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Hollywood : Go Trabi Go

Rennpappe vom Feinsten: Ein Trabant 601 auf dem Treffen der Fans und Enthusiasten in Nossen bei Leipzig Bild: Getty

Was Anfang der sechziger Jahre in den Planungsstäben der Ostberliner Kommandowirtschaft erdacht und dann in Sachsen gebaut wurde, kommt nun in Hollywood so richtig in Fahrt.

          Action, Stars und coole Autos. Hollywood läuft zur Hochform auf. In der Eröffnungsszene seiner jüngsten Spionage-Komödie aus der Epoche des Kalten Krieges setzt Regisseur Guy Ritchie auf einen alten Bekannten: den Trabant. Wenn der Film „Codename Uncle“ Ende dieser Woche in die Kinos von Europa kommt, wird es ein benzingetränktes Wiedersehen mit der oft belächelten und vielfach geliebten Rennpappe aus Sachsen geben: Modell 601, spartanische Erscheinung, bescheidener Motor. Ein Geschoss seiner Zeit.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für Ritchie steht mit der 70 Millionen Dollar teuren Produktion einiges auf dem Spiel. Durch seine letzten Werken war er in die erste Garde der Zunft der Regisseure aufgestiegen. Spielten die beiden Filme aus der Sherlock-Holmes-Franchise doch jeweils mehr als eine halbe Milliarde Dollar in die Kassen. Dieses Kunststück will er nun mit „Uncle“ wiederholen. Das sollte den Umsatz seines filmischen Schaffens auf alles in allem 1,5 Milliarden Dollar erhöhen. Ein ambitioniertes Ziel mit einem alten Stoff, greift die Handlung seines aktuellen Streifens doch auf eine Fernsehserie aus den sechziger Jahren zurück.

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          Der Film spielt vor der Kulisse des Kalten Krieges und mit ein paar satten Klischees: CIA und KGB, Cowboys und Genossen. Um es gleich in den ersten Szenen richtig krachen zu lassen, rückt Richi den Trabi ins Zentrum des Geschehens: Eine aufgemotzte Verfolgungsjagd mit einem schwer frisierten Wartburg. Immer an der Mauer lang und manchmal auch drüber weg. Ein von Hollywood inszeniertes ostdeutsches Auto-Ballett. Der vielfach zum alten Eisen der Branche und auf den Schrottplatz der Geschichte geworfene Trabi hat anders als die im Film erscheinenden Ferraris und Jaguars nichts zu verlieren und alles zu gewinnen.

          Ist er doch seit 25 Jahren aus der Produktion, kommt noch heute so wendig und windschnittig wie ein Schuhkarton daher und war einst mit einem Motor ausgerüstet, der auch eine Nähmaschine hätte antreiben können. Ein luftgekühlter Zweizylinder-Zweitakter mit 26 PS trieb ihn bei Rückenwind und abschüssiger Straße auf eine Geschwindigkeit von 120 Kilometer je Stunde in der Spitze. Er hat keinen Kühlergrill aber einen Benzinhahn; seine Innenausstattung war so spartanisch wie nur möglich. Alles schön übersichtlich und geordnet. Dreieinhalb Meter lang, anderthalb Meter hoch und ebenso breit.

          Im Volksmund musste er sich Plastebombe, Papp-Porsche oder auch Asphaltblase schimpfen lassen. Peter Kirchberg nennt ihn in seinem Buch „Plaste, Blech und Planwirtschaft“ ein Auto, „das zum Zeitpunkt seiner Produktionseinführung technisch auf der Höhe der Zeit war“, dann aber trotz Investitionen von alles in allem 35 Millionen (Ost-)Mark in Innovationen und Weiterentwicklungen den Anschluss verlor. Wolfgang Peters beschrieb ihn in seinem Fahrbericht im Dezember 1989 in dieser Zeitung als „Fluchtwagen und als solides Langstreckenfahrzeug“, dessen Motor sich „unter Luftfilter und Wärmetauscher versteckt“ und dessen „Krückstockschaltung“ am Lenkrad „wie von selbst die Position der vier Gänge“ findet.

          In Amerika gilt der Wagen aufgrund seiner Gestalt, seiner Leistung und seiner Geschichte mittlerweile als Kult. Symbol einer untergegangenen Zeit. Matthew Phenix, Autotester und Motorjournalist in Los Angeles schreibt: „So, wie japanische Autofans den schrecklichen Chevrolet Astro Van und deutsche Kitz aus der Hasselhoff-Ära den Astro Pontiac Trans Ams verehren, pflegen amerikanische Autojournalisten eine bleibende Zuneigung für den Trabant zu haben, dieses innovative, doch so alptraumhaft unzuverlässige Volks-Auto aus dem einstigen Ostblock.“ Sein englischer Kollege Paul Hudson nennt ihn einen „Klassiker, der auffrisiert und mit zwei Profis am Lenkrad im Cold-War-Film-Kitsch von Ritchie zu ungeahnten Höchstleistungen aufläuft.

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