https://www.faz.net/-gqe-9aya5

G-7-Treffen : Bringen Trumps Konflikte den Rest der Welt näher zusammen?

Ist die innige Freundschaft schon vorbei? So gut wie noch bei ihrem Treffen im April verstehen sich Macron und Trump offenbar nicht mehr. Bild: AFP

Zölle auf Stahl und Aluminium, Streit um Autos – zwischen Amerika und seinen besten Freunden gibt es Krach. Warum eigentlich? Im Grunde hat sich nur eine Sache geändert.

          4 Min.

          Wo Larry Kudlow recht hat, da hat er recht. „Multilaterale internationale Organisationen werden nicht die amerikanische Politik bestimmen“, sagte der oberste Wirtschaftsberater des amerikanischen Präsidenten Donald Trump gerade während einer Pressekonferenz in Washington – und antwortete damit auf die Frage, ob die Vereinigten Staaten denn Urteile der Welthandelsorganisation (WTO) akzeptieren würden. Kudlows Kommentar sorgte für Schlagzeilen, dabei ist seine in die Zukunft gerichtete Formulierung eigentlich nur die nüchterne Beschreibung einer jahrzehntelangen Tatsache. Die Vereinigten Staaten ließen und lassen sich weder von den Vereinten Nationen oder dessen Strafgerichtshof vorschreiben, welche Kriege sie führen wollen, noch vom Internationalen Währungsfonds, welche Steuern sie erheben sollen – und eben auch nicht von der WTO, welche Zölle sie verlangen wollen.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Das mag mancher bedauern, schlimm finden oder damit hadern, doch der Grund dafür ist ganz einfach: Die Vereinigten Staaten sind die führende Wirtschafts- und Militärmacht der Welt und zwar nicht erst seit heute, sondern mit Blick auf die westlichen Industrieländer schon vollumfänglich spätestens seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

          Industrieländer sind damit überwiegend gut gefahren

          Der Internationale Währungsfonds und die Weltbank wurden nicht zufällig während einer Konferenz in der amerikanischen Stadt Bretton Woods im Jahr 1944 aus der Taufe gehoben, der Dollar nicht aus einer fröhlichen Laune heraus zur Ankerwährung des globalen Finanzsystems und die amerikanische Zentralbank zu dessen wichtigstem Wächter. Was der multilaterale Internationale Währungsfonds für richtig erachtet und anderen Ländern empfahl, war (und ist es noch immer) ziemlich deckungsgleich mit den Ideen, die sich die Fachleute seines größten und stimmgewichtigsten Anteilseigners im Weißen Haus, im amerikanischen Finanzministerium und in der Notenbank ausdenken.

          Die westlichen Industrieländer, gerade auch Deutschland, sind damit bislang überwiegend gut gefahren. Reibereien gab es immer wieder, Kritik daran, angeblich zu sehr auf Exportüberschüsse und zu wenig auf inländische Nachfrage zu setzen, mussten und müssen sich nicht erst die deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble und nun Olaf Scholz von ihren Washingtoner Widerparts anhören. Sondern beispielsweise auch schon der verstorbene ehemalige Kassenwart Gerhard Stoltenberg in den achtziger Jahren von seinem amerikanischen Kollegen James Baker.

          Gute Dienste hat dieses System bekanntlich gerade auch den Vereinigten Staaten erwiesen. Das Land hat seinen Wohlstand erheblich gemehrt über die Jahrzehnte. Die Amerikaner haben sich von der Finanzkrise erholt (schneller als andere) und alleine in den vergangenen zehn Jahren wuchs die amerikanische Jahreswirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt) um die Größenordnung Deutschlands; die Arbeitslosigkeit ist deutlich gesunken, die Inflation niedrig, viele Unternehmen melden Milliardengewinne.

          Dass es nicht jedem einzelnen Amerikaner gut geht, auch das stimmt. Dass es eine womöglich zu große Kluft gibt mittlerweile zwischen gutsituierten Amerikanern in prosperierenden Großstädten und stagnierenden Möglichkeiten in vielen ländlichen Regionen, gestehen Fachleute über Parteigrenzen hinweg zu – daran kann dieses reiche Land etwas ändern, zumindest fehlt es ihm nicht an den Mitteln.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Das Verlegeschiff „Audacia“ des Offshore-Dienstleisters Allseas im Jahr 2019, als es in der Ostsee vor der Insel Rügen Rohre für die Gaspipeline Nord Stream 2 verlegt hat.

          EU-Parlament fordert Abbruch : Weder Sanktionen noch Gift

          Ist es ein Zeichen von Souveränität, dass Deutschland an Nord Stream 2 festhält? Der Kreml könnte das als Beleg für alternativlose Abhängigkeit ansehen.

          Wer ist Amanda Gorman? : Mit Lyrik in die Welt getreten

          Eine Klasse für sich: Warum der Auftritt der amerikanischen Dichterin Amanda Gorman bei der Amtseinführung des neuen amerikanischen Präsidenten in Washington die Welt bewegt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.