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Ökonomen berechnen : Der Handelskonflikt kennt nur Verlierer

Frische Waren: Ein chinesisches Containerschiff legt im Hamburger Hafen an. Bild: dpa

Wenn China und Amerika sich streiten, freut sich Europa – aber leider nur was Endprodukte wie Käse und Soja anbelangt, sagen Ökonomen. Insgesamt würden die Verluste überwiegen.

          Nicht nur Chinesen und Amerikaner, auch die übrige Welt könnte unter der neuen Eskalation im Handelskonflikt zu leiden haben. Zu den größten Verlierern unter den Drittstaaten gehören die Europäer. Das ist das Ergebnis von Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), die der F.A.Z. vorliegen. Grund sind die negativen Auswirkungen der Zollaufschläge auf die eng vernetzten globalen Lieferketten.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Weiße Haus hatte vorige Woche Aufschläge von 10 Prozent auf chinesische Einfuhren im Wert von rund 300 Milliarden Dollar angekündigt, nachdem Gespräche über ein Handelsabkommen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt ergebnislos geblieben waren; auf die übrigen Importe aus Fernost im Wert von 250 Milliarden Dollar gilt schon ein Zoll von 25 Prozent.

          China bezieht umgekehrt deutlich weniger Produkte aus Amerika, kann deshalb nur bedingt zurückschlagen und hat im Konflikt mehr zu verlieren. Das zeigen von der chinesischen Zollbehörde am Donnerstag vorgelegte Zahlen: So legten die Gesamtexporte im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat zwar um 3,3 Prozent und stärker zu, als von Fachleuten erwartet worden war. Die Ausfuhren nach Amerika sanken dagegen um 6,5 Prozent, die Importe aus Amerika sogar um 19,1 Prozent.

          Negative Auswirkungen überwiegen

          Doch auch enge Handelspartner der Vereinigten Staaten und insbesondere Unternehmen in der chemischen Industrie, der Elektroindustrie und der Fahrzeugproduktion gehören möglicherweise zu den Leidtragenden der Zolleskalation. „Es gibt kaum ein Produkt mehr, das nur in China hergestellt wird und dann exportiert wird“, sagt IfW-Ökonom Holger Görg. Mikroprozessoren etwa würden von Asien nach Amerika verschifft, dort von Autoherstellern zu Zwischenprodukten verarbeitet, dann nach Mexiko ausgeführt und schließlich wieder in die Vereinigten Staaten zurückexportiert.

          Höhere Zölle auf chinesische Importe kämen in dieser arbeitsteiligen Weltwirtschaft demnach einem Preisaufschlag gleich. Der Ökonom taxiert die indirekten Kosten für Mexiko auf 520 Millionen Dollar, für Kanada auf 650 Millionen Dollar und für die EU auf rund 1,05 Milliarden Dollar.

          Der Befund widerspricht indes früheren Berechnungen des Kieler Instituts. So waren die Ökonomen an der Förde noch im Frühjahr zu dem Schluss gekommen, dass die Europäer lachende Dritte des Handelskonflikts sein könnten. Die Begründung: Wenn Chinesen und Amerikaner ihre Importe wechselseitig mit Zöllen belasteten, würden Produkte wie Käse und Schweinefleisch verstärkt in Europa gekauft. Auch würde amerikanisches Soja günstiger. Die negativen Auswirkungen auf Vorprodukte dürften die positiven Auswirkungen auf Endprodukte aber überwiegen, meint nun Ökonom Görg.

          Am Münchener Ifo-Institut teilt man diese Auffassung nur bedingt. Pekings Währungsabwertung zum Beispiel mache Importe aus China für die hiesige Wirtschaft günstiger, sei in den Modellen aber nicht enthalten, sagt Ifo-Forscher Martin Braml. Die Europäer profitierten also – zumindest so lange, wie der Handelskonflikt die Weltwirtschaft nicht nachhaltig schädigt.

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