damit will die Führung in Peking erreichen, dass die Geldhäuser mehr Kredite an Unternehmen ausreichen, damit diese ihrerseits mehr investieren und infolgedessen neue Arbeitsplätze schaffen.

          Um der federführend vom weltgrößten sozialen Netzwerk Facebook vorangetriebenen digitalen Währung Libra etwas entgegenzusetzen, will China zudem Entsprechendes entwickeln. Eine chinesische Digitalwährung werde mit der Hilfe von chinesischen Internetbezahldiensten wie Alipay und Wechat nutzbar sein, sagte ein Vertreter der Zentralbank. Dies solle die „monetäre Unabhängigkeit“ der Volksrepublik und die eigene Währung Yuan schützen, wenn es bald „Regentage“ gebe. Seitdem deren Wert im Zuge des Handelskriegs mit Amerika auf ein Verhältnis von weniger als 1 Dollar zu 7 Yuan gefallen ist, versucht Peking noch stärker als zuvor zu verhindern, dass Kapital ins Ausland abfließt.

          Wenn Worten keine Taten folgen

          Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigte derweil ihrerseits im Rahmen ihrer China-Reise an, das Investitionsschutzabkommen zwischen der Europäischen Union und China schneller vorantreiben zu wollen. Dies könne „vielleicht“ in der zweiten Jahreshälfte 2020 abgeschlossen werden, in der die Bundesrepublik die EU-Präsidentschaft innehat. Chinesische Unternehmen seien willkommen, in Deutschland zu investieren, sagte Merkel. Dies gelte auch für deutsche Unternehmen in China, sagte seinerseits der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang.

          Tatsache ist indes, dass Deutschland und die Europäische Union in jüngster Zeit genau umgekehrt handelten und Investitionen chinesischer Unternehmen einer stärkeren Prüfung unterzogen. Nachdem der Augsburger Roboterhersteller Kuka an den chinesischen Haushaltsgeräteproduzenten Midea verkauft worden war, hatte es auch in der Bundesregierung die Sorge gegeben, Deutschland verkaufe seine Zukunftstechnologien an China und verliere gegenüber der Volksrepublik den Anschluss. Diese hatte nicht zuletzt in Deutschland mit ihrem industriepolitischen Plan „Made in China 2025“ für Ängste gesorgt, Peking wolle mit milliardenschweren Subventionen für seine Staatsunternehmen und dem reihenweisen Kauf ausländischer Spitzentechnologie die deutsche Industrie angreifen.

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