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Streit der Supermächte : Amerika lässt den größten Mobilfunkanbieter der Welt nicht rein

China Mobile ist der größte Telekommunikationsanbieter der Welt. Bild: Reuters

Das Weiße Haus geht gegen einen weiteren Tech-Konzern aus China vor. Die Begründung ist brisant.

          Im Handelskrieg der Supermächte blickt alles auf den kommenden Freitag: Dann, am 6. Juli, treten die amerikanischen Strafzölle auf chinesische Importwaren in Höhe von 34 Milliarden Dollar in Kraft, sollten beide Länder nicht doch noch in letzter Minute eine Einigung finden. Die chinesischen Parteizeitungen verhehlen die Sorgen über die endgültige Eskalation des Streits der beiden Handelspartner nicht. Eine Analyse, wie sehr die amerikanischen Strafzölle, von denen bald weitere Waren im Wert von weit über 200 Milliarden Dollar betroffen sein könnten und denen wohl chinesische Vergeltungszölle von ebenfalls beträchtlichem Ausmaß folgen würden, „allen Seiten“ schadeten, jagt die nächste.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          An einer anderen Front hat die amerikanische Regierung allerdings den „Krieg“ längst eröffnet gegen den neuen Wettbewerber aus Fernost. Es geht um die Investitionen chinesischer Unternehmen in Amerika. Nachdem immer noch nicht klar ist, welchen Beschränkungen am Ende der Netzwerkausrüster ZTE in den Vereinigten Staaten entgegen sieht, nimmt sich Donald Trump nun einen neuen Technologiegiganten aus China vor, den Mobilfunkkonzern China Mobile.

          Verwundbarkeit ist geringer als bei ZTE

          Dessen Antrag auf Markteintritt, gestellt bereits vor sieben Jahren, solle abschlägig beschieden werden, empfahl die Federal Communications Commission (FCC) am Montag in einer Stellungnahme. Der Grund: das Unternehmen, das Eigentum des chinesischen Staates ist und als eines von 100 Konzernen direkt vom Staatsrat in Peking kontrolliert wird, stelle eine „Bedrohung der nationalen Sicherheit“ Amerikas da. Die chinesische Regierung könnte die Technik, die das Unternehmen im Ausland installiere, zur Spionage und zum Sammeln von Geheimdienstinformationen nutzen, geht aus der Stellungnahme hervor.

          China Mobile ist der weltweit größte Mobilfunkanbieter mit ungefähr 900 Millionen Kunden. Die Aktie des Unternehmens fiel am Dienstag prompt im Preis und lag am frühen Nachmittag chinesischer Zeit an der Börse in Hongkong immer noch rund 2 Prozent im Minus. 

          Der Fall ist zwar anders gelagert als beim Netzwerkausrüster ZTE; dieser erzielte einen Gutteil seines Umsatzes im Ausland, während die Erlöse von China Mobile fast ausschließlich in China selbst generiert werden. Damit ist die Verwundbarkeit des Unternehmens hinsichtlich der Attacken aus Amerika sehr viel geringer als bei ZTE. Dieses ist zudem so stark abhängig von amerikanischer Technologie in Form von superschnellen Computerchips, dass der Konzern vorübergehend den Betrieb einstellte, nachdem ihm vom amerikanischen Wirtschaftsministerium untersagt worden war, weiterhin Halbleiter aus den Vereinigten Staaten zu beziehen.

          Beobachter glauben jedoch, dass das Vorgehen gegen China Mobile nur der Auftakt ist zu einer ganzen Reihen von Attacken gegen chinesische Unternehmen, die von Washington kurzerhand zur „Gefahr für die nationale Sicherheit“ erklärt werden. Denn darunter versteht die Regierung von Donald Trump ausdrücklich auch die Gefahr, dass Chinas Staatskonzerne den Vereinigten Staaten den Rang als Wirtschaftsmacht Nummer eins auf der Welt den Rang ablaufen könnten.

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