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Anti-China-Allianz : Amerika und Indien verbünden sich

Der amerikanische Außenminister Mike Pompeo schüttelt Hände mit dem indischen Premierminister Narendra Modi im Juni 2019. Bild: dpa

Um China unter Druck zu setzen, verstärkt Amerika die Zusammenarbeit mit Asiens drittgrößter Volkswirtschaft. Die Rede ist von einer neuen „Möglichkeit, die Welt zu formen“.

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          Die wachsende Abwehrhaltung China gegenüber lässt Amerikaner und Inder den Schulterschluss üben. Washington und Neu-Delhi, jeweils unter Druck durch die Corona- und die Wirtschaftskrise, müssen Erfolge vorweisen. Beide erhoffen sich von einer Annäherung steigende Aufträge etwa für Amerikas Rüstungsindustrie und Investitionen für Indien. Dabei erhöht der amerikanische Außenminister den Druck auf China, auch indem er Indiens große Chancen umreißt:

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Es solle die „Wertschöpfungsketten von China abwerben und seine Abhängigkeit von chinesischen Waren in Feldern wie etwa der Telekommunikation oder der medizinischen Versorgung verringern“, sagte Mike Pompeo per Video auf einem amerikanisch-indischen Wirtschaftsgipfel. „Indien kann dies, weil es das Vertrauen vieler Nationen rund um die Erde gewonnen hat, einschließlich desjenigen Amerikas.“ Indiens Außenminister Subrahmanyam Jaishankar sagte, dass Amerika und Indien „heute in der Zusammenarbeit die Möglichkeit haben, die Welt zu formen“.

          Pompeo verknüpft Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen

          Ministerpräsident Narendra Modi warb um Investitionen in Gesundheit, Infrastruktur, Verteidigung, Energie, Agrarwirtschaft und den Versicherungssektor Indiens. Noch im vergangenen Jahr hatten Manager weltweit den Fall Vodafone beobachtet, das sich mit hohen staatlichen Forderungen aus dem indischen Markt gedrängt sah. „Indien bietet eine perfekte Kombination aus Offenheit und Chance“, sagte Modi nun und warb mit dem rasch wachsenden digitalen Markt der fast 1,4 Milliarden Inder.

          Vergangene Woche hatte Modi nach jahrelangen Verzögerungen der Europäischen Union einmal mehr Hoffnung gemacht, endlich zu einem Freihandelsvertrag bereit zu sein. Anders als die Europäer schmiedet Pompeo an einer Anti-China-Allianz: „Unsere Infrastrukturprojekte, unsere Lieferketten, unsere Eigenständigkeit und die Gesundheit und Sicherheit unserer Menschen sind gefährdet, wenn wir jetzt einen Fehler machen.“ Er verknüpfte Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen beider Länder: „Die Vereinigten Staaten haben Indiens Sicherheit niemals stärker unterstützt als heute. Indien ist, auf der anderen Seite, ein wichtiger Partner und ein zentraler Pfeiler in Präsident Trumps Außenpolitik.“

          Die Inder sind aufgebracht über Auseinandersetzungen an ihren Grenzen nicht nur mit Pakistan, sondern auch mit China: Im Himalaja forderten sie gerade die Leben von 20 Soldaten. „Die jüngsten Zusammenstöße, die die Volksbefreiungsarmee angestoßen hat, sind nur das letzte Beispiel des inakzeptablen Verhaltens der Kommunistischen Partei Chinas“, sagte Pompeo. Mit solchen Bemerkungen trifft er ins Herz der Inder, die seit Jahren darunter leiden, dass sich der Abstand der wirtschaftlichen Entwicklung zum übermächtigen Nachbarn nicht verringert. In diesem Haushaltsjahr dürfte Asiens drittgrößte Volkswirtschaft um 4,5 Prozent schrumpfen, schätzt der Internationale Währungsfonds – während China weiter wächst.

          Unter Druck auch der eigenen Bevölkerung verbot Neu-Delhi gerade 59 Apps mit chinesischem Hintergrund, unter anderem den Videodienst Tiktok. Fast zeitgleich investierten amerikanische Konzerne, unter ihnen Facebook oder Google, mehr als 40 Milliarden Dollar in den Wachstumsmarkt. Taranjit Singh Sandhu, der indische Botschafter in Washington, betonte, Indien sei offen für Fabriken amerikanischer Unternehmen. Die indische Regierung muss immer mehr Arbeitsplätze schaffen. Die Amerikaner ihrerseits drängen Neu-Delhi, den chinesischen Telekommunikationsausrüster Huawei zu verbannen.

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