https://www.faz.net/-gqe-8g9yr

Freie Tage : Der Feiertag-Nachhol-Vorschlag sorgt für Spott

  • Aktualisiert am

In diesem Jahr fällt der 1. Mai auf einen Sonntag. Bild: dpa

Sollen gesetzliche Feiertage, die auf einen Sonntag fallen, an einem anderen Werktag „nachgeholt“ werden? Union und Arbeitgeber halten die Idee für Blödsinn. Auch aus Teilen der SPD kommt Spott.

          Wenn ein Feiertag auf einen Sonntag fällt, sollten Arbeitnehmer ihn künftig nachholen dürfen - dafür haben Politiker von Linken und Grünen am Wochenende geworben. In anderen europäischen Ländern ist das üblich. Doch in Deutschland stieß der Vorschlag umgehend auf Widerstand.

          Ausgerechnet der Tag der Arbeit am 1. Mai fällt dieses Jahr auf einen Sonntag. Die Arbeitnehmer haben deshalb einen Feiertag weniger. „Es kann nicht sein, dass den Arbeitgebern regelmäßig zusätzliche Arbeitstage geschenkt werden, die eigentlich als bezahlte Feiertage den Beschäftigten zustehen“, sagte Sabine Zimmermann von der Linken der „Saarbrücker Zeitung“ vom Samstag.

          Vor allem das Nachholen des 1. Mai als freiem Tag sei wünschenswert, sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Beate Müller-Gemmeke, der „Saarbrücker Zeitung“. Ihre Begründung: „Das hätte Charme. Dann haben Beschäftigte zum einen Zeit für die Kundgebung am Sonntag und können am freien Montag ihre Zeit der Familie widmen.“

          In der SPD ist das Meinungsbild nicht so eindeutig. Die SPD-Arbeitsmarktpolitikerin Katja Mast sagte der Zeitung: „Das wäre natürlich ein Zeichen zur Entlastung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.“ Eine Sprecherin des von ihrer Parteifreundin Andrea Nahles geführten Bundesarbeitsministeriums erklärte auf Anfrage: „Uns sind dazu keine Pläne bekannt.“ Der rechtspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Sven Kohlmeier, reagierte im Kurznachrichtendienst Twitter ironisch: „Feiertage nachholen am nächsten Werktag? Ich will auch Sonntage nachholen, und Samstage und Geburtstage! #dümmergehtimmer“.

          Auch die Arbeitgeber quittierten den Vorschlag mit wenig Enthusiasmus. „Bei der Gesamtzahl der arbeitsfreien Tage durch Urlaub und Feiertage belegt Deutschland ohnehin einen Spitzenplatz im internationalen Vergleich“, sagte ein Sprecher des Arbeitgeberverbandes BDA. Falle ein Feiertag zufällig auf einen Sonntag, hätten alle interessierten Beschäftigten die Möglichkeit den jeweiligen Anlass würdig zu begehen. Für eine Verschiebung auf einen Werktag gebe es daher keinen Grund.

          Noch etwas drastischer drückte es der stellvertretende Vorsitzende der Union-Bundestagsfraktion, Michael Fuchs, aus. Er sagte: „Ich halte das für Blödsinn.“ Die Deutschen hätten so viele Feiertage. „Wenn dann mal einer auf das Wochenende fällt, ist das bei durchschnittlich 30 Urlaubstagen im Jahr sicherlich zu verkraften.“ Der hessische Landtagsabgeordnete Hartmut Honka (CDU) konstatiert angesichts der Debatte bei Twitter: „Unsere Gesellschaft hat wohl keine echten Probleme mehr.“

          In vielen Ländern - darunter auch Belgien, Spanien und Großbritannien - werden Feiertage, die an einem Wochenende liegen, am darauffolgenden Werktag nachgeholt. In Deutschland fallen dieses Jahr zwei kalendarisch fest gebundene Feiertage auf ein Wochenende: der 1. Mai und der 25. Dezember.

          Welche Länder Feiertage nachholen

          Wenn gesetzliche Feiertage auf einen Sonntag fallen, bekommen Arbeitnehmer in manchen Ländern Europas einen freien Tag als Ersatz. Eine Auswahl:

          In Großbritannien werden Feiertage als arbeitsfreie Tage vom Wochenende auf einen Werktag verlegt, üblicherweise den nächsten Montag. Im Jahr 2016 fällt der 1. Weihnachtsfeiertag auf einen Samstag und wird landesweit am 27. Dezember nachgeholt.

          Kaum ein Land in Europa hat so viele Feiertage wie Spanien: Zu den zwölf landesweiten kommen noch lokale Festtage. Fallen die nationalen Feiertage auf einen Sonntag, können sie am folgenden Montag nachgeholt werden.

          Fällt einer der arbeitsfreien Feiertage in Belgien auf einen Sonntag oder anderen freien Tag, wird ein Werktag als Ersatz bestimmt. Der 1. Mai kann so auch im August nachgefeiert werden. Den Arbeitnehmern muss noch im Vorjahr mitgeteilt werden, welcher Tag als Ersatz gewählt wird. Die Regelung gilt dann einheitlich für alle Angestellten des Unternehmens.

          Auch Luxemburg erlaubt seinen Unternehmen, selbstständig einen alternativen freien Tag festzusetzen - immer vorausgesetzt, dass einer der zehn gesetzlich garantierten Feiertage auf das Wochenende fällt.

           

          Weitere Themen

          Illegale Müllexporte auch aus Deutschland?

          Plastik : Illegale Müllexporte auch aus Deutschland?

          Immer mehr Länder in Südostasien wehren sich dagegen, die Müllhalde der westlichen Welt zu sein. Dabei geht es vor allem um verbotene Exporte. Auch Deutschland steht unter Verdacht.

          Topmeldungen

          Transfer-Offensive : Borussia Dortmund hat ein großes Problem

          Der BVB beeindruckt mit seinen starken Neuzugängen. Doch die Offensive auf dem Transfermarkt hat auch ihre Schattenseiten. Der Kader ist nun viel zu üppig besetzt. Auf der Streichliste stehen prominente Namen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.