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Der Fall Sarrazin und die Bundesbank : Was bisher geschah

Der Fall Sarrazin sorgt für Wirbel in der Bundesbank Bild: Frank Röth

Thilo Sarrazins umstrittenes Interview hat eine Vorgeschichte. Vollkommen überrascht dürften die Äußerungen Bundesbankpräsident Weber nicht haben.

          Die Bundesbank distanziere sich von „Form und Inhalt“ der Äußerungen: Das war die offizielle Reaktion von Bundesbankchef Axel Weber auf Thilo Sarrazins Interview in der Zeitschrift „Lettre International“, in dem dieser sich abfällig über Türken und Araber in Berlin äußerte (siehe auch "Ständig neue kleine Kopftuchmädchen" - Was Thilo Sarrazin sagt). Weber machte aus seiner Empörung kein Hehl: Es sei ein "Reputationsschaden" für die Institution entstanden, sagte er vergangene Woche medienwirksam beim IWF-Währungsgipfel in Istanbul. Und legte Sarrazin den Rücktritt nahe.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Thema „20 Jahre Mauerfall“

          Doch das Interview hat eine Vorgeschichte. Vollkommen überrascht dürfte das Interview Weber nicht haben. Vielmehr war es die Pressestelle der Bundesbank gewesen, über die die Redaktion von „Lettre International“ Ende Juli ein Interview mit Sarrazin angefragt hatte - aus Anlass des Jahrestages „20 Jahre Mauerfall“. Ein Berliner Thema, zu dem Sarrazin sich auch als ehemaliger Finanzsenator von Berlin äußern sollte.

          Am 28. August wurde das Gespräch in Berlin geführt, ohne dass allerdings ein Mann der Kommunikationsabteilung dabei gewesen wäre. Die Redaktion von „Lettre International“ ließ ein Band mitlaufen und schickte die Abschrift, wie es in der Branche üblich ist, zum Autorisieren über die Pressestelle an Sarrazin. In der Pressestelle fand man vier oder fünf Passagen zu provozierend und legte Sarrazin nahe, diese abzuschwächen. Er tat das offenbar auch. Trotzdem rieten die Kommunikationsexperten Sarrazin dem Vernehmen nach, das Interview lieber ganz abzublasen. Woran sich der selbstbewusste Bundesbankvorstand aber nicht hielt. Also ging das Interview Mitte September an die Zeitschrift zurück, freigegeben zum Abdruck.

          Gastkommentar ohne Absprache

          Es war aber noch nicht gedruckt, da ließ Weber Sarrazin ausrichten, er sei „empört“ über den Inhalt des Interviews. Ebenso wie über einen Gastkommentar im „Handelsblatt“, den Sarrazin ebenfalls ohne Absprache mit dem Präsidenten verfasst hatte. Wann genau Weber über den Inhalt des Interviews Bescheid wusste und ob Sarrazin schon vor der „Empörungs“-Bemerkung Zeichen bekommen hatte, er solle das Interview lieber lassen - das lässt sich nicht rekonstruieren.

          Sicher aber ist: Weber wusste schon vor dem Erscheinen des Interviews davon. Er erfuhr davon nicht erst aus der Zeitung. Und er kann nicht wirklich überrascht gewesen sein.

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