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Abkehr von Trumps Zöllen : Amerikanische Autolobby will Handelspakt mit Europa

  • Aktualisiert am

Ein Demonstrant gegen die Zollpolitik Trumps vor dem Kapitol in Washington (Aufnahme aus dem Juli 2018). Bild: dpa

Die deutschen Autohersteller fürchten amerikanische Importzölle auf Autos. Die amerikanische Autoindustrie hat davor aber genauso viel Angst. Deshalb werden die Lobbyisten jetzt bei Trump aktiv.

          Vertreter der amerikanischen Autoindustrie haben sich am Freitag bei Präsident Trumps Handelsbeauftragten Robert Lighthizer vehement für ein Handelsabkommen mit der EU starkgemacht. Sie forderten eine Umkehr in der Zollpolitik, die Trump verfolgt. „Ein Handelsabkommen wäre eine einzigartige Möglichkeit, Schranken zu beseitigen“, sagte Jennifer Thomas von der Alliance of Automobile Manufacturers, die zwölf große Hersteller vertritt, darunter auch die amerikanischen Ableger deutscher Marken wie BMW, Volkswagen und Daimler.

          Die Branchenvertreter erklärten, die bereits verhängten Strafzölle auf Stahl und Aluminium schadeten der amerikanischen Autoindustrie. Die Einkaufspreise für Stahl in den Vereinigten Staaten seien teils um 30 Prozent gestiegen. Weitere Zölle auf Autos müssten unbedingt vermieden werden. Eine Begründung für eine Gefährdung der Nationalen Sicherheit durch den transatlantischen Autohandel sei nicht zu erkennen. Die Lobbyisten machten auch die Wichtigkeit einer Harmonisierung bei der technischen Regulierung der Autos deutlich. Die Anpassung verschlinge Millionen Dollar jährlich, sagte Charles Uthus vom American Automotive Policy Council.

          „Wegen unseres Handelskriegs mit ihnen“

          Trump hatte die EU-Staaten sowie viele weitere Länder weltweit mit Einfuhrzöllen auf Stahl- und Aluminiumprodukte belegt. Jetzt drohen auch Zölle auf Autoeinfuhren nach Amerika in Höhe von 25 Prozent. Unter anderem die deutschen Autobauer versuchen sich dagegen zu wehren und haben Trump im Gegenzug Investitionen in den Vereinigten Staaten angeboten.

          An einer anderen Front in dem von Trump begonnenen weltweiten Handelskonflikt haben Amerika und China einige Schritte aufeinander zu gemacht. China verkündete am Freitag, seine Zusatzzölle auf amerikanische Autoteile für drei Monate auszusetzen. Daraufhin erklärte Lightizer, die Vereinigten Staaten würden ihrerseits eine angekündigte Zollerhöhung im Wert von rund 200 Milliarden Dollar um zwei Monate nach hinten schieben. Der Handelskonflikt hatte zuvor deutliche Spuren in Chinas Wachstumsraten gezeigt. Trump jubelte daraufhin auf Twitter darüber, dass die chinesische Wirtschaft „wegen unseres Handelskriegs mit ihnen (...) viel langsamer als erwartet“ wachse. „China will einen großen und sehr umfassenden Deal abschließen. Es könnte passieren, und zwar ziemlich bald!“, schrieb er.

          Ein Handelsabkommen zwischen Europa und Amerika für Industrieprodukte ist im Sinne der EU. Die europäische Handelsbeauftragte Cecilia Malmström möchte die Verhandlungen dazu vorantreiben. Andere amerikanische Branchen, etwa aus der Landwirtschaft, würden jedoch auch gerne Teil eines solchen Abkommens werden. Dass die EU die Gespräche für Agrarprodukte öffnet, ist nach den Erfahrungen bei den inzwischen auf Eis gelegten TTIP-Verhandlungen aber zunächst unwahrscheinlich.

          Nach Angaben der Alliance of Automotive Manufacturers haben Autobauer, darunter auch viele ausländische aus Europa und Japan, im vergangenen Jahr 82 Milliarden Dollar in Amerika investiert. 60 Prozent der produzierten Autos gingen in den Export, unter anderem nach China.

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