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Berliner Manager in New York : „Ich lese keine Trump-Tweets“

Andreas Fibig, deutscher Unternehmenschef in New York Bild: Rainer Wohlfahrt

Der gebürtige Berliner Andreas Fibig führt den New Yorker Aroma- und Duftstoffkonzern IFF. Er spricht über das Verhältnis zwischen Trump und der Wirtschaft, die Gefahr der gesellschaftlichen Spaltung in Amerika und die Fernsehdebatten.

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          Herr Fibig, wie haben Sie als deutscher Manager in Amerika die beiden Fernsehdebatten zwischen Donald Trump und Joe Biden erlebt?

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die zweite war besser als die erste, aber die Messlatte war ja niedrig. Trump war bei der ersten Debatte eine Katastrophe, aber ich fand es auch von Biden nicht in Ordnung, den amtierenden Präsidenten einen „Clown“ zu nennen, auch wenn ich ihn in gewisser Weise verstehen konnte. Die zweite Debatte war nicht nur von der Form besser, sondern auch vom Inhalt, aber unter dem Strich fand ich sie auch enttäuschend. Ich hätte mir bei wichtigen Themen mehr Substanz gewünscht. Zum Beispiel wie man die Wirtschaft wieder nach vorne bringt oder wie man die zweite Corona-Welle eindämmt. Mich stört es auch, wenn es so persönlich wird, also zum Beispiel Trumps Anschuldigungen zu Bidens Sohn. Die sollen über ihre Programme reden, aber das war eher dünn.

          Hat die Debatte nach Ihrer Einschätzung noch Einfluss auf den Wahlausgang?

          Ich denke nicht viel. Es haben ja auch schon um die 50 Millionen Amerikaner gewählt. Und die Positionen waren nach wie vor die gleichen. Trump ist Trump. Biden ist kein starker Kandidat, hat es aber geschafft, ohne Aussetzer durchzukommen.

          Was glauben Sie heute, wie die Wahl ausgeht?

          Da gebe ich lieber keine Prognose ab, wie viele andere bin ich ein gebranntes Kind. Ich denke, alles ist möglich, und wer weiß, was noch in den nächsten Tagen passiert.

          Wie fällt ihre Bilanz von Trumps Amtszeit aus wirtschaftlicher Sicht aus?

          Es gibt Gutes und Schlechtes. Negativ ist auf jeden Fall, dass Amerika den Konflikt mit Europa gesucht hat. Also zum Beispiel mit Importzöllen oder Restriktionen für Visa, die es schwieriger gemacht haben, Fachkräfte nach Amerika zu holen.

          Und was sehen Sie positiv?

          An erster Stelle die Steuerreform. Ich würde mir auch in Deutschland eine Unternehmenssteuerreform wünschen. Auch die Deregulierung unter Trump finde ich gut, wobei ich dabei ausdrücklich Umweltfragen ausklammere. Ich denke, man musste auch einmal anfangen, das Thema China zu adressieren, auch wenn ich nicht unbedingt damit einverstanden bin, wie Trump das gemacht hat.

          Was hätte er im Umgang mit China anders machen sollen?

          Wie immer bei ihm: Weniger erratisch, mehr mit klarer Strategie. Weniger in der Öffentlichkeit, mehr mit Verhandlungen. Wir sollten versuchen, ein Gleichgewicht zu finden, wie wir auf der einen Seite geistiges Eigentum in China verteidigen und das Land für ausländische Unternehmen öffnen können, dabei aber den hiesigen Markt nicht komplett mit Zöllen und Einfuhrrestriktionen zu versperren.

          Stichwort China: Wie fanden Sie die Geschehnisse um die Smartphone-App Tiktok? Also erst das Androhen des Verbots und dann das Einfädeln einer Allianz mit amerikanischen Unternehmen?

          Auch das war mir zu erratisch, und die Regierung hat zu viel Einfluss in den Übernahmeverhandlungen ausgeübt. Ich habe auch generell ein Problem damit, etwas einfach zu verbieten, und ich finde, man sollte die Dinge nicht zu sehr in der Öffentlichkeit austragen. Ich glaube, die Chinesen würden besser reagieren, wenn man das ohne öffentlichen Druck macht.

          Wenn Sie sagen, es gibt aus wirtschaftlicher Sicht Positives und Negatives: Wie ist Ihre Bilanz unter dem Strich?

          Bis zur Corona-Krise war sie positiv. Amerika hatte solides Wirtschaftswachstum, niedrige Arbeitslosenzahlen und eine gute Entwicklung am Aktienmarkt. Mit der Pandemie hat sich freilich alles relativiert. Es ist ja Allgemeingut, dass das hier nicht sonderlich gut gehandhabt worden ist.

          Und die gute Entwicklung bis zur Corona-Krise würden Sie auch der Trump-Regierung zurechnen und nicht nur als Weiterführung des Erbes von Barack Obama verstehen?

          Soweit man sagen kann, dass Politik die Wirtschaft beeinflusst, hat Trump schon einige gute Dinge gemacht. Gerade die Steuerreform. Es hat vielen Unternehmen in Amerika sehr geholfen, dass damit der Höchststeuersatz von 35 auf 21 Prozent gesunken ist.

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