https://www.faz.net/-gqe-a4r8r

Berliner Manager in New York : „Ich lese keine Trump-Tweets“

Glauben Sie, Donald Trump hat wirtschaftlichen Sachverstand?

Die Frage will ich lieber nicht beantworten.

Anders gefragt: Meinen Sie, die Dinge, die aus Sicht der Wirtschaft unter Trump gut verlaufen sind, sind ihm zu verdanken oder seinem Umfeld?

Ich denke, ein Teil davon stand auf der Agenda der Republikaner, und das war ihm sympathisch, und er hat es weiter vorangetrieben. Das ist ja relativ eindeutig und nicht so superkomplex.

Das Zusammenspiel zwischen Trump und der Wirtschaft ist ja manchmal etwas kurios. Mal sucht er die Nähe zu Vorstandschefs, dann attackiert er sie wieder auf Twitter…

Mir ist das zu sehr von Emotionen getrieben. Aber allgemein finde ich die Wirtschaftsorientierung der Trump-Regierung schon positiv, und ich würde mir das auch anderswo auf der Welt wünschen.

Angenommen, Sie würden nicht IFF führen, sondern den Autoreifenhersteller Goodyear oder eines der anderen Unternehmen, zu deren Boykott Trump über Twitter aufgerufen hat. Wie hätten Sie auf so etwas reagiert?

Ich denke, grundsätzlich tut man gut daran, seinen Kurs weiterzufahren und auch Position zu beziehen. Als zum Beispiel Trump den Rückzug aus dem Pariser Klimaabkommen angekündigt hat, haben wir bei IFF uns genauso wie einige andere Unternehmen öffentlich davon abgegrenzt.

Aber in dem Punkt waren sich ja tatsächlich viele Unternehmen einig. Was würden Sie tun, wenn Sie direkt ins Visier genommen werden?

Es kommt auf den Fall an. Wenn es ein Thema ist, das ein unverrückbarer Eckpfeiler des Unternehmens ist – wie eben zum Beispiel Nachhaltigkeit – muss man sich verteidigen. Wobei es ja auch so ist, dass diese Tweets mit einer ziemlich hohen Frequenz kommen, es wird also gewissermaßen ständig eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Deshalb muss man vielleicht gar nicht immer so stark öffentlich Stellung beziehen, wenn das Thema morgen sowieso vergessen ist. Aber man muss gegenüber seiner Belegschaft und anderen Interessengruppen wie Kunden klarmachen, wo man steht. Nebenbei bemerkt: Ich lese keine Trump-Tweets. Das Leben ist so komplex, dass ein Tweet das in der Regel schlecht abbildet.

Speziell von der amerikanischen Technologiebranche, die ja traditionell eher als linksliberal gilt, hat man den Eindruck gewonnen, dass sie sich im Laufe der Zeit mit Trump arrangiert hat…

Das geht nicht anders. Wenn aus dem Weißen Haus so stark Politik gemacht wird und man Verantwortung für ein Unternehmen hat, dann muss man sich arrangieren. So wie wir uns auch alle mit einer chinesischen Regierung arrangieren, wenn wir dort Geschäfte machen. Das ist nun einmal so.

Was würde ein Wahlsieg von Joe Biden für die Wirtschaft bedeuten?

Biden sendet jedenfalls keine sehr positiven Signale, zum Beispiel wenn er ankündigt, die Steuern wieder zu erhöhen und damit Trumps Reform ein Stück weit zurückzudrehen. Das heißt aber nicht, dass mir die Aussicht auf einen Präsidenten Biden Sorgen macht. Unternehmen können flexibel reagieren, je nachdem wer an der Macht ist. In der Vergangenheit haben sich auch die Aktienmärkte ziemlich ähnlich entwickelt, egal ob jetzt ein Demokrat oder ein Republikaner im Weißen Haus war. Ganz abgesehen davon hängt ja auch viel davon ab, wie die Mehrheiten im Kongress nach der Wahl aussehen.

Ist die Wirtschaft allgemein eher für Trump oder für Biden?

Ich denke, die Wirtschaft könnte sich schon gut eine zweite Trump-Amtszeit vorstellen, weil das Kontinuität bei Themen wie Steuern und Deregulierung verspricht. Aber jeder von uns muss das auch mit anderen Dingen abwägen, etwa der Spaltung im Land. Die amerikanische Gesellschaft ist wegen Trump noch gespaltener als sie das vorher schon war. Und das hat irgendwann auch Auswirkungen auf die Wirtschaft. Amerika ist nach wie vor wirtschaftlich das stärkste Land der Welt, und keiner kann ein Interesse haben, dass dieses Land sich weiter auseinanderentwickelt.

Weitere Themen

Topmeldungen

In einer hausärztlichen Gemeinschaftspraxis in Neuburg erhalten zwei Senioren die erste Corona-Schutzimpfung.

Entwurf aus Spahns Ministerium : Auch Hausärzte sollen impfen

Spätestens von Ende April an sollen auch Hausärzte eine Covid-19-Impfung verabreichen dürfen. Das sieht ein Papier des Gesundheitsministeriums vor, das der F.A.Z. vorliegt. Abweichungen von der Impfreihenfolge sollen aber weiter nicht erlaubt sein.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.