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Autoindustrie geschlossen : Niemand will die Autozölle

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Senator Doug Jones (M), flankiert von John Bozzella (l), Chef der Händlervereinigung Global Automakers, bei einer Proteskundgebung vor dem Kapitol. Bild: dpa

Der amerikanische Präsident würde gerne europäische Autos mit hohen Importzöllen belegen. Bei einer Anhörung in Washington wurde klar: Er steht damit mehr oder weniger alleine da.

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          Vertreter der Autobranche aus dem In- und Ausland haben die amerikanische Regierung eindringlich vor den angedrohten Importzöllen gewarnt. Zusätzliche Zölle würden einen tiefen Einschnitt in die Verflechtung zwischen den Unternehmen bedeuten und Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten gefährden, sagte der Präsident des deutschen Branchenverbands, Bernhard Mattes, bei einer Anhörung des amerikanischen Handelsministeriums am Donnerstag in Washington. Er wies den Verdacht der amerikanischen Regierung zurück, die deutsche Autoindustrie könnte die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten gefährden. Die Wahrung der nationalen Verteidigungsinteressen liefert die legale Basis für das Zollverfahren.

          Mattes zufolge sehen sich die deutschen Autoproduzenten mit ihren Werken in den Vereinigten Staaten als integraler Bestandteil der amerikanischen Wirtschaft. Seit der Finanzkrise habe die amerikanische Autoindustrie eine Dekade zunehmender Umsätze und wachsender Beschäftigung gerade in abgehängten Regionen der Vereinigten Staaten erlebt. Das sei nicht zuletzt deutschen Unternehmen zu verdanken. Die großen Hersteller haben Werke in Alabama, South Carolina und Tennessee. Doch die Unternehmen hängen laut Mattes von offenen Märkten und ihren sorgsam entwickelten globalen Wertschöpfungsketten ab. Zusätzliche Zölle würden nicht nur tief in das Zuliefernetzwerk hineinschneiden, sie würden auch die Fähigkeit der Hersteller beeinträchtigen, ihre Autos von Amerika ins Ausland zu exportieren. Zölle würden Investitionen und Beschäftigung in den Werken bedrohen, warnte Mattes. Vergeltungszölle anderer Länder würden die Lage noch verschlimmern.

          Für den großen deutschen Autozulieferer Webasto sprach deren Vorstandsvorsitzender Holger Engelmann. Seine Firma unterhält sechs Standorte in den Vereinigten Staaten für die Produktion und den Vertrieb von Autodächern und Heizsystemen. Achtzig Prozent der Zulieferungen besorge sich das Unternehmen von rund 200 lokalen Anbietern. Für den Rest sei die Firma allerdings auf Importe angewiesen, die durch die geplanten Zölle für Webasto Mehrbelastungen in Höhe von bis zu 18 Millionen Dollar ausmachen würden. Diese Mehrbelastung würde die amerikanischen Werke unter Druck bringen und gravierende Restrukturierungs-Maßnahmen wahrscheinlich machen, warnte Engelmann.

          Parteiübergreifender Widerstand

          Die Vertreter der amerikanischen Autoindustrie und der Händler verurteilten die Zollpläne der Regierung ebenfalls fast unisono. Sie warnten, dass sich die Autos verteuern würden mit der Folge schrumpfender Nachfrage. Das würde auf die Gewinne drücken mit Folgen für Beschäftigung und Investitionen. Allein einzelne Gewerkschaftsvertreter konnten Importzöllen etwas abgewinnen.

          „Höhere Autozölle werden neben der Wirtschaft auch amerikanische Familien und Arbeitern schaden, sagte die Präsidentin des amerikanischen Verbands Alliance of Automobile Manufacturers, zu dem heimische Hersteller wie General Motors und ausländische Rivalen wie Volkswagen und Toyota gehören, Jennifer Thomas. Der Preis eines importierten Autos würde um fast 6000 Dollar und der eines in den Vereinigten Staaten gebauten Autos um 2000 Dollar steigen.

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