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Flieder & Co. : Was uns im Mai so alles blüht

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Blütenregen in Lila und Weiß: Die Pracht von Wisteria sinensis ist nicht so leicht zu toppen. Bild: Picture-Alliance

Flieder gibt es längst nicht mehr nur in Lila, Weiß und Rosa. Doch das Duftgehölz ist nicht das einzige, das Gärten jetzt prächtig aussehen lässt.

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          Ein Mai ohne Flieder? Unvorstellbar. Erst die Opulenz dieses blühenden Kleinbaums macht den „Wonnemonat“ perfekt. Es ist jene Symbiose von üppigen Blüten und charakteristisch betörendem, narkotisch-süßem Duft, die Sinne und Seelen erfreut. Kein anderes Gehölz berührt uns derart, weckt Erinnerungen an Kindertage in Omas Garten, verliebtes Knutschen unterm Fliederbusch, Sträuße zum Muttertag – und geklaute Zweige aus Nachbars Gärten. Flieder, magisches botanisches Kulturgut, ist aber mehr als ein nostalgisches Relikt. Das Duftgehölz erlebt seit Jahren eine fulminante Wiedergeburt. Heute gibt es dank ständig neuer Züchtungen eine verführerische Palette in Weiß und den typischen Farben Violett, Blau, Lila, Pink, Magenta und Purpur.

          „Fliedertraum“ hat sie alle im Sortiment. Mit 600 Sorten ist das Unternehmen aus dem niedersächsischen Oldenburg Weltmarktführer in Sachen Flieder-produktion. Eigentümerin Elke Haase, Diplombiologin und Flieder-Fan, gehört seit 2015 als europäische Vertreterin zum Präsidium der „International Lilac Society“. Haase schwärmt: „Dieser Mix aus Romantik und Duft, bei Flieder weiß sogar jeder Mann, um was es geht. Die große Renaissance rühre wohl von einer Sehnsucht nach Sinnlichkeit.

          Der Gewöhnliche Flieder (Syringa vulgaris), von dem die meisten der heutigen Züchtungen (Hybriden) abstammen, kommt aus Südeuropa und Vorderasien. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts kam die kultivierte Wildart vom Balkan als diplomatisches Geschenk an den Hof der Habsburger nach Wien und eroberte später Mitteleuropa. Anfangs zog der Hochadel das duftende Gehölz, das als Sämling zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Bauerngärten und Friedhöfen landete. Dann kamen die ersten Züchtungen, und es war der Franzose Victor Lemoine, der mit seinen gefüllten Sorten den Flieder nobilitierte.

          Edelflieder der Sorte Nadezhda

          Bis heute sind vor allem seine sinnlichen Klassiker begehrt. Züchtungen wie „Emilie Lemoine“ von 1889, gefüllte Blüten in hauchzartem Lila, laut Haase eine „der besten Sorten überhaupt“, und passend dazu aus der gleichen Zeit und Züchterfamilie „Madame Lemoine“, mehrfach ausgezeichnet, mit gefüllten Blüten und eine der am stärksten duftenden weißen Sorten. In den meisten Gärten blüht Flieder in allen Violett- und Lila-Abstufungen, „dabei gibt es hinreißende blaue Sorten“, sagt Haase. Da wäre „Boule Azurée“, 1919 ebenfalls von Lemoine gezüchtet, mit einfachen dichten Blüten in Azurblau. Zum Niederknien ist „Wedgwood Blue“, deren leuchtend blaue Blüten an das legendäre Porzellan des Josiah Wedgwood erinnern.

          Aber auch neue Sorten bestechen: „Prinzessin Sturdza“ von 1995, in Erinnerung an die berühmte Gärtnerin in der Normandie, hat purpurfarbene, elegante Knospen, die sich zu violett-rosa angehauchten Einzelblüten öffnen. Haases Favoriten aber kommen aus Russland, dort gab es von 1900 an neben Frankreich viele große Züchter – bis heute. „Die neue weiße Sorte ,Druschba‘ ist ganz toll, aber auch alte Sorten wie ,Mulatka‘ mit hell purpurroten Blüten, ,Taras Bulba‘ mit pyramidalen Blüten, die von Lavendel nach Rosa changieren, oder ,Marshal Vasilevskij‘, gefüllte Blüten mit dichten Blütenständen, die von Lila nach Pink wechseln – Romantik pur!“ Kurios finden Flieder-Fans hingegen „Primrose“, die Zufallszüchtung von 1949 aus den Niederlanden ist gelb. Allerdings ein sehr dezentes Cremegelb und zudem die einzige gelbe Sorte überhaupt, von Haase „Sahnehäubchen“ genannt.

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