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Schleswig-Holstein : Der große Gülle-Notstand

  • -Aktualisiert am

Ein Landwirt verteilt Gülle auf einem Acker. Bild: dpa

Krise im Norden Deutschlands: Weil das Wetter so schlecht ist, können die Bauern Gülle und Gärreste nicht auf den Feldern verteilen. Umweltminister Habeck reagiert mit einem Notfallplan – denn eine andere Möglichkeit funktioniert auch nicht.

          Der Gülle-Notstand ist in Schleswig-Holstein ausgebrochen: Weil die Tanks auf den Bauernhöfen drohen überzulaufen, hat Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) jetzt per Notfallgenehmigung reagiert. Da er den Schweinen und Rindern das Verdauen nicht verbieten kann, will er den Bau von Gruben genehmigen, in denen der im Übermaß anfallende Naturdünger zwischengelagert werden kann. „Um Abhilfe zu schaffen, dürfen Bauern auf Antrag per Notfallgenehmigung provisorische Güllelager errichten“, sagt Habeck.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Damit sich die Schweinerei in Grenzen hält, seien strenge Auflagen einzuhalten. Grundwasser und Oberflächengewässer seien zu schützen, die Gruben müssten mit Spezialfolien abgedichtet werden. „Das hat oberste Priorität.“ Außerdem müssen die provisorischen Erdlager wieder zurückgebaut werden, sagt Habeck. Er begründet die Aktion mit einer „besondere Ausnahmesituation“, die die Landwirte belaste und zu „akuter Gefahr für die Umwelt werden kann, wenn Gülle-Behälter überlaufen“.

          Jauchewagen blieben stecken

          Dass es überhaupt so weit kommen konnte, liegt am Wetter. Der regenreiche Herbst macht das Befahren der nassen Äcker und Wiesen schon seit Wochen unmöglich. Deshalb konnten Gülle und Gärreste aus den Biogasanlagen nicht rechtzeitig auf die Äcker gefahren werden.

          Jetzt, wo nichts wächst, gilt für die meisten Äcker und Wiesen eine Sperrzeit. Zwar ist auch die schon verkürzt worden, doch sei absehbar, dass auch Mitte Januar die nassen Böden noch nicht befahrbar sein würden. Auch die zweite Option, Gülle per Sondergenehmigung auf die Felder auszubringen, greift nicht, weil die Jauchewagen im Morast stecken blieben. Stattdessen steigt jetzt täglich der Pegel in den Gülletanks auf den Höfen.

          Das Problem ist nicht neu: Schon im Jahre 2013 hatte das Land den Zubau von Güllelagern mit einer Kapazität von 250.000 Kubikmetern genehmigt – und mit zwei Millionen Euro finanziert. Etwa 100 Betriebe hätten davon profitiert. Der Grünen-Politiker Habeck weiß auch, dass immer neue Gülletanks das zum Himmel stinkende Problem nicht lösen werden.

          „Wir bekämpfen damit in diesem Winter aber nur die Folge und nicht die Ursache eines grundlegenderen Problems: Die intensive Tierhaltung stößt vor allem auf dem Geestrücken an Grenzen. Wir haben dort zu viel Gülle und Gärrückstände auf zu wenig Fläche.“  Die Gülle löse sich eben nicht in Luft auf, „der Nährstoffüberschuss wird immer größer“. Nötig sei eine Strategie, die den Landwirten ein „gutes Einkommen“ sichere, ohne auf immer mehr Tiere und immer mehr Leistung zu setzen.

          Wasserwirtschaft und Umweltgruppen prangern den Gülle-Notstand im Norden Deutschland indessen als Beleg einer falschen Politik an. Die Folgen einer verfehlten Landwirtschaftspolitik in Deutschland brächten nun „in Schleswig-Holstein das Fass zum Überlaufen“. Dabei gebe es die reale Gefahr, „dass sich dieser Gülle-Notstand in den nächsten Jahren wiederholt und auch andere Teile der Republik treffen könnte“, heißt es einer gemeinsamen Erklärung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft, der Gewerkschaft Verdi und sechs weiterer Umweltgruppen.

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          Sie weisen auch darauf hin, dass zusätzlich zur Gülle-Überproduktion aus der Massentierhaltung jedes Jahr mehrere Millionen Tonnen Gülle aus dem Ausland importiert würden. „Das ist Ausdruck einer verfehlten Landwirtschaftspolitik, die zu Lasten der Böden und Gewässer geht.“ Die Politik reagiere nur halbherzig darauf. Die unlängst novellierte Düngeverordnung und die kürzlich verabschiedete Stoffstrombilanzverordnung böten der industrielle Landwirtschaft derart viele Ausnahmen und Schlupflöcher, dass ein nachhaltiger Gewässerschutz nicht möglich ist. Die nächste Bundesregierung müsse „endlich eine Kehrtwende in der Landwirtschaftspolitik einleiten.“ Dazu haben sie eine Petition zur Verschärfung des Düngerechts initiiert.

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