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Warnung vor Hochschulen : Handelskonflikt trifft chinesische Studenten

Bald weniger häufig? Chinesische Studenten an der University of Conneticut Bild: AP

China warnt Jugendliche und Eltern vor amerikanischen Hochschulen. Höhere Hürden für die Visumsvergabe sind der Grund. Aber auch wirtschaftlich kann es für Amerika schmerzhaft werden, denn die Universitäten sind eine wichtige Einnahmequelle.

          Im Handelskrieg gibt China den nächsten Schuss ab. Am Montag warnte das Bildungsministerium Jugendliche und ihre Eltern, dass Chinesen, die an amerikanische Hochschulen wollten, „seit einiger Zeit“ von den Vereinigten Staaten vermehrt kein Visum erhielten, sich das Genehmigungsverfahren für ein Visum hingezogen habe oder die Gültigkeitsdauer des Visums gegenüber früheren Laufzeiten verkürzt worden sei. Das Ministerium forderte die Familien auf, vor einem Studium in Amerika stärker das „Risiko“ in Betracht zu ziehen und angemessen „Vorbereitungen“ zu treffen.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Die Warnung zielt auf einen der erfolgreichsten Wirtschaftssektoren Amerikas: Mit dem Export von Bildung erzielen die Vereinigten Staaten einen riesigen Handelsbilanzüberschuss mit China. Aktuell sind rund 370.000 chinesische Studenten an amerikanischen Hochschulen eingeschrieben. Das entspricht knapp einem Drittel aller ausländischen Studenten. Sie helfen in der Finanzierung der Universitäten und subventionieren indirekt amerikanische Studenten, weil sie die höheren Studiengebühren für Ausländer bezahlen. Im Jahr 2016 haben Auslandsstudenten knapp 40 Milliarden Dollar für amerikanische Bildungsdienstleistungen bezahlt.

          Chinas Warnung hat einen realen Bezug zu Entwicklungen in den Vereinigten Staaten. Hier warnen das FBI und andere Sicherheitsbehörden ihrerseits vor Spionage chinesischer Studenten in hochsensiblen Forschungsbereichen. Die amerikanische Regierung hat tatsächlich die Geltungsdauer der Visa für chinesische Studenten in besonders sensitiven Forschungsfeldern verkürzt. Robotik, Produktionstechnik und Luft- und Raumfahrt gehören dazu. Das sind Bereiche, in denen die chinesische Regierung nach amerikanischer Darstellung gezielt Wissen abschöpft. Vor allem chinesische Doktoranden und Professoren in diesen Feldern würden von der chinesischen Regierung angeheuert, um Forschungsergebnisse zu stehlen.

          Keine Steigerungsrate

          Das chinesische Bildungsministerium sprach sich nicht generell gegen ein Studium in den Vereinigten Staaten aus. Stattdessen sagte eine Sprecherin, amerikanische Universitäten blieben offen für Kooperationen und hießen chinesische Studenten willkommen. Die Zahl chinesischer Studenten in Amerika sei stabil, sagte die Sprecherin. Sie verzeichnet allerdings nicht mehr die Steigerungsraten der vergangenen Jahre, während Einschreibungen in anderen Ländern wie Kanada, England, Australien und auch Deutschland kräftig steigen.

          Der Zeitpunkt der „Warnung“ der chinesischen Regierung ist nicht zufällig gewählt. Seitdem zwischen den Wirtschaftsmächten der Handelskonflikt offen ausgebrochen ist, suchen Regierungsbehörden in China nach möglichen Angriffspunkten, mit denen die Vereinigten Staaten unter Druck gesetzt werden können. So will das Handelsministerium als Antwort auf eine entsprechende Liste der amerikanischen Regierung nun eine eigene „schwarze Liste“ mit „unzuverlässigen“ Unternehmen und Privatpersonen veröffentlichen, die unter Druck gesetzt werden sollen, womöglich mit Strafen und Verhaftungen. Peking droht auch mit Exportbeschränkungen Seltener Erden.

          Sollte Peking seine Studenten nicht mehr nach Amerika lassen, hätte das allerdings schwerwiegende Folgen für das Land selbst. Chinesische Eliteuniversitäten wie die Peking Universität oder die naturwissenschaftlich geprägte Tsinghua-Universität haben zwar stark aufgeholt, in internationalen Hochschulrankings rangieren chinesische Universitäten im Schnitt immer noch weit hinten.

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