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Verflixte Währungen : Der Dollar hat gemacht, was Trump wollte

Eine falsche Dollarnote mit dem Abbild des Präsidenten Donald Trump wurde am 20. Januar zu seiner Amtseinführung in Washington verkauft. Bild: dpa

Vor seinem Amtsantritt klagte Donald Trump über den aus seiner Sicht zu hohen Wert der amerikanischen Währung. Im Rückblick zeigt sich nun: Der Dollar-Kurs ist gefallen. Gegenüber einer Währung besonders auffällig.

          Schon vor seinem Amtsantritt vor einem knappen Jahr hat der amerikanische Präsident Donald Trump sehr deutlich gemacht, was ihn ganz konkret stört. Über den Kurznachrichtendienst Twitter kritisierte er beispielsweise Autohersteller für Produktion oder Produktionspläne in Mexiko. Tatsächlich war er gleichwohl nicht der erste Mann im Weißen Haus, der offensiv für Investitionen in den Vereinigten Staaten warb (und wirbt).

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Mehr erstaunte, dass er auch auf einem Gebiet eine äußerst harsche Sprache pflegte, auf dem sich amerikanische Präsidenten üblicherweise stark zurückhalten: dem Wert des Dollar. Wenige Tage vor seiner Vereidigung bezeichnete Trump gegenüber dem „Wall Street Journal“ die amerikanische Währung nicht nur als „zu stark“. Er begründete: „Unsere Unternehmen können mit ihnen momentan nicht konkurrieren, weil unsere Währung zu stark ist. Und das bringt uns um (it's killing us).“ Mit „ihnen“ meinte er China, dessen Führung er abermals vorwarf, die Währung Yuan künstlich niedrig zu halten.

          Drei plausible Erklärungen

          „Das ist das erste Mal, dass wir einen gewählten Präsidenten haben, der sagt, dass der Dollar zu weit gelaufen ist“, kommentierte das damals zum Beispiel Marc Chandler, Währungsstratege von Brown Brothers Harriman, im amerikanischen Finanzsender CNBC. „Er sagt Sachen und tut Dinge, die kein Präsident je zuvor gesagt hat.“

          Fachleute teilten Trumps Ansicht nicht. Sie argumentierten etwa damit, dass der Dollar in den Jahren zuvor gegenüber anderen Währungen an Wert gewann, weil die amerikanische Wirtschaft kräftiger wuchs – etwas ganz Normales also, wie das im Wirtschaftslehrbuch steht. Rückblickend zeigt dieses Jahr allerdings genau die von Trump gewünschte Entwicklung: Der Dollar hat sich gegenüber den wichtigsten anderen Währungen der Welt teils merklich verbilligt. Ein entsprechender breiter Währungsindex, den die Notenbank Federal Reserve regelmäßig ermittelt und der Auskunft über den langfristigen Trend gibt, fiel von 103 auf 95 Punkte.

          Und auch mit Blick auf einzelne Währungen zeigt sich das. Der Dollar verlor an Wert gegenüber dem britischen Pfund, dem Schweizer Franken, der schwedischen Krone, dem kanadischen Dollar, dem japanischen Yen und dem chinesischen Yuan. Gemessen an den großen Währungen gab er am stärksten gegenüber dem Euro nach – der Kurs der Gemeinschaftswährung stieg von etwas mehr als 1 Dollar zu Jahresbeginn auf mittlerweile wieder beinahe 1,20 Dollar. Das mag erstaunen, hat doch die amerikanische Notenbank die Leitzinsen seit dem Ende der Finanzkrise mittlerweile mehrmals angehoben und außerdem begonnen, die angekauften Wertpapierbestände zu verringern. Es gibt aber vor allem drei Gründe, die eine Erklärung liefern können:

          1. Die Wirtschaft der Währungsunion wächst wieder: Nicht nur in Deutschland steigt die Wirtschaftsleistung, mittlerweile gilt das für die Eurozone insgesamt, etwa auch für Italien, Frankreich und Portugal. Auch die amerikanische Wirtschaft wächst weiter – im Vergleich zu den zurückliegenden Jahren aber nicht mehr substantiell schneller als die der Währungsunion, im Gegenteil.

          2. Die Eurozone weist einen hohen Leistungsbilanzüberschuss auf: Es gibt mehrere Theorien, die erklären, wie sich der Wechselkurs einer Währung verändert. Der Unterschied zwischen den (kurzfristigen) Zinsen ist ein wichtiger Ansatz. Ein anderer bezieht sich auf den Handel mit Waren und Dienstleistungen, und hier gilt derzeit: Die Währungsunion exportiert Güter in deutlich größerem Umfang, als sie Güter importiert. Das ist für sich genommen ein Argument, aus dem der Euro zumal gegenüber dem Dollar aufwerten sollte. Denn für die Vereinigten Staaten gilt das Gegenteil: Die größte Ökonomie der Welt weist weiter ein hohes Leistungsbilanzdefizit auf. Ob das eine gut und das andere schlecht ist, ist damit übrigens nicht gesagt; es hat aber einen Einfluss auf die Währungskurs-Entwicklung.

          3. Enttäuschung über Trump: Ein Wechselkurs hängt immer von zwei Dingen ab, dem Inland und dem Ausland. Für die Stärke des Euro gegenüber dem Dollar dürften nicht nur die besseren Wirtschaftskennzahlen aus Europa verantwortlich sein, sondern mutmaßlich ebenso die Entwicklungen auf der anderen Seite des Atlantiks. Und da ist lange wenig passiert – gemessen an dem, was Trump einst in Aussicht stellte. Er hat die Wirtschaft teilweise dereguliert. Kurz vor Weihnachten haben die Republikaner eine Steuerreform durch den Kongress gebracht, deren Kern niedrigere Unternehmenssteuersätze sind – sie wird einen Effekt haben, kam aber später als von Trump mehrfach angekündigt. Im Jahresverlauf gab es sogar Zweifel daran, dass das überhaupt klappen würde, nachdem die Republikaner in mehreren Anläufen die Gesundheitsreform von Barack Obama nicht abschaffen konnten. Das von Trump ebenfalls zu Beginn seiner Präsidentschaft in Aussicht gestellte große Infrastrukturprogramm scheint derzeit kein Thema zu sein.

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